Mai
17
2012
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Seit den jüngsten Avancen mehren sich die Stimmen, die auf einen markanten Preissturz setzen. Hauptargument: Die Hedgies bauen ihre Longpositionen ab.

Von Claude Baumann, Redaktor finews.ch

Mit den Bubbles ist es so eine Sache. Tatsächlich hat die Finanzwelt allein in den letzten zwanzig Jahren einige markante Blasen entstehen und platzen sehen. Gut erinnerlich ist die Internet-Euphorie des ausgehenden 20. Jahrhunderts, die in Trümmer und Tränen endete.

Auch die Hauspreis-Hausse in den USA, die spätestens im Sommer 2007 abrupt endete, muss als Blase interpretiert werden – als Phänomen einer Überhitzung, die durch Gier und Ignoranz entstehen konnte.

Ist die «Financial Times» eine Blase?

Doch nicht jede Preissteigerung ist eine Blase. Es gibt Güter und Dienstleistungen, die sich über eine bestimmte Zeitspanne massiv verteuern, ohne dass man dahinter eine Blase vermutet. Einen in dieser Hinsicht originellen Vergleich stellt der Brite Tim Price an.

Der Investment-Chef der Firma PFP Wealth Management in Harrogate und London bemerkt, dass der Preis der «Financial Times» sich zwischen 2007 und heute verdoppelt habe, und dass ein Online-Abonnement vor drei Jahren noch 65 Pfund kostete, nun aber 170 Pfund. Hat sich in dem wohl renommiertesten Finanzblatt der Welt nun auch eine Blase gebildet? Kaum. Und warum nicht?

Absicherung statt Investment

Blasen entstehen dort, wo sich der Preis vom effektiven Wert eines Gutes oder einer Dienstleistung meilenweit entfernt. Unter diesem Gesichtspunkt ist die «Financial Times» nicht teurer geworden, weil sie von immer mehr Laien gekauft wurde, sondern weil es die professionelle Nachfrage nach diesem Qualitätsblatt erlaubt, einen höheren Preis zu verlangen. Aber was heisst das, bezogen aufs Gold?

Die Erklärung ist relativ einfach: Vor dem Hintergrund der Tiefzinspolitik zahlreicher Staaten und der anhaltenden Geldmengenausweitung verliert das Papiergeld sukzessive an Wert – und als Reaktion darauf, suchen viele Anleger einen sicheren Hafen und flüchten ins Gold. Mit anderen Worten: Der Einstieg ins Gold ist nicht primär ein Investment zur Gewinnmaximierung, sondern eine Absicherung angesichts des Vertrauensschwunds in die Geldpolitik der wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt.

Wie ein elastisches Messband

Unter diesen Prämissen ist die Preissteigerung im Gold eine absolut natürlich Sache, die noch weitergehen wird, solange die Politik in den USA und in der EU ihre Aufgaben nicht macht und statt dessen an der Notenpresse kurbelt und die Zinsen drückt. Oder wie es der griechische Finanzexperte und Jurist Andreas Acavalos bildlich beschreibt:

«Das Problem ökonomischer Bewertungen unter einem Papier-Geld-Regime ist grundsätzlich auswegslos. Es kann nicht gelöst werden aus denselben Gründen wie man die Länge eines Stücks Stoff nicht mit einem elastischen Messband bestimmen kann. Die einzige Lösung wäre, das elastische Band mit einem hölzernen Massstab einzutauschen.»

Fiebermesser der Finanzmärkte

Da es den Investoren nicht möglich ist, bei der Bemessung des Wertesystems in der Finanzwelt dem Holzmassstab den Vorzug zu geben, flüchten sie ins Gold. Denn das gelbe Edelmetall ist tatsächlich das Gegenteil des elastischen Messbands. Es ist knapp, fest und bewährt seit Jahrhunderten. Und es unterliegt nicht irgendwelchen Beschränkungen, solange es (noch) nicht von der staatlichen Obrigkeit konfisziert wird.

Vor diesem Hintergrund ist Gold kein Investment, sondern der Ausdruck einer Stimmung, oder wie es der Schweizer Goldexperte Marc Gugerli formuliert: «Der Goldpreis ist der Fiebermesser für die Verfassungen an den Finanzmärkten». Solange also Gold nicht primär als Investment gilt, ist es irreführend, von einer Blase zu sprechen.

Bloss keine Miesepeter

Eher ist das gelbe Edelmetall der Ausdruck einer riesigen Verunsicherung. Natürlich wird es immer wieder Preisschwankungen geben, denn die Stimmungsschwankungen und Veränderungen in der Welt sind enorm. Doch von einem eigentlichen Preis-Crash beim Gold wird man erst sprechen können, wenn die westlichen Industrienationen eine gewisse Glaubwürdigkeit in ihrer Steuer- und Geldpolitik wieder hergestellt haben. Davon sind wir allerdings noch Lichtjahre entfernt.

Sich von irgendwelchen Miesepetern vereinnahmen zu lassen, lohnt sich in dieser Sache nicht. Bereits am 16. April 2004 hiess es in der «Financial Times» in einem Artikel mit dem Titel «Going, going, gold»: «Für Privatinvestoren ist es eine alberne Angelegenheit, Gold zu haben… in Gold zu investieren ist von vornherein irrational.» Im April 2004 kostet die Unze Gold übrigens 400.65 Dollar. Im Vergleich, heute notiert die Unze 1‘325.10 Dollar.

Lernkurve auch bei der FT

Immerhin, auch bei der «FT» ist so etwas wie eine Lernkurve auszumachen. Am vergangenen Wochenende nahmen sich gleich zwei renommierte Autoren der Zeitung des Themas an: Gillian Tett befasste sich kompetent mit der Psyche der Gold-Bugs, und John Authers rief uns in Erinnerung, dass die jüngsten Preisavancen auf Dollar-Basis immer noch absolut vernünftig sind. Die Höchstnotierungen von 1980 würden heute, inflationsbereinigt, einem Preis von 1‘875 Dollar die Unze entsprechen. Da ist also noch viel Spielraum nach oben. War da was von einer Blase?

 

 

 

 
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