Deutschland wählt – was braucht das die Anleger zu kümmern?

Am Wochenende entscheidet sich, wer die Geschicke in Europas grösster Volkswirtschaft bestimmt. Der Wahlausgang hat auch Einfluss auf die Schweiz, sagt Harald Reczek von der Deutschen Bank.

Harald Reczek ist Head of Global Client Group Switzerland, Austria & CEE bei Deutsche Asset & Wealth Management

Für den Ausgang der Bundestagswahl in Deutschland sind unterschiedliche Szenarien denkbar. Einerseits könnte der Parteienverbund CDU/CSU in der Regierung bleiben – entweder mit dem bisherigen Koalitionspartner FDP, sofern dieser die Fünf-Prozent-Hürde erreicht, oder abermals in einer grossen Koalition mit der SPD.

Andererseits könnte es auch zu einem Regierungswechsel kommen – durch eine Koalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Welchen Einfluss kann der Wahlausgang auf die Wirtschaft und die Beziehungen zur Schweiz nehmen?

Vermeidung kalter Progression

In den jeweiligen Koalitionsverhandlungen spielen die Steuerpläne eine bedeutende Rolle. Die Sozialdemokraten und Die Grünen sind für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes und die Einführung einer Vermögensteuer.

Die aktuellen Regierungsparteien verfolgen dagegen die Anpassung der Einkommenssteuer-Tarife zur Vermeidung kalter Progression. Eine Erhöhung der Steuerlast über die Inflation soll damit künftig nicht mehr stattfinden.

Steuererleichterungen gut fürs Wachstum

In seinem aktuellen Länderbericht bewertet der Internationale Währungsfonds (IWF) Deutschland sehr positiv. Gelobt werden insbesondere die gesunden volkswirtschaftlichen Bilanzen und das stabile Finanzsystem. Gleichzeitig begrüsst der IWF den Plan der Bundesregierung, die Reallöhne über Steuererleichterungen steigen zu lassen und somit der kalten Progression entgegenzuwirken.

Entsprechend positiv dürfte sich in der kommenden Legislaturperiode eine Fortsetzung der Koalition aus CDU/CSU und FDP auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Gemäss Regressionsanalysen hätten die Steuerpläne auch einen Anstieg des privaten Konsums zur Folge.

Unterschiedliche Entwicklung

Würde eine CDU/CSU-FDP-Koalition ihre Steuerpläne sofort umsetzen, dürfte sich der reale Wachstumsbeitrag des Konsums verdoppeln (von 0,83 auf 1,56 Prozentpunkte). Eine Umsetzung der Steuerpläne von SPD und Bündnis 90/Die Grünen könnte hingegen den privaten Konsum einschränken.

Entsprechend wäre bei einem Regierungswechsel mit einem weniger positiven Effekt auf das reale Wachstum zu rechnen.

Im Auge behalten

Das langfristige reale Wachstum einer Volkswirtschaft und die für die kommenden Jahre zu erwartenden Inflationsraten gelten als wesentliche Einflussgrössen für das Zinsniveau von Staatsanleihen.

Auch Schweizer Anleger, die Bundesanleihen besitzen, sollten daher die Bundestagswahl im Blick behalten. Das Ergebnis könnte, wie oben aufgezeigt, das Wachstumstempo Deutschlands beeinflussen.

Einfluss aufs Renditeniveau

Darüber hinaus dürfte sich die künftige Europapolitik der neuen Regie¬rung auf das Renditeniveau in Deutschland und den anderen Mitgliedsstaaten des Euro-Raums auswirken.
Die Auswirkungen auf die Aktienmärkte sollten sich hingegen in Grenzen halten. Viele börsennotierte Unternehmen sind international aktiv und die Aktien grosser Konzerne global gestreut.

Entsprechend dürfte es auch den Schweizer Aktienmarkt kaum tangieren, wenngleich Deutschland mit 20 Prozent der grösste Absatzmarkt für Schweizer Exporteure darstellt.

Steuerabkommen – noch ein langer Weg

Nachdem der deutsche Bundesrat das Steuerabkommen, das die Schweiz und Deutschland ausgehandelt hatten, Ende 2012 abgelehnt hat, signalisierte SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück gegenüber der Presse mehrfach Verhandlungsbereitschaft für ein neues Abkommen.

Allerdings solle sich die Schweiz in einem zukünftigen Abkommen verpflichten, den deutschen Steuerbehörden die gleichen Rechte einzuräumen wie den amerikanischen, sagte Steinbrück.

Scheitern als Erfolg

Das Scheitern des geplanten Steuerabkommens wertet die SPD als Erfolg im Kampf gegen den Steuerbetrug, da nach Bekanntgabe des Scheiterns die Selbstanzeigen in grossem Masse zugenommen hätten.

Wie die Schweiz mit einer solchen Verhandlungsposition umgeht, wird sich im Falle einer rot-grünen Mehrheit zeigen. Dessen ungeachtet muss die neue Regierung auf Grund der aktuellen Stimmenverteilung im Bundesrat bei einem allfälligen Abkommen die Position der SPD auf jeden Fall berücksichtigen. Für Schweizer Anleger sollten sich hieraus aber keine Konsequenzen ergeben.

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Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

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Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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