Thorsten Polleit: «Die EZB macht aus dem Euro eine Lira»

Thorsten Polleit, Ökonom

Thorsten Polleit, Ökonom


Herr Polleit, hat Sie die jüngste geldpolitische «Bazooka» der Europäischen Zentralbank (EZB) überrascht?

Nein, denn bereits im September 2015 habe ich im «Degussa-Marktreport» geschrieben, dass die EZB noch mindestens fünf Billionen Euro schaffen würde, um die Euro-Banken über Wasser zu halten. Die jüngste Entscheidung sehe ich als eine weitere Bestätigung dieser Befürchtung. Die EZB ist dabei, aus dem Euro eine Lira zu machen.

Sie unterstützen die Petition «Stop Bargeldverbot». Weshalb?

Wenn man das Bargeld abschafft, wird der Bürger gezwungen, alle Transaktionen elektronisch zu tätigen. Der Staat kann dann durch seine Nähe zum Bankensektor jede Zahlung nachvollziehen – der Bürger wird vollends gläsern. Das halte ich für unvereinbar mit den bürgerlichen Freiheiten.

Und mit dem Bargeld-Verbot kann sich der Einzelne auch den Negativzinsen nicht mehr entziehen.

Das ist der springende Punkt. Zwar geben die Politiker vor, mit dem Verbot grosser Scheine die Kriminalität bekämpfen zu wollen. Doch es gibt meines Wissens keine Hinweise, die belegen würden, dass eine Bargeld-Einschränkung für weniger Kriminalität sorgt.

«Gold ist eine Impfung gegen die Unwägbarkeiten des Papiergeldes»

Plausibler klingt für mich das Folgende: Die Regierungen wollen mit der Negativzinspolitik die internationale Schuldenlast reduzieren. Und damit der Bankkunde seine Guthaben nicht abheben kann, um sich gegen diese Enteignung zu schützen, soll nun das Bargeld abgeschafft werden.

Eine Möglichkeit, dieser Enteignung zu entkommen, ist der Kauf von Gold.

Ja, unter anderem. Ich gehöre zu denen, die Gold als das ultimative Zahlungsmittel einstufen. Gold ist gerade im aktuellen Umfeld wie eine Versicherung zu betrachten. Denn Gold wird seine Kaufkraft nicht verlieren. Selbst wenn es nicht monetär genutzt wird, findet es Verwendung in der Industrie oder als Schmuck.

Angesichts der sehr expansiven Geldpolitik stellt sich schon die Frage nach der künftigen Werthaltung vieler Währungen. Die Notenbanken haben das Papiergeld-System in eine schwierige Situation manövriert. Gold ist eine Impfung gegen die Unwägbarkeiten des Papiergeldes. Allein aus Versichungserwägungen hat es Sinn für Anleger, einen Teil der Kassenhaltung in Gold zu halten.

«Ja, der Staat kann furchtbare Dinge tun»

Der Staat kann aber auch hergehen und den Kauf von Gold verbieten beziehungsweise Goldbestände konfiszieren – was ja in der Vergangenheit mehrmals passierte.

Ja, der Staat kann furchtbare Dinge tun. Gerade wir Deutschen sind diesbezüglich hinlänglich sensibilisiert. Aber selbst Anleger, die solche Befürchtungen hegen, sollten wissen, dass dadurch der Wert des Goldes nicht dahin ist und es daher trotzdem Sinn macht, einen gewissen Anteil des liquiden Vermögens in Gold zu halten, und zwar in jedem Falle physisch. Damit vermeidet man Gegenpartei-Risiken.

Wie viel Ihres Vermögens halten Sie in Gold?

Ich investiere vor allem in Produktivkapital, also in «gute» Unternehmen, solche die etwas können, was andere nicht können, und die hohe Renditen erzielen. Was den Liquiditätsanteil angeht, halte ich einen beträchtlichen Anteil in physischem Gold. Diese Kombination ist, so meine ich, ist die beste Antwort auf die Probleme, die vor uns liegen.

Wo steht der Goldpreis Ende 2016?

Je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, konkrete Prognosezahlen zu nennen. Goldpreis-Prognosen sind heikel, weil Gold keinen Zahlungsstrom hat. Man hat anders als beispielsweise bei Aktien oder Obligationen keine Bewertungsinstrumente zur Hand, die einen Fair Value errechnen.

«Nach dieser Methode ist Gold derzeit günstig»

Was ich aber anschaue, ist die Relation der globalen Geldmengen-Ausweitung und der Zinsentwicklung, und zwar über einen sehr langen Zeitraum. Daran erkenne ich, ob der Goldpreis eher über oder unter dem langfristigen Durchschnittspreis notiert. Nach dieser Methode ist Gold derzeit eher günstig.

Das heisst in konkreten Zahlen?

Meinem Berechnungsmodell zufolge müsste Gold zwischen 1'400 und 1'600 Dollar liegen. Was ich aber nicht sagen kann ist, wann sich Gold auf diese Niveaus hinzu bewegt. Wenn das internationale Papiergeldsystem in eine noch schwerere Schieflage gerät, wäre natürlich ein viel höherer Preis wahrscheinlich.


Der 49-jährige Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt beim Goldhändler Degussa und Autor mehrerer Wirtschaftsbücher. Er ist Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Der gebürtige Deutsche präsidiert zudem das Ludwig von Mises Institut in Deutschland.

 

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NEWS GANZ KURZ

Compagnie Financière Tradition

Das Lausanner Brokerhaus hat im ersten Semester des Geschäftsjahres 2016 einen leicht tieferen Umsatz (-0,3 Prozent) auf gut 425 Millionen Franken realisiert. Zu konstanten Wechselkursen entspricht dies einem Rückgang um 1,6 Prozent.

Urner Kantonalbank

Das Finanzinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 trotz besserem Geschäftsgang weniger Gewinn gemacht. Dieser sank um 7,5 Prozent auf 8,5 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode hatte die Bank ausserordentlich vom Verkauf ihrer Swisscanto-Beteiligung profitiert. Im Zinsengeschäft gab es ein Plus von 13,8 Prozent auf knapp 17 Millionen Franken. Per Ende Jahr erwartet das Management ein Ergebnis über Vorjahr.

UBS

Die Grossbank UBS ist noch vor dem IT-Riesen Google der beliebteste Arbeitgeber für Schweizer Hochschul-Absolventen, wie das Beratungsunternehmen Trendence berichtete. Die Banken bleiben die beliebteste Branche der Wirtschafts-Wissenschaftler: Neben der UBS befinden sich die Credit Suisse, die Schweizerische Nationalbank und Julius Bär unter den Top 20 der gesuchtesten Arbeitsadressen.

Schwyzer Kantonalbank

Im ersten Halbjahr sank der Gewinn des Innerschweizer Finanzinstituts um 3,4 Prozent auf knapp 33 Millionen Franken. Unter anderem belasteten höhere Wert-Berichtigungen auf Beteiligungen das erste Halbjahr. Dank einer substanziellen Volumenzunahme kam das Zinsengeschäft mit einem Brutto-Erfolg von gut 91 Millionen Franken in etwas auf Vorjahres-Niveau zu liegen. Für das 2016 rechnet die Bank mit einem Jahresergebnis leicht unter Vorjahr.

Bank Coop

Die Bank Coop hat im ersten Halbjahr 2016 einen leichten Gewinnrückgang auf 22,7 Millionen Franken erlitten. Die Bank erklärt dies mit höheren Investitionen für verschiedene digitale Projekte, Umbauten sowie einer höheren Zuweisung an die Reserven für Bankrisiken. Im Zinsengeschäft konnte Bank Coop leicht zulegen, warnt jedoch vor dem anhaltenden Margendruck.

Fonds

Die «Brexit»-Turbulenzen haben auch bei den in der Schweiz gehandelten Fonds Spuren hinterlassen. Laut dem Schweizerischen Fondsverband Sfama verminderten sich die verwalteten Vermögen um 17 Milliarden Franken. Die Netto-Mittelabflüsse betrugen knapp 2,3 Milliarden Franken.

Freiburger KB

Das Staatsinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 einen Gewinn-Rückgang um 5,3 Prozent auf 68,5 Millionen Franken verzeichnet. Die Bank leidet unter dem Negativzins-Umfeld. Im Hauptgeschäft der Bank, dem Zinsengeschäft, resultierte denn auch ein um 2,6 Prozent gesunkener Nettoerfolg auf gut 107 Millionen Franken. Für das Gesamtjahr bleibt die Kantonalbank dennoch zuversichtlich.

Pimco

Der weltgrösste Anleihenmanager hat Emmanuel «Manny» Roman per Ende August zum neuen CEO ernannt. Roman ist derzeit CEO beim britischen Hedgefonds Man Group. Er tritt an die Stelle von Douglas Hodge, der als Managing Director und Senior Adviser bei Pimco bleibt. Bei Man Group kommt neu Luke Ellis an die Spitze.

Obwaldner Kantonalbank

Das Innerschweizer Staatsinstitut erzielte im ersten Halbjahr einen Reingewinn von 6,9 Millionen Franken, gleich viel wie im Jahr zuvor. Trotz besserem Geschäftsgang fehlte heuer der Ertrag aus dem Verkauf der Swisscanto-Beteiligung, der letztes Jahr den Gewinnausweis verschönt hatte.

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