Zum Tod von Walter Wittmann

Walter Wittmann

Walter Wittmann (1935-2016)

Der verstorbene Schweizer Ökonom Walter Wittmann war ein unerschrockener Mahner, dessen Voten vieles vorwegnahmen, womit sich alsbald die ganze Schweiz beschäftigen würde. Seine Standpunkte fehlen künftig.

Der bis zuletzt weitum bekannte und angesehene Ökonom Walter Wittmann ist am vergangenen Freitag nach einer kurzen Leidenszeit verstorben, wie am Montag aus dem Familienkreis bekannt wurde.

Die Schweiz verliert damit nicht nur einen grossen Akademiker und profunden Kenner der Finanzwissenschaft, sondern gleichsam einen unbequemen Zeitgeist, der sich nie gescheut hat, seine eigene, oftmals unkonventionelle Meinung mit Nachdruck, aber auch mit der ihm eigenen Überzeugungskraft zu vertreten.

Zeitzeuge der Schweizer Wirtschaft

Gleichzeitig eilte Wittmann eine grosse Liebenswürdigkeit voraus, eine in der heutigen Welt seltene Anteilnahme, ein Interesse am Gegenüber, was in den Gesprächen mit ihm, einem einzigartigen Zeitzeugen der Schweizer Wirtschaft, regelmässig zum Ausdruck kam. Er vertrat seine Positionen kämpferisch und nachvollziehbar, ohne aber je verbissen zu wirken.

Wittmann, der am 20. Dezember 1935 in Disentis zur Welt kam, studierte Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten von Freiburg, Münster und Löwen, bevor er 1960 promovierte und drei Jahre später habilitiert wurde. In der Folge schlug er eine steile Professorenkarriere an der Universität von Freiburg ein, wobei er sich auf die Finanzwissenschaft und die schweizerische Wirtschaftspolitik spezialisierte. Passend dazu war er in den 1980er-Jahren Mitglied der Eidgenössischen Kartellkommission und Präsident der Vereinigung für Zukunftsforschung.

Unermüdlicher Publizist

Unter diesen Prämissen überrascht es nicht, dass der Bündner als unermüdlicher Publizist viele Entwicklungen in der Wirtschaft früh erkannte. So befasste er sich schon in den 1980er-Jahren mit dem Phänomen der Innovation, er erkannte die aufziehende Globalisierung und zählte zu den Vorreitern, welche die Mythen der Schweiz hinterfragten – nicht populistisch oder gar polemisierend, sondern kompetent, sachlich und umfassend.

Im Jahr 1998 wurde Wittmann emeritiert, was ihn jedoch nicht daran hinderte, weiterhin am wirtschaftlichen Geschehen teilzuhaben, indem er sich umso mehr dem Schreiben und Publizieren widmete. Zeitweilig veröffentlichte er in jährlicher Kadenz ein neues Buch. Er erkannte als einer der ersten, wie der «helvetische Filz» im frühen 21. Jahrhundert auseinander brach – unter der Last des «Swissair-Grounding» und dem Beinahe-Crash der Credit Suisse (schon damals!), aber auch angesichts des schwindenden Einflusses der Armee und der Existenzkrise in der FDP.

Enge Beziehung zu finews.ch

Walter Wittmann unterhielt von Anfang auch eine enge Beziehung zu finews.ch und entwickelte sich rasch zu einem der profiliertesten und treuesten Autoren dieses Portals. Seine exklusiven Beiträge zählten ausnahmslos zu den meist gelesenen Artikeln, verstand er es doch, aktuelle Geschehnisse dank seiner langen Erfahrung kompetent zu deuten und daraus wichtige Hinweise und Anregungen abzuleiten.

Vor diesem Hintergrund hinterlässt der Bündner mit seiner hellen, sonoren und stets so liebenswürdigen Stimme eine grosse Lücke in der schweizerischen Wirtschaftsdebatte, gerade weil sich Wittmann stets eine eigene Meinung bildete, die auf ehrbaren Werten und Tugenden beruhte, ohne dass er sich dabei dem Neuen, dem Wandel und der Veränderung jemals verschlossen hätte.

Zuletzt lebte er in Bad Ragaz. Wittmann verstarb am vergangenen Freitag, 12. Februar 2016. Er hinterlässt seine Ehefrau und zwei erwachsene Kinder, darunter den Finanzexperten Beat Wittmann.


 

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NEWS GANZ KURZ

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut dem Bericht ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

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