Felix Brem: «Die Regulierungs-Diskussion verläuft zu einseitig»

In der Diskussion um die Regulierung im Finanzbereich würden zukunftsorientierte Strategien viel zu wenig thematisiert, sagt Felix Brem, CEO der Reuss Private Group.

Von Felix Brem, CEO der Reuss Private Group. Dies ist der fünfte Beitrag in einer Reihe von Texten, in denen sich führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche mit dem Thema Regulierung befassen. Diese Serie ist eine Kooperation zwischen finews.ch und dem Zürcher Bankenverband.

Beim Umbau der Finanzmarktregulierung und der damit verbundenen Vernehmlassung zum Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) werden derzeit die Auswirkungen auf die einzelnen Marktteilnehmer kontrovers diskutiert. Es ist durchaus angebracht, zur beabsichtigten Stossrichtung der Regulierung Fragen zu stellen und die Konsequenzen nach Chancen und Risiken zu beurteilen.

Die Diskussionen verlaufen aber häufig negativ. Und damit – aus meiner Sicht – auch einseitig: Neue Möglichkeiten für die Marktteilnehmer, sich über Innovation zu positionieren, werden übersehen.

Das Geschäftsmodell fortwährend überprüfen

Diese Chancen zu nutzen, bedingt jedoch, das eigene Geschäftsmodell zu analysieren und angesichts der sich abzeichnenden Regulierung rechtzeitig anzupassen. Hierbei geht es vor allem um die Durchleuchtung der eigenen Wertschöpfungsketten punkto Effizienz, Kosten und Service zur Generierung von messbaren Mehrwerten.

Dies gilt im übrigen nicht nur für die Schweizer Institute und Vermögensverwalter. Finanzdienstleister in der EU waren mit derselben Herausforderung bereits bei der Einführung von MiFid I 2007 konfrontiert und befinden sich nun mit MiFid II in einer ähnlichen Situation wie ihre Schweizer Kollegen.

Diesseits und jenseits der Grenzen geht es vor allem um eines: Die zunehmende Konzentration auf die Kernkompetenz des eigentlichen Vermögensverwaltungs- und Mandatsgeschäfts bei gleichzeitigem Outsourcing von Administration, Compliance und technologischer Infrastruktur an professionelle Dienstleister.

Effiziente Wertschöpfungskette als Basis

Welche Wertschöpfung wird an welcher Stelle von wem erbracht und welcher Aufwand steht dahinter? Die Antworten auf diese Fragen zu finden, wird in Zeiten voranschreitender Digitalisierung und sich verschärfender Compliance-Vorschriften immer wichtiger.

Insbesondere die Prüfungs- oder Aufsichtsaufwände werden in Zukunft innerhalb der Wertschöpfungskette an Bedeutung gewinnen. Hier kann allenfalls eine Auslagerung an einen Spezialdienstleister die Aufwände und Kosten reduzieren und in der Folge steht mehr Zeit für die Kernkompetenzen und die Marktbeobachtung zur Verfügung.

Unsicherheiten gemindert

Dies betrifft vor allem die administrative Abwicklung im Wertpapiergeschäft, die mit Full-Service-Lösungen von der elektronischen Kunden-Postbox für die lückenlose Kundendokumentation bis zum Orderdesk für die Abwicklung aller Geschäftsvorfälle reichen.

Die damit einhergehende vollumfängliche Protokollierung des gesamten Beratungsprozesses sowie der Kundenkorrespondenz hilft auch, die Unsicherheiten bezüglich der Beweislastumkehr zu mindern:

Der Beweislastumkehr den Zahn ziehen

Vor allem das Thema Beweislastumkehr wird innerhalb der Finanzmarktregulierung kontrovers diskutiert. Diese ist zu Recht einer der kritischsten Punkte innerhalb der neuen Architektur, da sie die Existenz eines jeden Marktteilnehmers bedrohen kann und rechtsstaatlich zumindest fragwürdig ist.

Die zentrale Frage lautet: Was muss getan werden, um Haftungsrisiken für den einzelnen Vermögensverwalter bestmöglich auszuschliessen? Auch hier kommt die Antwort wie bereits angetönt von der Prozessseite in Form der spezifisch ausgerichteten IT.

Drohendes Damoklesschwert

IT-Lösungen ermöglichen die Kundenklassifizierung und Erfassung nach einem klar definierten Schema und sorgen für eine im Einklang mit der jeweiligen Gesetzgebung lückenlose Dokumentation aller Beratungsschritte. Beweise für ein korrektes Verhalten des Vermögensverwalters können so gegenüber den Gerichten mit grösstmöglicher Präzision erbracht werden.

Das drohende Damoklesschwert verliert damit seine Beliebigkeit und schafft die Sicherheit, die scheinbar abhandengekommen ist. Dies gilt auch für die Produktauswahl, die auf Basis der Kundenklassifizierung mit einem automatischen Abgleich mit dem jeweiligen Risikoprofil rechtssicher und klar strukturiert vorgenommen werden kann.

Über speziell eingerichtete Zugänge lassen sich darüber hinaus auch externe Wirtschaftsprüfungen kostengünstig und effizient durchführen.

Fokus auf Kernkompetenzen als Erfolgsfaktor

Der regulatorische Wandel ist auch in der Schweiz nicht mehr aufzuhalten. Mit einer differenzierten Sichtweise und analytischen Betrachtung können mit Hilfe von innovativen Geschäftsmodellen und durch eine nachhaltige Fokussierung auf die jeweiligen Kernkompetenzen die neuen Gesetze als Chance genutzt werden.

Dazu ist jedoch eine offene und sachliche Diskussion innerhalb der Finanzcommunity notwendig.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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