Was geschieht eigentlich mit einer Verdachtsmeldung auf Geldwäscherei?

Die Verdachtsmeldungen auf Geldwäscherei haben im vergangenen Jahr wieder zugenommen. Die meisten Meldungen stammen von Banken. Was geschieht jedoch anschliessend mit diesen Meldungen?

Lukas Wiedemann 192Lukas Wiedemann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter ‹Finanzmarkt Schweiz› bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

«Sieben Geldwäscherei-Meldungen pro Tag» titelten verschiedene Zeitungen, als die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) vor kurzem den Jahresbericht 2014 veröffentlichte. Total 1'753 Verdachtsmeldungen verzeichnete die MROS, das sind 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Für die Zunahme verantwortlich sind vor allem die Banken, denn gut 85 Prozent der Meldungen stammen von ihnen – im Jahr 2011 waren es noch rund 65 Prozent gewesen.

Die «Schweizerische Depeschenagentur» (SDA) stellte unlängst die Frage, ob die Zunahme der Meldungen tatsächlich als Erfolg für die Bekämpfung der Geldwäscherei gewertet werden könne. Aus meiner Sicht durchaus. Denn offensichtlich nehmen die Banken ihre Aufgabe ernst: Besteht ein Verdacht, wird gemeldet.

Banken leisten viel

Ob diese Zunahme auf vermehrte Geldwäscherei in der Schweiz zurückzuführen ist oder auf den verstärkten Bemühungen der Banken zur Verhinderung von Geldwäscherei beruht, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Fakt ist: Die Schweizer Banken leisten viel, um einen sauberen Finanzplatz zu erhalten.

Dies wird auch durch die hohe Anzahl der Meldungen belegt, welche durch die Banken im Rahmen des Melderechts erstattet wurden: Bei mehr als der Hälfte aller Verdachtsmeldungen waren die Banken nicht dazu verpflichtet, sondern hatten einzig den Verdacht, dass Vermögenswerte aus einem Verbrechen herrühren könnten. Offensichtlich nehmen die Banken ihre Verantwortung bei der Geldwäschereibekämpfung sehr ernst.

Enorme Anstrengungen

Was passiert jedoch mit diesen Verdachtsmeldungen? Etwa 70 Prozent davon leitete die MROS an die Strafverfolgungsbehörden weiter. Rund 10 Prozent der Entscheide im 2014 waren Verurteilungen, 90 Prozent dieser Verdachtsmeldungen endeten also in einer Sistierung, einem Nichteintreten oder einer Einstellung des Verfahrens.

Dies ist im Hinblick auf die enormen Anstrengungen der Banken für die Erkennung von Geldwäscherei ernüchternd, mag jedoch verschiedene Faktoren haben. Sicherlich ist die internationale Komponente und die damit verbundenen Schwierigkeiten mit der Rechtshilfe nicht zu vernachlässigen.

Verurteilungen bleiben selten

Gewisse Staaten sind entweder nicht gewillt oder nicht in der Lage, rechtshilfeweise die benötigten Informationen den Schweizer Behörden zukommen zu lassen. Dennoch vervielfachten die Banken in den letzten Jahren ihre Anstrengungen für die Bekämpfung der Geldwäscherei und müssen sich noch heute teils scharfer Kritik entgegenstellen, während anschliessend nur jede zehnte Meldung auch tatsächlich zu einer Verurteilung führt.

Es sollten deshalb Massnahmen ergriffen werden, damit die Verfahren schnell und effizient zum Abschluss gebracht werden können, beispielsweise durch eine Verbesserung der Verständigung mit denjenigen Staaten, mit denen die Zusammenarbeit im Rechtshilfebereich noch nicht optimal funktioniert. Gleichzeitig ist es an der Zeit, die Anstrengungen der Banken bei der Geldwäschereibekämpfung anzuerkennen.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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