LGT: «Langfristige Investoren setzen auf Gold»

Trotz erhöhter Preisschwankungen sind die fundamentalen Rahmenbedingungen für Gold intakt, sagt LGT-Edelmetall-Experte Bayram Dincer.

Dincer_Bayram_1Bayram Dincer ist Commodity Market Analyst bei LGT Capital Management in Pfäffikon SZ.

Herr Dincer, in den letzten Wochen vollzog das Gold eine wahre Achterbahnfahrt. Was ist geschehen?

Tatsächlich erlebten wir dieses Jahr zwei Preisschocks; einen Mini-Crash im August sowie eine Verkaufswelle im September. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Nach dem Entscheid der US-Notenbank, zunächst die mildeste Form der geldpolitischen Lockerung fortzusetzen, folgte eine Aufwertung des Dollar, die sicherlich zum Preisrückgang beim Gold beigetragen hat.

Kurzfristig orientierte Spekulanten haben nach den Erhöhungen der Sicherheits- und Deckungsmargen für COMEX-Goldfutures ihre Long-Positionen liquidiert. Dies hat den Preis beeinflusst.

Verschiedene Marktakteure, die in ihre verlustreichen Portfolios Gold gekauft hatten, sahen sich wegen der negativen Preisentwicklung gezwungen, Gold zu verkaufen. Sie benötigten Liquidität oder realisierten Gewinne.

Hat Gold seinen Status als «Safe Haven» nun verloren?

Die hohen Preisschwankungen sind nicht die Attribute eines sicheren Hafens. Diese Ausschläge sind jedoch temporär und werden hauptsächlich durch Spekulanten ausgelöst, die an kurzfristigen Gewinnen interessiert sind.


«Im Idealfall direkt in physisches Gold investieren»


Die grosse Masse der privaten Investoren, aber auch die Zentralbanken, also alle, die einen längerfristigen Anlagehorizont haben, setzen weiterhin auf das gelbe Edelmetall.

Ist Gold nun ein Rohstoff, ein Investment, eine «Versicherung» oder eine Währung?

Vergleicht man die Nachfrage der einzelnen Sektoren, kommt man zum Schluss, dass Gold ein Rohstoff für die Fabrikation von Schmuck ist. Auch in der Industrie wird Gold verwendet. Für alle anderen «Nachfrager» dient Gold dem Werterhalt mit Währungsfunktion. In einem Portfolio kommt Gold als Diversifikationsinstrument und eine Art Versicherungspolice für unvorhersehbare Krisen zum Einsatz.

Viele Anleger halten Gold physisch, andere investieren in Goldminenaktien und noch andere in ETF. Was raten Sie?

Im Idealfall sollte der Anleger direkt in physisches Gold investieren und sich zudem auf ein aktives Gold-Management mit einer dynamische Steuerung des Investitionsgrads fokussieren.


«Gold ist im Vergleich ein Nischenmarkt»


Diese Kombination wird in einer Fondsstruktur angeboten. Meines Erachtens ist dieser Investitionsstil den passiven und indirekten Papiergoldinvestitionen – ETF und Aktien – überlegen.

Warum kommt es trotz der Beständigkeit von Gold immer wieder zu enormen Verkaufswellen?

Gold ist im Vergleich zu anderen Anlageklassen ein Nischenmarkt. Eine grössere Verkaufsorder in den Portfolios einiger weniger Markteilnehmer kann bereits grosse Bewegungen auslösen.

Was wären die wichtigsten Anzeichen, Gold zu verkaufen?

Grundsätzlich haben steigende und höhere reale Opportunitätskosten – Nominalzins minus Inflationsraten – einen negativen Einfluss aufs Gold. Auch eine hohe Volatilität deutet meist auf einen Trendbruch hin.


«Ein langfristiges Umdenken ist nicht in Sicht»


In unserer modellbasierenden Analyse zeigen sich derzeit aber keine Indikatoren, die auf ein langfristiges Umdenken in diesem oder im nächsten Jahr hindeuten.

Was wird den Goldpreis in nächster Zeit antreiben?

Es gibt zahlreiche Hinweise auf weitere Massnahmen der US-Notenbanken zur quantitativen Lockerung der Geldpolitik. Somit interpretieren wir die «Operation Twist» als Zwischenschritt und erwarten weitere geldpolitische Massnahmen, welche sich auf den Goldpreis positiv auswirken werden.

Die Schuldenproblematik in den europäischen Peripherieländern und die Anpassung der Bonitätsratings dürften die erwähnte Entwicklung unterstützen.


«US-Wahljahre haben einen Einfluss auf Gold»


Seit ein paar Wochen deuten zahlreiche makroökonomische Indikatoren auf eine Verlangsamung der Weltwirtschaft hin. Auch die Angst der Investoren vor einer Rezession in den Industrieländern hat sich markant verstärkt. Angesichts dieser Herausforderung wird Gold weiterhin nachgefragt werden.

Im November 2012 finden in den USA Präsidentschaftswahlen statt. Seit 1992 stieg der Goldpreis in den Wahljahren und im folgenden Jahr im Durchschnitt an. Einzig bei den Wahlen zu Bill Clintons zweiter Amtszeit war dies nicht der Fall.

Technische Analysten haben in jüngster Zeit die Goldpreisentwicklung recht genau vorweg genommen. Wie erklären Sie sich das?

Die meisten technischen Analysen konzentrieren sich auf ein paar Indikatoren, die dann von den meisten Markteilnehmern verfolgt werden. Aus diesem Grund muss man technische Analysen, welche die wichtigen Unterstützungs- und Widerstandsmarken abbilden, im Auge behalten.


«Der Goldmarkt ist ein mosaikartiges Netzwerk»


Im aktiv gemanagten Goldfonds der LGT Capital Management wird mit Hilfe technischer Analysen (Trend und Risikoindikatoren) ein Teil der Gewichtung des kurzfristigen Investitionsgrads gesteuert.

Wer sind für Sie die wichtigsten, sprich zuverlässigsten Goldexperten?

Der internationale Goldmarkt, insbesondere aber auch der schweizerische, ist ein grosses mosaikartiges Netzwerk. Man kommt man bei Konferenzen und Präsentationen immer wieder zusammen. Diese soziale Interaktion ist für mich sehr wertvoll.


«Ich rechne bis Ende 2011 mit 1'800 Dollar»


In meiner täglichen Arbeit starte ich jeweils mit dem Studium einer Zusammenfassung der Marktereignisse von Daniele Provenzale (Goldsales bei Julius Bär; Publikation «Precious Metals Flash»). Zusätzlich erhalte ich über meine internationalen Kontakte via Internet laufend weitere zeitnahe Informationen.

Was ist Ihre Goldpreisprognose bis Ende dieses Jahres und bis Ende 2012?

Auf Grund der intakten fundamentalen Rahmenbedingungen und der ökonomischen Preisfaktoren rechne ich bis zum Jahresende sowie für 2012 mit weiter steigenden Preisen. Künftige Preisschwächen sollten als Kaufgelegenheit genutzt werden.

Unsere Preisprognose für Ende 2011 liegt bei 1'800 Dollar. Unsere numerischen Prognosen für das kommende Jahr werden wir im Dezember im Rahmen der Analystenumfrage anlässlich der London Bullion Market Association (LBMA) publizieren.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die Rendite ist weiblich
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
mehr

SELECTION

«Trag nie Hermes-Krawatten. Niemals.»

So umkurvt man Fettnäpfchen

Eine Tipp-Liste für Jungbanker.

Selection

Unattraktive Bankjobs

Unattraktive Bankjobs

Warum es nicht mehr so begehrenswert ist, bei einer Bank zu arbeiten.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

weitere News