Franken überbewertet – aber wie hoch?

Der Gleichgewichtskurs des Franken wird gegenüber den meisten Währungen weiter steigen. Eine Abwertung sei nicht zu erwarten, so Raphael Vannoni.


Raphael_Vannoni_119x178Von Raphael Vannoni, Leiter Economic Analysis, Schweizerische Bankiervereinigung

Letzte Woche habe ich darüber berichtet, wie sich die Bilanzsumme der Schweizerischen Nationalbank (SNB) auf Grund der Verteidigung des EUR/CHF-Wechselkurses verändert hat.

Heute möchte ich auf die Aussage des Internationalen Währungsfonds eingehen, der den Schweizer Franken für 10 bis 15 Prozent überbewertet hält. Eine Über- und Unterbewertung kann anhand verschiedener Indikatoren analysiert werden. Nachfolgend zeige ich zwei Möglichkeiten auf, die eine Über- respektive Unterbewertung klären können.

Die eine Möglichkeit ist die Berechnung der Kaufkraftparität (KKP) der Wechselkurse auf der Basis eines breiten Warenkorbs. Kaufkraftparität liegt dann vor, wenn in zwei Staaten mit unterschiedlicher Währung derselbe Warenkorb umgerechnet gleich viel kostet. Gemäss dieser Theorie schwanken Wechselkurse, um die jeweiligen Preisschwankungen auszugleichen.

In der langen Frist sollten demnach alleine die Teuerungsraten die Wechselkurse beeinflussen. Die UBS hat in einem Papier zu den Devisenmärkten einen kaufkraftparitätischen Wechselkurs von 1.31 Franken pro Euro respektive 1.02 Franken pro Dollar berechnet (nach Produzentenpreisen). Noch vor ein paar Monaten lagen diese höher. Die höheren aktuellen Inflationsraten der Eurozone und den USA haben zu dieser Reduktion des kaufkraftparitätischen Wechselkurses geführt.

Eine der bekanntesten Anwendungen der KKP ist der so genannte «Big Mac Index» des «Economist». Dieser vergleicht den Preis für ein global erhältliches Produkt – den Big Mac – mit überall denselben Eigenschaften.

Gemäss den aktuellsten Daten des «Big Mac Index» ist der Franken gegenüber dem Dollar 62 Prozent und gegenüber dem Euro um 54 Prozent überwertet. Gemäss dem Big Mac Index entspräche der korrekte Wert eines Dollar 1.55 Franken. Ein Big Mac kostet in der Schweiz 6.82 Dollar, während das Brötchen in den USA lediglich 4.20 Dollar und in der Eurozone 4.42 Dollar kostet. Somit kostet der Big Mac in der Schweiz umgerechnet rund 2.60 Dollar mehr als in den USA respektive 2.38 Dollar als in der Eurozone.

Eine weitere Bewertungsmöglichkeit stellen die exportgewichteten Wechselkurse dar. Die folgende Grafik zeigt den exportgewichteten realen Wechselkurs des Franken gegenüber dem Euro respektive dem Dollar. Dieser misst den realen Aussenwert des Frankens und wird häufig als Indikator für die Beurteilung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft verwendet.

Nach Einführung des Euro auf Anfang 2002 hat der reale Aussenwert des Franken abgenommen und erst während der Staatschuldenkrise der Eurozone wertete sich der Franken auf. Auch gemäss dieser Methode scheint der Franken leicht – gegenüber dem Dollar gar stark – überbewertet zu sein.

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Quelle: SNB

Dass der Franken überwertet ist, stelle ich absolut nicht in Frage. Wie weit entfernt der Wechselkurs allerdings vom fairen Wert entfernt ist, lässt sich nicht punktgenau eruieren. Unabhängig davon, ob der Schweizer Franken über- oder unterbewertet ist, kann allerdings mit grosser Sicherheit gesagt werden, dass der Gleichgewichtskurs des Schweizer Frankens auch in Zukunft gegenüber den meisten Währungen weiter steigen wird.

Diese Tendenz konnte bereits in der Vergangenheit festgestellt werden, wie untenstehende Grafik darstellt. Kostete doch Anfang der siebziger Jahre ein Dollar mehr als 4 Franken.

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Quelle: UBS

Die Aussage des IWF bezüglich Überbewertung kann ich sicherlich bestätigen. Fraglich bleibt aber nach wie vor die exakte Abweichung.

Ich gehe in nächster Zeit nicht von einer Abwertung des Franken aus und Forderungen nach einer Wechselkursuntergrenze EUR/CHF von 1.40 erachte ich in der momentanen Zeit als vermessen.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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