Erster Jahrestag eines Flops

Die französische Finanztransaktionssteuer hat bis zu ihrem ersten Geburtstag mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht, meint Raphael Vannoni von der Bankiervereinigung.

Raphael Vannoni 119x178Raphael Vannoni ist Leiter Econonic Analysis bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Seit einem Jahr existiert in Frankreich eine Finanztransaktionssteuer. So ist es an der Zeit für ein Fazit, was diese Steuer erreicht hat und was nicht. Sind die «bösen» Spekulanten von den Märkten vertrieben worden?

Doch zuerst ein paar Grundlageninformationen: Die französische Finanztransaktionssteuer ist fällig beim Erwerb von Wertpapieren von börsennotierten Unternehmen, die ihren Hauptsitz in Frankreich haben und eine Marktkapitalisierung von mehr als 1 Milliarde Euro aufweisen. Der Steuersatz beträgt 20 Basispunkte (0,2 Prozent).

Auswirkung auf Handelsvolumen unterschiedlich

Gemäss Analysen von Credit Suisse haben sich die Volumina nach einer kurzen Reduktion erholt und sind mittlerweile wieder vergleichbar mit anderen Märkten. Je nach Unternehmensgrösse unterscheiden sich die Ergebnisse aber.

So weisen Aktien von «kleineren» französischen Unternehmen – die sowieso bereits eine tiefere Liquidität aufweisen – eine Reduktion im Handelsvolumen auf. Der Grund liegt wohl darin, dass Investitionen in kleinere Unternehmen einfacher zu substituieren sind als Blue Chips.

Leicht erhöhte Volatilität

In der untenstehenden Grafik sind die Volatilität des deutschen Aktienindex DAX und die des französischen Index CAC40 abgebildet. Insgesamt kann seit September 2012 auf dem französischen Finanzmarkt (rote Linie) eine leicht höhere Volatilität festgestellt werden als in Deutschland (blaue Linie).

Volatilität des DAX und des CAC40

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Quelle: Thomson Datastream

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat mittlerweile die Zeichen der Zeit erkannt und die Finanztransaktionssteuer als «altmodisch» bezeichnet. Zudem warnte unlängst Carlo Cottarelli, der Direktor des Departements für Steuerfragen des IWF, vor negativen Auswirkungen der Finanztransaktionssteuer.

Was nun nach dem ersten Geburtstag bleibt, sind verzerrte Finanzmärkte, eine Abwanderung von Kapital sowie zusätzliche Steuereinnahmen in der Höhe von geschätzten 500 Millionen Euro. Zur Frage, wer denn diese Steuer zur Hauptsache tragen wird, sind sich diverse Studien einig (unter anderem von Oliver Wyman und Goldman Sachs): Es sind dies die Kleinanleger, beispielsweise über tiefere Renten oder Renditen auf Ersparnissen – und nicht etwa die erwähnten Spekulanten.

Die Beurteilung, ob damit das ursprüngliche Ziel erreicht werden kann, überlasse ich den Lesenden selbst. Ich hoffe aber, die Entscheidungsträger sind sich der (negativen) Auswirkungen bewusst und bewahren die Kleinsparer vor ihrem Schaden.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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