«Der Kapitalismus lebt von Firmen, wie wir sie im Portfolio haben»

Philipp Weckherlin, Mitgründer der Zürcher CEAMS CE Asset Management, übers Klinken putzen, embryonale Stammzellen im Aktienmarkt und Finanzanalysten in Lettland.

Philipp W 120Herr Weckherlin, Sie führen seit zwölf Jahren die Vermögensverwaltung CEAMS CE Asset Management in Meilen. Sie stammen aber nicht aus der Branche.

Nein. Mein familiärer Hintergrund ist die Textilindustrie, und ich war jahrelang Berater bei Boston Consulting und Roland Berger.

Wie kam es dann, dass Sie zusammen mit Markus Hepp eine Vermögensverwaltung gründeten?

Ich war natürlich mit der ganzen betriebswirtschaftlichen Literatur vertraut, namentlich auch mit der von Bruce Henderson (Anmerkung: Gründer der Boston Consulting Group), wie «In Search of Excellence». Mich hat irritiert, dass das jahrzehntealte Wissen von Henderson über Unternehmen nicht systematisch in Aktien- und Anlagelösungen umgesetzt wurde.

Das haben Sie dann gemacht. Und nun investiert CEAMS nur in Qualität?

Ausschliesslich und basierend auf einem sehr systematischen Ansatz. Wir prüfen die betriebswirtschaftlichen Kriterien eines Unternehmens, ob es unsere Qualitätsstandards erfüllt oder nicht. Zusätzlich prüfen wir die Aktie auch auf verschiedene Bewertungskriterien.

Wie würden Sie den Quality-Stil beschreiben?

Was wir in unseren Portfolios abbilden, ist im Prinzip die embryonale Stammzelle des Kapitalismus. Das soll heissen: Der Kapitalismus lebt am Ende des Tages nur von Firmen, wie wir sie im Portfolio haben. Also Unternehmen, die ihre Kapitalkosten verdienen, ein nachhaltiges Geschäftsmodell haben und auch wachsen können. Darum sollte Quality auch ein zentraler Portfolio-Baustein sein. Der Quality-Stil ist im Prinzip nicht besonders innovativ. Er beruft sich, sehr diszipliniert, nur auf ökonomische Grundsätze.


 «Netzwerke abgegrast und Klinken geputzt»


 Wie ging es nach Ihrer ersten Idee weiter?

Wir haben unser Analysekonzept dann für den amerikanischen, europäischen und den Schweizer Aktienmarkt aufgesetzt, später auch für Japan und für die Emerging Markets. Wir waren die ersten, die Fachliteratur zum Qualitätsansatz publiziert haben, Quality-Indizes bildeten und auch Quality-Produkte auf den Markt branchten.

Sie hatten also ein Produkt. Wie kamen Sie an die Kunden?

Als wir starteten, kannten wir keinen einzigen institutionellen Kunden direkt. Also haben wir während fast zwei Jahren unsere Netzwerke abgegrast und Klinken geputzt. Und irgendwann hatten wir 150 Millionen Franken von institutionellen Kunden.

Wie kam der Durchbruch?

Wir waren hartnäckig und hielten eisern an unserem Quality-Konzept und unserer Systematik fest. Geholfen hat uns auch, dass 2003 die Märkte drehten und Kunden eher gewillt waren, uns eine Chance zu geben.


 «Wir beschäftigen Analysten in Lettland»


Und heute?

Wir verwalten heute knapp 1,5 Milliarden Franken, zum grössten Teil von institutionellen Kunden. Dazu gehören Banken, Versicherungen, Pensionskassen oder auch Sammelstiftungen. Wir betreuen auch einige Family Offices. Unsere Analyse-Tools haben wir ständig weiter ausgebaut, um so die verschiedenen Kundengruppen und deren Bedürfnisse mit unseren Dienstleistungen abzudecken.

Sie haben von Anfang die meisten ihrer Ressourcen in die Analyse gesteckt?

Ja, aber natürlich auch in die Betreuung und in den Vertrieb. Wichtig war aber, dass wir schon 2003 zwei Analysten in Lettland beschäftigt haben, die uns im Research von Beginn weg unterstützten.

Sie haben einen Standort in Lettland?

Wir haben in Riga ein Research-Team, das uns unterstützt. Mittlerweile besteht dieses Center in Riga aus zwölf Angestellten. Insgesamt beschäftigt CEAMS 28 Mitarbeitende.


 «Aktienmärkte sind wie das Periodensystem in der Chemie»


Der Quality-Stil, also das Investieren in Qualitätsaktien, ist das Markenzeichen von CEAMS. Wie hat sich der Stil denn an den Märkten bewährt?

Wir können sagen: In den letzten zwölf Jahren hat unser Anlagestil im Vergleich zu anderen Anlagestilen und dem Benchmark in allen Regionen mit Abstand die beste Performance geliefert.

Wie belegen Sie das?

Wir vergleichen die Aktienmärkte gerne mit dem Periodensystem in der Chemie und sehen darin einen Baukasten mit den unterschiedlichsten Molekülen. Sinnbildlich gesprochen messen wir diese einzelnen Moleküle, kombinieren die Resultate und stellen eine Vergleichbarkeit her.

Wir messen zum Beispiel die Performance von Value-, Growth- und Momentumstrategien. Innerhalb unserer Quality & Valuation Segmentation messen wir den Performance- und Risikocharakter von attraktiv bewerteten Qualitätsaktien, teuer bewerteten Qualitätsaktien, attraktiv bewerteten Nicht-Qualitätsaktien sowie teuer bewerteten Nicht-Qualitätsaktien. Dadurch lässt sich der Performancecharakter unseres Anlagestils sehr gut messen und darstellen.

In den Unterlagen sieht man aber, dass Sie ab 2011 etwas Gegenwind hatten.

Ja, vor allem zuerst in den USA, dann auch in Europa und dem Rest der Welt. Das liegt vor allem an der Geldflut der Notenbanken, von der insbesondere Nichtqualitäts-Aktien profitiert haben. Im vergangenen Jahr haben wir in den USA jedoch wieder eine kleine Outperformance erzielt, und in der Schweiz waren wir auf dem Niveau unserer Benchmark.

Wie erklären Sie ihren Kunden, dass in zwei so guten Börsenjahren wie 2013 und 2012 die Performance ihres Quality-Stils den Märkten hinterher hinkt?

Wir dokumentieren unsere Anlagen und die Performance gegenüber unseren Kunden immer genau und anschaulich. Und wir haben Kunden, welche sich mit unserem Investment-Stil detailliert auseinandersetzen. Die kritischen Kunden sind jene, welche erst relativ spät in einen Performancezyklus eingestiegen sind.

Bei CEAMS sind offenbar grosse analytische Fähigkeiten gefragt. Wie schwer ist es, geeignetes Personal zu finden?

Den grössten Teil unserer Angestellten rekrutieren wir direkt von den Universitäten. So ist es möglich eine unvoreingenommene und kritische Unternehmenssicht mit auf den Weg zu geben. Wir haben kaum Abgänge; der letzte Abgang in Meilen war im Jahr 2005.


 «Kirchen interessieren sich für uns»


Wie wächst das Unternehmen?
Die Assets under Management steigen jährlich zwischen zehn und zwölf Prozent. Wir wachsen nur organisch.

Welches sind Ihre Hauptmärkte?
Die Schweiz und Deutschland. Seit 2008 sind wir der Finma unterstellt, und seit 2009 haben wir die Freistellung der Bafin. In Dänemark haben wir nun auch die Zulassung erhalten; nach anderthalb Jahren Wartezeit.

Welche Kundengruppen sprechen Sie in Deutschland an?

Wie in der Schweiz sind es Banken, Versicherungen und Pensionskassen. In Deutschland stossen wir mit unserem Quality-Ansatz aber auch bei Spezialfonds von gemeinnützigen Institutionen wie beispielsweise von Kirchen auf Interesse.

Kirchen?

Auch. Denn unser Quality-Ansatz ist aus betriebswirtschaftlichen und bewertungstechnischen Gesichtspunkten nachhaltig. Dank unserer detaillierten, fundamentalen Unternehmensanalyse können wir auch weitergehende, individuelle Bedürfnisse dieser Institutionen abdecken.

Was macht Dänemark für CEAMS interessant?

Dänemark ist ein hoch entwickelter Einkäufermarkt für Asset-Management-Dienstleistungen. Mit unserem Quality-Ansatz stossen wir da auf vorhandenes Know-how und Interesse.

Ist Dänemark das Eintrittstor für CEAMS nach Skandinavien?

Dänemark ist der erste Markt, den wir in englischer Sprache bearbeiten. Im Prinzip wären dann weitere Märkte in Skandinavien offen. Aber bei solchen Expansionsplänen spielen immer auch regulatorische Fragen mit. Zunächst wollen wir in Dänemark unsere Sporen abverdienen.


Die in Meilen am Zürichsee ansässige CEAMS • CE Asset Management wurde 2003 durch Philipp Weckherlin und Markus Hepp gegründet. Die Firmenbesitzer haben den systematischen «Quality Investment Style» entwickelt und sukzessive ausgebaut.

 

 

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