Warum im Gold noch keine Blase besteht

Seit den jüngsten Avancen mehren sich die Stimmen, die auf einen markanten Preissturz setzen. Hauptargument: Die Hedgies bauen ihre Longpositionen ab.

Von Claude Baumann, Redaktor finews.ch

Mit den Bubbles ist es so eine Sache. Tatsächlich hat die Finanzwelt allein in den letzten zwanzig Jahren einige markante Blasen entstehen und platzen sehen. Gut erinnerlich ist die Internet-Euphorie des ausgehenden 20. Jahrhunderts, die in Trümmer und Tränen endete.

Auch die Hauspreis-Hausse in den USA, die spätestens im Sommer 2007 abrupt endete, muss als Blase interpretiert werden – als Phänomen einer Überhitzung, die durch Gier und Ignoranz entstehen konnte.

Ist die «Financial Times» eine Blase?

Doch nicht jede Preissteigerung ist eine Blase. Es gibt Güter und Dienstleistungen, die sich über eine bestimmte Zeitspanne massiv verteuern, ohne dass man dahinter eine Blase vermutet. Einen in dieser Hinsicht originellen Vergleich stellt der Brite Tim Price an.

Der Investment-Chef der Firma PFP Wealth Management in Harrogate und London bemerkt, dass der Preis der «Financial Times» sich zwischen 2007 und heute verdoppelt habe, und dass ein Online-Abonnement vor drei Jahren noch 65 Pfund kostete, nun aber 170 Pfund. Hat sich in dem wohl renommiertesten Finanzblatt der Welt nun auch eine Blase gebildet? Kaum. Und warum nicht?

Absicherung statt Investment

Blasen entstehen dort, wo sich der Preis vom effektiven Wert eines Gutes oder einer Dienstleistung meilenweit entfernt. Unter diesem Gesichtspunkt ist die «Financial Times» nicht teurer geworden, weil sie von immer mehr Laien gekauft wurde, sondern weil es die professionelle Nachfrage nach diesem Qualitätsblatt erlaubt, einen höheren Preis zu verlangen. Aber was heisst das, bezogen aufs Gold?

Die Erklärung ist relativ einfach: Vor dem Hintergrund der Tiefzinspolitik zahlreicher Staaten und der anhaltenden Geldmengenausweitung verliert das Papiergeld sukzessive an Wert – und als Reaktion darauf, suchen viele Anleger einen sicheren Hafen und flüchten ins Gold. Mit anderen Worten: Der Einstieg ins Gold ist nicht primär ein Investment zur Gewinnmaximierung, sondern eine Absicherung angesichts des Vertrauensschwunds in die Geldpolitik der wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt.

Wie ein elastisches Messband

Unter diesen Prämissen ist die Preissteigerung im Gold eine absolut natürlich Sache, die noch weitergehen wird, solange die Politik in den USA und in der EU ihre Aufgaben nicht macht und statt dessen an der Notenpresse kurbelt und die Zinsen drückt. Oder wie es der griechische Finanzexperte und Jurist Andreas Acavalos bildlich beschreibt:

«Das Problem ökonomischer Bewertungen unter einem Papier-Geld-Regime ist grundsätzlich auswegslos. Es kann nicht gelöst werden aus denselben Gründen wie man die Länge eines Stücks Stoff nicht mit einem elastischen Messband bestimmen kann. Die einzige Lösung wäre, das elastische Band mit einem hölzernen Massstab einzutauschen.»

Fiebermesser der Finanzmärkte

Da es den Investoren nicht möglich ist, bei der Bemessung des Wertesystems in der Finanzwelt dem Holzmassstab den Vorzug zu geben, flüchten sie ins Gold. Denn das gelbe Edelmetall ist tatsächlich das Gegenteil des elastischen Messbands. Es ist knapp, fest und bewährt seit Jahrhunderten. Und es unterliegt nicht irgendwelchen Beschränkungen, solange es (noch) nicht von der staatlichen Obrigkeit konfisziert wird.

Vor diesem Hintergrund ist Gold kein Investment, sondern der Ausdruck einer Stimmung, oder wie es der Schweizer Goldexperte Marc Gugerli formuliert: «Der Goldpreis ist der Fiebermesser für die Verfassungen an den Finanzmärkten». Solange also Gold nicht primär als Investment gilt, ist es irreführend, von einer Blase zu sprechen.

Bloss keine Miesepeter

Eher ist das gelbe Edelmetall der Ausdruck einer riesigen Verunsicherung. Natürlich wird es immer wieder Preisschwankungen geben, denn die Stimmungsschwankungen und Veränderungen in der Welt sind enorm. Doch von einem eigentlichen Preis-Crash beim Gold wird man erst sprechen können, wenn die westlichen Industrienationen eine gewisse Glaubwürdigkeit in ihrer Steuer- und Geldpolitik wieder hergestellt haben. Davon sind wir allerdings noch Lichtjahre entfernt.

Sich von irgendwelchen Miesepetern vereinnahmen zu lassen, lohnt sich in dieser Sache nicht. Bereits am 16. April 2004 hiess es in der «Financial Times» in einem Artikel mit dem Titel «Going, going, gold»: «Für Privatinvestoren ist es eine alberne Angelegenheit, Gold zu haben… in Gold zu investieren ist von vornherein irrational.» Im April 2004 kostet die Unze Gold übrigens 400.65 Dollar. Im Vergleich, heute notiert die Unze 1‘325.10 Dollar.

Lernkurve auch bei der FT

Immerhin, auch bei der «FT» ist so etwas wie eine Lernkurve auszumachen. Am vergangenen Wochenende nahmen sich gleich zwei renommierte Autoren der Zeitung des Themas an: Gillian Tett befasste sich kompetent mit der Psyche der Gold-Bugs, und John Authers rief uns in Erinnerung, dass die jüngsten Preisavancen auf Dollar-Basis immer noch absolut vernünftig sind. Die Höchstnotierungen von 1980 würden heute, inflationsbereinigt, einem Preis von 1‘875 Dollar die Unze entsprechen. Da ist also noch viel Spielraum nach oben. War da was von einer Blase?

 

 

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Banken: Diese Jobs bringen richtig viel Geld

In welchen Abteilungen am meisten kassiert wird.

Selection

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

Wie Sie eine Kündigung richtig verarbeiten

So reagiert man perfekt, wenn man plötzlich den blauen Brief kriegt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

weitere News