Vollgeldinitiative: Baustelle mit Unfallgefahr

Mit der Vollgeldinitiative würden die Initianten eine Baustelle eröffnen – ohne Not und ungesichert. Martin Hess von der Schweizerischen Bankiervereinigung sieht akute Unfallgefahr.

Martin Hess 119x168 2Martin Hess ist Leiter Wirtschaftspolitik bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Sommerzeit ist die Zeit der Baustellen. Sie kosten Unsummen und verlangen viel Geduld von den Automobilisten. Dafür stehen dann für viele Jahre wiederum erneuerte und sichere Fahrspuren zur Verfügung. Im Finanzsystem wurden in den vergangenen Jahren ebenfalls unzählige Baustellen eröffnet. Ebenfalls teuer und umständlich, aber im Interesse von wirtschaftlicher Stabilität und der Sicherheit von Bankkunden.

Unnötig und gefährlich

Anders sieht es bei der Vollgeldinitiative aus. Hier ist eine Baustelle in Planung für Probleme, die bereits gelöst sind, Lösungen bereits aufgegleist sind oder die es überhaupt nicht gibt. Es soll eine Baustelle mit ungesicherten Gräben und ohne Anschluss an der Grenze werden. Achtung Unfallgefahr!

Die Initianten fordern, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine vollständige Kontrolle über die gesamte Geldmenge erhält. Dazu müssten alle Girokonten zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs direkte Forderungen gegenüber der SNB darstellen und würden damit zu gesetzlichen Zahlungsmitteln.

Entsprechend gross sind die Risiken für den Zahlungsverkehr. Damit die Banken den massiven Einlagenverlust bewältigen können, sollen sie von der SNB entsprechend mit Darlehen unterstützt werden.

Initiativziele bereits heute erreicht

Ziel der Initianten ist, dass der überbordenden Staatsverschuldung, der inflationären Geldschöpfung Einhalt geboten wird und dass generell das Geld sicherer wird. Ich zweifle, dass die Schweiz das richtige Versuchskaninchen für eine derartige Hochrisikooperation ist. Gerade in der Schweiz hat sich das heutige System seit Jahrzehnten bestens bewährt.

Tiefe Verschuldung, tiefe Inflation sowie eine grosszügige Kreditversorgung und eine ausserordentliche Stabilität haben zu einem hohen Wohlstandszuwachs geführt. Die Ursachen für die Finanzkrise wurden in der Schweiz bereits vor Jahren adressiert.

Permanente Baustelle

Ich wage mir nicht auszudenken, was passieren würde, wenn das dreiköpfige SNB-Direktorium den Kreditbedarf der gesamten Schweizer Wirtschaft falsch einschätzt. Durch die sozialen Folgen einer abgewürgten Konjunktur oder den Kampf um die Verteilung der Geldschöpfungsgewinne würde die SNB ungewollt zum Spielball politischer Interessen.

Gerade der Verlust der Unabhängigkeit war noch immer der Auslöser von Hyperinflationen, nie war es die «unkontrollierte» Geldschöpfung von Banken. Die SNB hat sich noch nie über einen Kontrollverlust über die Geldmenge beklagt. Ich erwarte, dass sich die SNB deutlich von der Vollgeldidee distanzieren wird.

Gigantischer Umbau

Vollgeld führt auch zu einer massiv geringeren Bankenintermediation mit entsprechender Kreditverknappung respektive -verteuerung. Die Schweizer Industrie dürfte auf einen Schlag weniger profitabel sein oder sich mit entsprechendem Mehraufwand im Ausland finanzieren. Zur Behebung der wirtschaftlichen Schäden müssten wiederum neue Baugruben ausgehoben werden.

Die Schweiz kann es sich nicht leisten, fiktive Probleme durch einen «gigantischen Umbau der Finanzarchitektur» (Avenir Suisse) zu beheben. Es droht eine permanente Baustelle mit unkalkulierbaren Risiken für das Land.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

Wie sich Angstkultur ausbreitet

Mehrere Tausend Stellen im Schweizer Bankgewerbe sollen verschwinden. Besonders betroffen davon ist das mittlere Kader.

Selection

Selection

Diese Bank bezahlt am besten

Bei den Löhnen sticht eine Bank mit grossem Abstand hervor.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News