Ist das Schweizer Banking wirklich «tot»?

Das steuerliche Bankkundengeheimnis ist tot – ist das etwas Neues? Sicher nicht. Wer sich nur an alten Geschichten aufhalte, verpasse unter Umständen das Heute und Morgen, findet Sindy Schmiegel von der Bankiervereinigung.

Sindy Schmiegel 192 2Sindy Schmiegel ist Leiterin Public Relations bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Überall auf der Welt ist mittlerweile klar, dass Schweizer Banken nur versteuerte Vermögen entgegennehmen und verwalten. Der deutsche Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, einer der härtesten Kritiker des Schweizer Finanzplatzes in den letzten Jahren, hat dies anerkannt, was die hiesigen Banken mit Freude vernommen haben.

Auch aus Frankreich hört man ähnliches. Nur in Abu Dhabi scheint erst kürzlich angekommen zu sein, dass die Schweizer Banken sich gewandelt haben. Ahmed Ali al-Sayegh, Chairman von Abu Dhabi Global Markets, ist der Ansicht, dass das Geschäftsmodell der Schweizer Banken ausgedient habe.

Abu Dhabi ziehe es vor, sich an Singapur auszurichten, das «a very transparent deal with the world» abgeschlossen habe. Damit wird klar, dass al-Sayegh sich auf Steuerfragen, nicht aber auf das umfassende Swiss Banking bezieht.

Die «Financial Times», deren letzte positive Betrachtung des Schweizer Finanzplatzes subjektive Äonen zurückliegt, nimmt die Aussage von al-Sayegh in ihrer Online-Ausgabe vom 29. März 2015 (nur für Abonnenten) prompt in den Titel und verrät sich auf diese Weise ebenfalls als Anhänger museumsreifer Stereotypen.

Die Eckdaten, die den Weg des Schweizer Finanzplatzes hin zur Steuertransparenz markieren, hat kürzlich Thomas Sutter zusammengefasst.

Swiss Banking: Mehr als Steuerfragen

Heisst das nun aber, Swiss Banking ist heute nicht mehr konkurrenzfähig und muss sich Playern wie vielleicht künftig Abu Dhabi geschlagen geben? Das glaube ich nicht. Der Finanzplatz hat sich seine traditionellen Stärken bewahrt, wie die seit Jahren stabilen Assets under Management zeigen.

Ich zähle nur ein paar Stärken auf: wirtschaftliche und politische Stabilität, eine leistungsfähige Infrastruktur, eine geografisch ideale Lage und Mehrsprachigkeit, aber auch solide kapitalisierte Banken, bestens ausgebildetes Personal und höchste Qualitätsstandards. Die Kombination dieser Faktoren ist das, was Swiss Banking ausmacht.

Swissness allenthalben

Und soll ich Herrn al-Sayegh und Ihnen noch etwas verraten? Als Singapur seinen Finanzplatz «erfand», schaute es mehr als einmal in Richtung Schweiz. Wenn Abu Dhabi jetzt also Singapur als Vorbild nimmt, steckt dort sehr viel Swissness drin. Hinzu kommt, dass die Schweizer Banken eine der wichtigsten ausländischen Bankengruppen in Singapur sind.

Vielleicht ist das ja künftig auch in Abu Dhabi der Fall. Ich wünsche Abu Dhabi alles Gute beim Aufstieg als neues Finanzzentrum. Die Mottenkiste kann dabei ruhig geschlossen bleiben, sie verstellt nämlich den Blick auf die Gegenwart.

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NEWS GANZ KURZ

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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