«Absurde, oft imperiale Brutalität»

Peter Kurer warnt eindringlich vor der US-Justiz: «Amerika scheint immer weniger Respekt vor anderen Rechtssystemen zu haben», sagt der ehemalige UBS-Präsident in einem Interview.

Die massiven Bussen der USA gegen internationale Unternehmen könnten einen zweifelhaften Hintergrund haben: «Ich vermute dahinter vor allem einen Vorwand und eine Waffe, um grosse, global tätige Gesellschaften zurückzustutzen und den amerikanischen Markt zu schützen», sagt Peter Kurer. «Seit der Westen und der Norden zunehmend ihre wirtschaftliche Vorherrschaft verlieren, fühlen sich die USA in die Enge getrieben und werden aggressiver. Das US-Recht ist in den letzten Jahren deutlich ethnozentrischer geworden, auf die Interessen der USA zugeschnitten».

In einem grossen Interview mit der Wochenzeitung Dollar Bussen an Großunternehmen verteilt.»

«Immer weniger Respekt»

Sicher spiele die Ebbe in Washingtons Kasse auch eine Rolle beim entschlossenen Vorgehen gegen die Schweizer Banken, ferner der Ärger über die zunehmende soziale Ungleichheit. Grundsätzlich bemerkt Kurer aber, dass Amerika «immer weniger Respekt vor anderen Rechtssystemen zu haben» scheint. «Auch die Vorrangigkeit des internationalen Rechts akzeptiert es meistens nicht mehr.»

Kurer kennt die Verhältnisse: Er hat unter anderem in Chicago studiert, arbeitete bei den Kanzleien Baker & McKenzie und Homburger und war ab 2001 General Counsel der UBS. In der – gerade im US-Verhältnis – heiklen Zeit zwischen April 2008 und April 2009 amtierte er als Verwaltungsratspräsident der UBS.

«Ohne Rücksicht auf personelle Verluste»

Zur Vergangenheit und aktuellen Lage der UBS äussert sich Kurer im Interview mit «Die Zeit» allerdings kaum; auch das Schicksal von Raoul Weil wird nicht thematisiert. Kurer räumt lediglich kursorisch ein, dass er im US-Geschäft heute «sicher das eine oder andere nicht mehr gleich machen» würde: «Wir haben die gesellschaftliche und politische Tragweite unterschätzt. Umgekehrt wurde mir anfangs 2009 zunehmend klar, dass dies nicht nur ein UBS-Problem ist, sondern den gesamten schweizerischen Bankenplatz treffen wird. Es war aus dieser Erkenntnis heraus absolut zentral für uns, dass wir die Sache so rasch wie möglich hinter uns bringen, und zwar ohne Rücksicht auf personelle Verluste.»

Die Grundidee an der UBS-Spitze sei damals gewesen: «Wer es als Erster löst, wird sich als Erster für die Zukunft neu aufstellen können. Dies hat sich im Rückblick wohl als richtig erwiesen.»

«Der Anwalt wird's schon richten»

Kurer, der heute Partner bei der Private-Equity-Firma BLR & Partners ist, warnt auch vor den Rechtrisiken, denen viele Manager individuell heute im US-Geschäft ausgesetzt sind – hier ortet er offenbar eine gewisse Naivität. «Der Durchschnittsmanager hat wenig Ahnung vom Risiko, das er eingeht. Er will dieses Risiko auch gar nicht kennen. Lieber diskutiert er über neue Produkte oder ein neues Logo, spricht über die Zukunft statt über die Vergangenheit. Der Anwalt wird's schon richten.»

Allerdings, so der Jurist weiter, seien auch viele europäische Anwälte zu unbedarft und naiv im Umgang mit dem amerikanischen Rechtssystem.

Als wichtige Verhaltensregel an die Europäier nannte Kurer denn auch Respekt vor dem amerikanischen Recht, im positiven wie im negativen Sinn: «Hier mischt sich hohe Kompetenz mit absurder, oft imperialer Brutalität.»

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