SNB – und was jetzt?

Das erweiterte SNB-Direktorium: Thomas Wiedmer, Jean-Pierre Danthine, Thomas Jordan, Thomas Moser, Dewet Moser, Fritz Zurbrügg (v.l.n.r.)

Seit dem Ende der Euro-Untergrenze sind die Devisenmärkte extrem schwankungsanfällig – was für Händler an sich gut ist. Doch eine allzu hohe Volatilität trocknet die Liquidität an den Märkten aus.

Von Andreas Ruhlmann, Marktanalyst und Premium Client Manager bei der IG Bank

Vielleicht war es eine Absicht der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Spekulanten davon abzubringen, weiter Franken zu kaufen; jedenfalls war die Aufhebung des Euro-Mindestkurses am vergangenen Donnerstag eine enorme Überraschung und führte gleichzeitig zur grössten Volatilität innerhalb einer Hauptwährung seit dem Ende des Bretton-Woods-Abkommen im Jahr 1973.

Man sollte auch festhalten, dass der Zeitpunkt der Aufhebung nur eine Woche vor dem grossen Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) stattgefunden hat.

Die EZB, die in enger Verbindung mit den Schweizer Währungshütern steht, könnte möglicherweise die SNB über der Grösse des geplanten geldpolitischen Lockerungsprogramms (Quantiative Easing) und die damit verbundenen Kosten informiert haben. Und vor diesem Hintergrund könnte dann die SNB gehandelt haben.

Effekt einer Bombe

Tatsächlich hatte der Entscheid der SNB den Effekt einer Bombe, mit einer Bewegung von mehr als 30 Prozent in einem Zeitraum von wenigen Minuten.

Auf kurze Sicht ist die extreme Volatilität deutlich negativ für die Schweiz – rund 100 Milliarden Franken an Marktkapitalisierung des Swiss Market Index (SMI) wurden vernichtet.

Zusätzlich hat der SNB-Entscheid auf internationaler Ebene bis auf weiteres einen gehörigen Imageverlust der Schweiz und ihrer Notenbank eingebrockt, wie man sich auch noch am Wochenende in den Medien vergewissern konnte.

Ende der Intervention oder Strategiewechsel?

Das deflationäre Risiko für die Schweiz ist nun mindestens gleich gross wie schon vor drei Jahren, als die SNB die Euro-Untergrenze einführte.  Möglicherweise aber noch höher, denn 60 Prozent der Schweizer Exporte gehen in die Eurozone, die immer noch in Schwierigkeiten steckt. Der starke Rückgang beim Ölpreises tut sein übriges.

Während die SNB fortan weit weniger aktiv sein dürfte als früher, wird sie aber weiterhin die Bewegung des Franken scharf beobachten und in einer angemessenen Zeitspanne im Fall von übermässigen Bewegungen reagieren. Kleinere, unerwartete Eingriffe haben den Vorteil, effizienter zu sein. Die SNB hat auch die Mittel, um die Zinsen weiter auf -1,25 Prozent zu senken.

Und was jetzt?

Typischerweise ist Volatilität für Händler positiv. Dies jedoch nur bis zu einem gewissen Niveau. Wenn die Volatilität zu hoch wird, trocknet dies die Liquidität an den Devisenmärkten aus. Das wiederum führt zu einer längeren Phase hoher Volatilität.

Die bevorstehende EZB-Sitzung von dieser Woche sowie die Wahlen in Griechenland sollten die Volatilität weiter verstärken.

Und als Fazit?

Auf längere Sicht wird der Franken aber auf seine Basisfunktion als sicherer Hafen zurückkehren. Der Wert des Franken wird dabei von der Risikoneigung der Marktteilnehmer abhängen.

Eine positive Entwicklung in Griechenland Ende Januar zum Beispiel, würde den Franken ebenfalls abwerten.

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MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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