Fünf Jahre nach Madoff: Das sind die Lektionen

Mit Bernard Madoff wurde vor fünf Jahren der grösste Anlagebetrüger aller Zeiten ins Gefängnis gesteckt. Leute wie ihn wird es trotzdem weiter geben. Um nicht auf sie reinzufallen, hält man sich möglichst an folgende vier Regeln.

Anlagebetrüger besitzen erstaunliche Fähigkeiten: Alle fallen auf sie rein. Vom kleinen Privatanleger über den unabhängigen Vermögensverwalter bis zur honorigen Privatbank und der grossen Depotbank. Was nur zeigt, dass es nicht die besondere Raffinesse eines Betrügers ist, die Opfer anlockt.

Es ist vielmehr die Gier, das Versprechen auf zweistellige Renditen oder hohe Vermittlungsgebühren – schlicht die Aussicht auf das schnelle und einfache Geld, welche alle Vorsicht ausschaltet.

Bernard Madoff (Bild) war darum nicht der Raffinierteste von allen, dessen Ponzi-Schema undurchschaubar war. Es wäre nicht allzu schwer gewesen, Zweifel am Erfolg und der Anlagemethode seiner Vehikel zuzulassen. Einige haben dies auch getan, wie Oswald Grübel, als er bei der Credit Suisse noch das Private Banking leitete und Geschäft mit Madoff kategorisch ablehnte, oder die Société Générale, die 2003 ihre Gelder aus den Fonds abgezogen hatte.

Profis lassen sich blenden wie Amateure

Andere wie die Union Bancaire Privée (UBP) oder die Luzerner Privatbank Reichmuth, um nur einige Beispiele aus der Schweiz zu nennen, liessen sich blenden und ihre Kunden in den Hammer laufen.

Aber selbst die strengsten Regulatorien und neuen Mechanismen für den Anlegerschutz werden nicht verhindern können, dass neue Madoffs auf den Plan treten. Hier sind indessen einige einfache Regeln, die man als Anleger einhalten kann, um Betrügern nicht auf den Leim zu kriechen, sondern Alarmzeichen frühzeitig erkennt.

Was für eine Anlage ist das: Schweizer Madoff-Opfer hatten in erster Linie in Dach-Hedge-Fonds investiert, welche wiederum in Madoff-Fonds investierten. Angeboten wurden diese beispielsweise von der Privatbank Reichmuth und der UBP. Die Genfer Privatbank schleuste auch über einen so genannten Feeder-Fonds Gelder in die Madoff-Vehikel. Die UBS wiederum diente als Depotbank für eine Reihe dieser Feeder-Fonds.

Warum die Banken den Effort nicht unternommen haben zu verstehen, welche Dienstleistungen sie überhaupt im Angebot hatten, sei dahingestellt. Als Anleger sollte man diesen Effort aber immer unternehmen und solange Informationen und Transparenz einfordern, bis man verstanden hat, was mit seinem Geld geschieht.

Was und wieviel kostet diese Anlage: Es gilt das selbe Vorgehen wie beim ersten Punkt – alle Informationen und volle Transparenz über die Gebühren einfordern. Des weiteren muss man sich die Frage stellen: Warum kostet das Investment so viel? Bei Dach-Hedge-Funds ist es so: Der Anleger zahlt für den Manager, der die Hedge-Funds aussucht, und er zahlt die Manager der Hedge Funds selber. Möglicherweise zahlt er noch zusätzlich die Beratungs- und Vermittlungsgebühr.

Es ist einfach auszurechnen: Eine solche Outperformance ist kaum nachhaltig zu schaffen, um nur schon die Kosten wieder reinzuholen. Hohe Gebühren sind aber nicht per se ein Anzeichen für ein Betrugsschema. Aber sie sind fast immer ein Zeichen für komplexe und intransparente Anlagen. Tiefe Gebühren hingegen sind einer der wichtigsten Bausteine in einem erfolgreichen Anlageportfolio.

Was halten andere von der Anlage: Finanzielle Angelegenheiten werden in der Regel als Privatsache behandelt. Man redet nicht darüber, wo und wie man sein Geld anlegt. Darauf bauen Betrüger. Sie umgeben sich mit einer Aura der Exklusivität, was sie wiederum interessanter scheinen lässt.

Madoff-Kunde wurde man nur auf Empfehlung bestehender Kunden, die auch nicht wussten, worin sie investiert waren. Ein Austausch über Investments ist – im vertrauensvollen Rahmen – immer hilf- und lehrreich.

Wer sind die Kontrollinstanzen und Dienstleister: Madoff war von der amerikanischen Börsenaufsicht SEC beaufsichtigt und seine Hauptdepotbank war J.P. Morgan. Im Prinzip sind das Triple-A-Namen. Der Auditor von Madoff war aber eine Firma namens Friehling & Horowitz. David Friehling war eine One-Man-Show in einem schummrigen Büro.

Zudem verwaltete Madoff seine Fonds-Vehikel selber. Definitiv nicht Triple-A. Die Lehre: Investoren müssen akribisch genau kontrollieren, wer die Custodian-Bank, wer der Auditor des Geldmanagers ist, und wer seine Fonds verwaltet.

Wer als Geldmanager überall hohe Standards einsetzt, hat in der Regel nichts zu verbergen.

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Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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