Banken: Einstellungsstopps sind Geschichte

Die seit Jahresbeginn beobachtete Trendwende in der Schweizer Finanzbranche ist von Dauer. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen befindet sich auf dem höchsten Stand seit Juni 2011.

Per Ende September waren bei den Banken 1'227 Jobs offen, was seit Januar 2013 einer Zunahme von 20,9 Prozent entspricht. Die Versicherungen hatten 1'180 Stellen ausgeschrieben; +11,4 Prozent seit Jahresbeginn.

Markant ist auch die Zunahme bei den übrigen Finanzfirmen (Wirtschaftsprüfung, Informatik, Consulting, Börse). Sie hatten Ende September 2013 total 1'183 Jobs offen, was 17,8 Prozent mehr ist als Anfang 2013. Dies geht aus dem neusten Finews-JobDirectory-Index hervor. Er wird vierteljährlich mit Daten des Internet-Portals JobDirectory.ch veröffentlicht.

Neue Beschäftigte gesucht

Einstellungsstopps sind Geschichte. Die Finanzinstitute benötigen besser geschultes und äusserst kompetentes Personal, um den enormen Herausforderungen und den verschärften regulatorischen Ansprüchen gerecht zu werden. Parallel zu den anhaltenden Sparübungen werden daher neue Jobs ausgeschrieben.

Ein Beispiel: Private Banker brauchen heute wesentlich mehr personelle Unterstützung, um ihre Kunden fachlich und rechtlich korrekt betreuen zu können. Das erfordert neue Beschäftigte. (vgl. Grafik 1)

Grafik 1 Oktober 2013 kopie

Auf den Webseiten von insgesamt 1'400 Schweizer Banken, Versicherungen und anderen Finanzfirmen sind aktuell 3'590 Stellen online ausgeschrieben. Das ist der höchste Stand seit Juni 2011. Damit hat die Branche derzeit 7,6 Prozent mehr freie Positionen als noch vor Jahresfrist – damals waren 3'337 Stellen offen gewesen. Noch deutlicher ist die Zunahme in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres: Das Angebot stieg um 16,7 Prozent.

Die Banken hatten per Ende September 2013 insgesamt 1'227 Jobs ausgeschrieben; bei den Versicherungen waren 1'180 Positionen offen sowie 1'183 Stellen bei den übrigen Finanzfirmen. Damit bestätigt sich der Turnaround seit Anfang dieses Jahres.

Grossbanken: Plus bei UBS, minus bei CS

Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) sind die zwei wichtigsten Arbeitgeber in der Branche. Doch während die Zahl der ausgeschriebenen Stellen bei der UBS seit Anfang Jahr kontinuierlich um markante 43,2 Prozent auf 345 stieg, geht das Angebot an offenen Jobs bei der Credit Suisse seit März permanent zurück. Per Ende September hatte die Credit Suisse 228 Stellen ausgeschrieben; 21,1 Prozent weniger als Ende März 2013. (vgl. Grafik 2)

Auffällig: Bei beiden Grossbanken liegt die Anzahl so genannter «Einsteiger-Jobs» bei rund 100. Das bedeutet, dass die UBS – wegen der höheren Zahl an offenen Stellen – deutlich mehr erfahrene Mitarbeitende sucht als die Credit Suisse. Bei der CS dürften nach wie vor Sparmassnahmen eine wichtige Rolle in der strategischen Entwicklung spielen.

Grafik 2 Oktober 2013

«Banken von nebenan» suchen Personal

Interessante Veränderungen gab es bei den «übrigen Banken» (ohne UBS und CS). Hatten in bislang die Privatbanken den grössten Bedarf an Personal, so sind es jetzt die Regional- und Retailbanken, welche mit 166 offenen Jobs am meisten Leute suchen. Das ist 25,8 Prozent mehr als am Jahresanfang.

Seit sechs Monaten stark am Ausbauen sind die Kantonalbanken, die per Ende September total 150 Jobs offen hatten. Zu Beginn 2013 waren es bloss 108 gewesen. Zu diesem Wachstum trug vor allem die Zürcher Kantonalbank bei, die ihr Angebot seit Ende März von 10 offenen Stellen auf aktuell 34 Jobs erhöhte. (vgl. Grafik 3)

Von neuer Realität eingeholt

Die Auslandbanken verharren seit März 2013 bei durchschnittlich 150 offenen Stellen, während dieser Wert bei den Privatbanken im selben Zeitraum bei gut 140 Jobs lag. Bei diesen beiden Bankengruppen scheint es offensichtlich noch unklar, wie das optimale Geschäftsmodell in der Welt von morgen beschaffen sein soll.

Auffallend: Die liechtensteinischen Banken suchen seit Ende 2012 immer weniger Personal. Damit zeigt sich, dass diese Institute im Nachgang zur Finanzkrise früher wieder Kapazitäten aufbauten, die sie nun wieder reduziert haben. Eine neue Realität hat sie eingeholt.

Grafik 3 Oktober 2013

Finanzbranche im 3. Quartal 2013: Titel

Betrachtet man ausschliesslich die Zahlen für das 3. Quartal 2013, so hat sich die positive Entwicklung, die bereits zwischen Januar bis Ende Juni zu beobachten gewesen war, im gesamten Finanzsektor bestätigt.

Bei den Versicherungen sind es vor allem die grossen Firmen, die am meisten offene Stellen ausweisen: etwa die Zurich mit 110 ausgeschriebenen Jobs (+30 Stellen in den vergangenen drei Monaten) oder die Krankenkasse CSS mit 90 offenen Stellen (+30 Jobs in der jüngsten Bemessungsperiode). Allerdings ging bei manchen Assekuranzunternehmen das Angebot auch zurück. Die AXA Winterthur hat momentan noch 60 offene Stellen – 10 weniger als noch Ende Juli 2013.

Viele offene Stellen bei der Börse

Die übrigen Finanzfirmen präsentieren ein auf hohem Niveau stabiles Beschäftigungsbild. Bei den «Big Four» (Deloitte, Ernst & Young, KPMG, PwC), die mehrheitlich zum Jobangebot in diesem Sektor beitragen, sind aktuell 280 Stellen ausgeschrieben. Leader ist PwC mit insgesamt 80 Jobs.

Auffallend: Eine hohe Zahl an offenen Stellen haben die SIX Group (43 Jobs per Ende September), also die Betreiberin der Schweizer Börse SWX Swiss Exchange, sowie der Banken-Software-Konzern Avaloq (29 Stellen per Ende September).

Der Finanzjob-Index

Der Finews-JobDirectory-Index zeigt die Entwicklung aller online ausgeschriebenen Stellen in der Finanzbranche der Schweiz und Liechtenstein. Dafür werden die Angebote von 1'400 Arbeitgebern ausgewertet. Der Index wird alle drei Monate vom Schweizer Finanzportal finews.ch mit Daten des Portals JobDirectory.ch der Firma Fenom veröffentlicht.

  • Nächste Publikation: 13. Januar 2014

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Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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