«Nach wie vor fliessen Gelder aus den USA in die Schweiz»

Hände weg von US-Kunden? Im Gegenteil. Der Vermögensverwalter Bellecapital setzt auf Kunden aus Amerika. Michel Guignard, Managing Partner erklärt warum.

Michel_Guignard_245Herr Guignard, die Bank Wegelin ging wegen ihrer US-Kunden unter – Sie dagegen bemühen sich um amerikanische Kunden. Wie gehen Sie da mit der Steuerproblematik um?

Im Gespräch mit den Kunden sollte man dieses Thema offen diskutieren und protokollieren. Finanzinstitute haben Dokumentationspflichten in dieser Hinsicht zu erfüllen. Dazu gehört bei US-Kunden die Einreichung eines W9-Formulars. Es ist allerdings nicht die Pflicht eines Finanzinstituts, sicherzustellen, dass die Kunden ihr Einkommen auch versteuern.

Wo lag Ihrer Ansicht nach der heikelste Punkt bei der Politik von Wegelin?

Ich möchte andere Unternehmen nicht kommentieren.

Warum hat sich Bellecapital entschieden, ausgerechnet auf amerikanischen Kunden zu setzen?

Die USA sind der grösste Wealth-Management-Markt der Welt und werden es noch eine ganze Weile bleiben. Amerikanische Anleger sind im Quervergleich mit anderen Ländern sehr aufgeklärt und fordernd.


 «Vermögende wollen ihr Geld international und aus Sicherheitsgründen ausserhalb der USA anlegen»


Die letzten Jahre waren für die Investoren generell schwierige Jahre. Entsprechend haben sich die Anlageziele vieler Kunden entwickelt – von Kapitalzuwachs hin zu Kapitalerhalt. Der breiten Diversifikation der Anlagen kommt dabei eine tragende Rolle zu. Für US-Anleger bedeutet dies, vermehrt Anlagen in ausländischen Märkte und Währungen zu tätigen, also auch in der Schweiz.

Aber ist die Schweiz bei den ständigen Verdächtigungen – etwa in der amerikanischen Politik und Öffentlichkeit – noch ein attraktiver Anlage-Platz für US-Kunden?

Die Schweiz hat sich über Jahrzehnte hinweg zu einem führenden Finanzplatz entwickelt: Fach-Know-how, Technologie, Servicequalität sind im internationalen Vergleich auf absolutem Top-Niveau. Nach wie vor fliessen Gelder aus den USA in die Schweiz, insbesondere von sehr vermögenden Privatkunden, die ihre Gelder international anlegen und aus Sicherheitsgründen ausserhalb der USA deponieren wollen.

Welche Ziele setzen Sie sich in diesem Geschäft konkret?

Als Unternehmer wollen wir das Geschäft mit US-Kunden markant ausbauen. Dabei stellen wir hohe Ansprüche an die Servicequalität zu Gunsten unserer Kunden und entsprechend an die Qualität der Mitarbeiter. Amerikanische Kunden zu betreuen, bedeutet, die gesamten Vermögensverhältnisse dieser Menschen zu verstehen, die Vermögensziele zu besprechen und regelmässig zu hinterfragen; ferner Vermögensplanungs-Strategien zu initiieren und mit einem Netzwerk von ausgewiesenen Spezialisten zu implementieren.


«Wer die Gesetze befolgt, hat nichts zu befürchten, aber es ist harte Arbeit»


Als Vermögensverwalter wollen wir eine nachhaltige und überdurchschnittliche Rendite im Rahmen des Risikoprofils und der Anlageziele der Kunden erzielen. Bellecapital unterscheidet sich durch einen fokussierten Anlageansatz von den meisten Mitbewerbern in der Schweiz. Bei der Performance wird auf die Rendite nach Steuern und Kosten geachtet.

Fürchten Sie auch manchmal, mit der US-Justiz in den Clinch zu kommen?

Wer die Gesetze und Regeln befolgt, hat nichts zu befürchten. Aber dies ist harte Arbeit, da sich das Umfeld dynamisch verändert und man so organisiert sein muss, dass man die Entwicklungen laufend mitkriegt und Anpassungen im Geschäftsmodell schnell vornehmen kann.

Dieses Geschäft lässt sich heute nicht mehr nebenbei betreiben. Deshalb hat Bellecapital mit Bellecapital International eine separate Vermögensverwaltungsgesellschaft nur für US-Kunden aufgebaut. Das Unternehmen ist bei der amerikanischen Wertpapierbehörde SEC registriert. Die Mitarbeiter blicken auf mehrere Jahre Erfahrung in der Betreuung dieser anspruchsvollen Klientel zurück.

Gibt es überhaupt noch ein Schweizer Bankgeheimnis gegenüber dem USA?

Im aktuellen Umfeld ist die Situation tatsächlich sehr verworren. Beim Neugeschäft sind sich die Marktteilnehmer alle sicher. Das Problem liegt bei der Behandlung des historischen Geschäfts. Hier braucht es dringend und schnell Lösungen zwischen den beiden Staaten.

Sollte die Schweizer Regierung gegenüber den US-Behörden standhafter auftreten?

Wir fokussieren unsere Aktivitäten auf die Kunden. Dennoch verfolgen wir natürlich, was aktuell passiert. Entscheidend ist, dass die Hauptbetroffenen – Politik, Banken, der Regulator – das Problem mit oberster Priorität und mit dem notwendigen Ressourceneinsatz bearbeiten und jetzt schnell zu einer Einigung kommen, die mit den US-Behörden verhandelt werden kann.


«Es wäre ein schlechter Rat, jetzt auf politische Lösungen zu warten»


Ohne Einigung muss letztendlich die Politik selbst entscheiden und verhandeln. Solange dies nicht passiert, sind einzelne Institute wehrlos ausgeliefert. Je länger diese Situation bestehen bleibt, desto mehr wird dies als Zeichen der Schwäche unseres Finanzplatzes interpretiert.

Wird FATCA dem US-Geschäft von Schweizer Banken den Todesstoss versetzen? Wie richten Sie sich darauf ein?

Mit der Einführung von FATCA werden die Reporting-Pflichten für die betroffenen Finanzinstitute komplexer. US-Konten gemäss Definition FATCA werden dann transparent an die USA gemeldet. Die Einhaltung der entsprechenden Richtlinien werden strikte geprüft, und einzelne Mitarbeiter werden sogar persönlich haftbar gemacht werden.

Klar ist, dass bis zur Einführung von FATCA ein sehr grosser Anpassungsprozess vollzogen werden muss und entsprechend eine grosse Bereinigung bei der Betreuung von US-Kunden notwendig sein wird. Für US-Kunden, deren Identifikation geheim bleiben soll, gibt es bei Finanzinstituten, die das Agreement unterschreiben werden, keinen Platz mehr.

Wie unterscheiden sich die Anforderungen an einen Vermögensverwalter, der SEC-registriert ist?

Die Regeln, wie ein SEC-registrierter Vermögensverwalter seine Geschäfte führt, sind sehr klar beschrieben. Aufbauorganisation und Arbeitsprozesse müssen strikt und detailliert gestaltet und dokumentiert werden.

Der Überwachung von Mitarbeitern und der Kontrolle von Arbeitsabläufen kommt eine sehr grosse Bedeutung zu. Letztlich ist dies mit einem grösseren administrativen Aufwand verbunden. Zugute kommt dies der Kundschaft, die von einem grossen Schutz vor Regelmissbräuchen profitiert.

Was sollten Finanzinstitute mit US-Geschäft jetzt tun?

Auf politische Lösungen zu warten, wäre ein schlechter Rat. Das proaktive Anpacken der eigenen Situation bezüglich US-Geschäfts mit dezidierten Ressourcen ist entscheidend. Dazu gehören eine saubere Risikoanalyse des rechtlichen und regulatorischen Umfeldes für dieses Marktsegment, eine detaillierte Analyse des Kundenportfolios, die Hinterfragung des aktuellen Geschäftsmodells sowie ein Abgleich mit den rechtlichen und regulatorischen Auflagen. 


«Viele Kunden bleiben»


Schliesslich gehört auch die Entscheidung dazu, allfällige Divergenzen zu bereinigen, damit das neue Geschäftsmodell vollständig den rechtlichen Auflagen der USA entspricht. Entscheidend ist dann, mit der Implementierung des angepassten Geschäftsmodells zu beginnen. Die Einführung von FATCA im Jahr 2014 macht diese Arbeiten absolut zwingend.

Und was heisst das konkret fürs Geschäft?

Das kann bedeuten, dass man sich von Teilen oder sogar vom ganzen Geschäft trennen wird. Ein wichtiges Ziel von Bellecapital International ist es, Finanzinstitute sowohl während der Projektphase als auch bei der Umsetzung der Strategie zu unterstützen. Beispiele zeigen, dass durch die frühzeitige Einbindung eine sehr hohe Erfolgsquote erreicht werden kann: Viele Kunden bleiben.


Michel_Guignard_245Michel Guignard (Bild) ist Managing Partner bei Bellecapital International AG. Er arbeitet seit mehr als dreissig Jahren im Vermögensverwaltungsgeschäft, in den letzten Jahren spezialisierte er sich auf die Betreuung vermögender US-Familien.

Die Bellecapital International AG ist eine Schwestergesellschaft der Bellecapital AG, die bei der amerikanischen U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) registriert ist, um steuerkonformen amerikanischen Staatsbürgern eine Palette an Finanzdienstleistungen anzubieten. Zudem ist Bellecapital Mitglied des Verbands Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV).

Die Firma Bellecapital wurde im April 2009 von den beiden ehemaligen Guyerzeller-Private-Bankern Beat Bass und Werner Diehl gegründet. Als Dritter im Bunde stiess Mark Eberle von Barclays Capital hinzu.

Heute verwaltet die Firma mit Sitz in Zürich rund 2,5 Milliarden Franken an Kundenvermögen – mehrheitlich in Form von Vermögensverwaltungsmandaten.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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