Nick Hayek: «Wir hätten das UBS-Management selig sprechen sollen»

hayek.klein3Swatch-Chef Nick Hayek spricht mit finews.ch über das angespannte Verhältnis zur UBS, über gute und schlechte Finanzanlagen, den Franken und Gerüchte über ein Going Private.

Herr Hayek, an der Generalversammlung der Swatch Group im Mai sagten Sie, Sie seien «relativ positiv», dass eine Lösung im Streit mit der UBS gefunden wird. War Ihr Optimismus gerechtfertigt?

Ich sagte damals, dass es nicht an uns liegt, eine Lösung zu finden. Wir machten 30 Millionen Franken geltend – aber der Betrag ist nicht per se das Problem. Unsere an der GV geäusserte Zuversicht gründete auf unserer Bereitschaft, mit der UBS jederzeit über Lösungen zu diskutieren.

Und weshalb klappte das nicht?

Das müssten Sie die UBS fragen! Ich habe den Eindruck, dass es in der UBS genügend Leute gäbe, die zu einem Kompromiss die Hand reichen würden. Aber es scheint fast, als hätte der der Chefjurist dort die Kontrolle übernommen. Unser Chefjurist hingegen hatte beim Termin vor dem Handelsgericht sogar eine Vollmacht, in eine Vereinbarung einzuwilligen, wenn die andere Seite dazu bereit gewesen wäre.

Da gab’s niemanden in der Bank, der zum Handschlag aufforderte?

Doch, der für unsere Geschäftsbeziehung Verantwortliche realisierte, dass ein längerfristiger Konflikt nicht im Interesse der UBS sein würde. Es kam dann zum Teil zu etwas abstrusen Vorschlägen, zum Beispiel eine gemeinsame Medienkonferenz mit Heiligsprechung des damaligen UBS-Managements, oder eine Laudatio auf die neue Strategie der UBS. Das war für uns natürlich sicher nicht der richtige Weg.


«Von der UBS kamen zum Teil etwas abstruse Vorschläge»


Fehlte es an der «Befehlsausgabe» von oberster Stelle an die mit dem Fall betrauten Juristen?

Mein Eindruck ist, dass die Juristen dort die Befehlsausgabe übernommen haben. Nach dem Motto: Am besten man macht nichts, dann begeht man auch keine Fehler. Und vor allem keine kreativen, spontanen Lösungsansätze vorschlagen oder gar darauf eingehen.

Also sind die Juristen das Problem?

Es gibt gewiss einen Unterschied zwischen Unternehmen, die von Managern geführt werden, denen von morgens bis abends Corporate Governance gepredigt wird, und jenen, die einen wirklichen Patron an der Spitze haben. Und sicher hat wohl auch die Prominenz der Swatch Group verhindert, dass die UBS Fehler eingestehen konnte, auch aus der Befürchtung heraus, auf diese Weise weitere Klagen gegen die Bank auszulösen.


«Die UBS verletzte das Bankgeheimnis»


Das eine ist der aus dem Verwaltungsmandat entstandene Wertverlust für die Swatch Group, das andere ist die von Ihnen eingeklagte Verletzung des Bankgeheimnisses.

Das Problem war, dass die UBS offensichtlich externen Experten Einblick in die Bücher der Bank gegeben hat und damit die Sorgfaltspflicht sowie das Bankgeheimnis verletzte. Die UBS hätte beim Gericht oder bei der Swatch Group die Erlaubnis dafür einholen müssen. Das tat die Bank weder noch. Somit war der Tatbestand einer klassischen Verletzung des Bankgeheimnisses gegeben. Uns blieb keine andere Wahl, als auch diesen Punkt anzugehen.

Eine Einigung nach Ihrer Vorstellung würde somit ein Eingeständnis beider Seiten voraussetzen, Fehler begangen zu haben?

Wir haben sicher den Fehler begangen, der UBS ein Verwaltungsmandat zu geben und auf deren Anlageprodukte zu vertrauen.

Was an diesem «Fall» erstaunt, ist der Umstand, dass sowohl Ihr Vater als auch Sie selbst stets extrem avers gegenüber derartigen Börsengeschäften waren.

Ich sage dazu nur: Alle haben in diesem Bereich Fehler gemacht. Wir haben daraus Lehren und Konsequenzen gezogen.


«Zurzeit arbeiten wir enger mit der CS zusammen»


Die UBS hat zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum allen 60‘000 Angestellten eine Swatch-Uhr geschenkt. Interpretieren Sie das als Versöhnungsversuch?

Aus unserer Sicht scheint das eher ein Versöhnungsversuch gegenüber ihren Mitarbeitenden zu sein als gegenüber uns. Aber für mich hat das keinen Einfluss auf unsere Haltung in der juristischen Auseinandersetzung. Ich möchte jedoch betonen, dass wir gegenüber der UBS und deren Angestellten kein «bad feeling» haben. Eine rechtliche Auseinandersetzung sollte die geschäftlichen Beziehungen nicht grundsätzlich in Frage stellen. Aber ich gebe zu, dass wir zurzeit mit der Credit Suisse enger zusammenarbeiten.

Und was sind Ihre Erkenntnisse aus dem «Fall UBS»?

Finger weg von komplizierten Finanzanlagen!

Die Lehren für Ihre Anlagepolitik?

Noch defensiver, noch konservativer als bisher. Aber es hat sich für uns auch grundsätzlich etwas geändert. In unserer Produktion benötigen wir extrem viel Gold und Diamanten – wir verarbeiten jährlich beispielsweise 15 Tonnen Gold. Aus langfristiger Sicht ist der Besitz von Gold und Diamanten für uns nicht nur eine Geldanlage, sondern indirekt auch eine Absicherung, ein Hedging für unsere Produkte. Das ist eine klare Abkehr von unserer früher praktizierten Politik, uns kurzfristig mit Edelmetall und Edelsteinen einzudecken. Die Lagerbestände sind dementsprechend bedeutend höher als in der Vergangenheit.

Das heisst auch, dass die Swatch Group nur noch bescheiden in Aktien investiert?

Wir besitzen nur erstklassige Werte, beispielsweise Nestlé. Aus unserer Sicht viel wichtiger sind Investitionen in den Markt, in unser Geschäft. So bauen wir unsere Ladenkette laufend aus. Sie können sich nicht vorstellen, wie wichtig unsere direkte Beteiligung an Hangdeli in China ist. Die Investition in den weltweit grössten Luxusuhrenretailer – wir sind der zweitgrösste Aktionär dort – liefert uns unglaublich viele und wichtige Informationen über den Markt.


«Der Bundesrat liess sich zuviel Zeit, um den neuen SNB-Präsidenten zu bestätigen»


Ein anderes brisantes Thema ist die Nationalbankpolitik. Da haben Sie sich vor geraumer Zeit ziemlich kritisch geäussert.

Moment, ich sagte damals, dass es keine Alternative zu dem von der Nationalbank eingeschlagenen Kurs gäbe. Ich hielt jedoch fest, die Chance verpasst zu haben, den Mindestkurs auf 1.25 Franken zum Euro, später sogar auf 1.30 Franken zu heben, als sich die Relation um 1.23 Franken bewegte. Just in dieser Phase hat sich der Bundesrat viel zu viel Zeit genommen, Herrn Jordan als neuen Präsidenten der SNB zu bestätigen. Eine sofortige Ernennung hätte Spekulanten verunsichert. So aber hatte man eher das Gefühl, der Bundesrat sei verunsichert und ängstlich. Und das war sicher nicht produktiv.

Aus Ihren Worten ist Kritik an Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf zu hören…

…ich kritisiere nicht Personen, sondern eine zögerliche Haltung im schlechtesten Moment.

Kann die Swatch Group einer Relation Franken/Euro von 1.20 einigermassen «leben»?

Seit der Anbindung an den Euro hat sich die Lage zwar beruhigt, aber sie ist für die Industrie und den Tourismus immer noch sehr angespannt. Und trotzdem wird es weiterhin Kritiker geben…

...Kritiker wie Ex-UBS-Chef Oswald Grübel, die meinen, die Untergrenze des Franken sollte aufgehoben werden?

Satt allgemeine Theorien zu entwickeln wäre es viel gescheiter gewesen, wenn er das Problem zwischen der UBS und uns gelöst hätte.

Ein weiteres brisantes Thema ist Ihr Streit mit Tiffany. Wie ist hier der Stand?

Wir treffen uns noch in diesem Jahr vor einem Schiedsgericht mit Gerichtsstand Amsterdam. Ich erinnere daran, dass Tiffany im Rahmen einer Pressekonferenz in den USA gesagt hat, dass sie im Bereich Uhren ohne Swatch Group nie auf einen grünen Zweig kommen würde. Ziel von Tiffany war es, den Uhrenbereich so auszubauen, dass man gegen Bulgari und Cartier hätte antreten können.


«Wir klagen auf die künftig entgangenen Einnahmen»


Und ich bin überzeugt, dass mit dieser Marke ein jährliches Umsatzpotenzial von zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde Franken hätte ausgeschöpft werden können. Aus dieser Perspektive heraus gründeten wir ein Unternehmen, die Tiffany Watch & Co. mit 20 Millionen Franken Aktienkapital, das die Swatch Group 100-prozentig einbrachte. Und darüberhinaus investierten wir kräftig. Tiffany hatte «nur» eine Gewinnbeteiligung. Doch unvermittelt änderte sich auf Seite von Tiffany die Attitude – Uhren genossen plötzlich keine Priorität mehr.

Sie klagen auf Schadenersatz von 3,8 Milliarden Franken. Wie ist dieser horrende Betrag zu erklären?

Einerseits wollen wir die bereits geleisteten Investitionen zurück, andererseits klagen wir auf die in Zukunft entgangenen Einnahmen.

Haben Sie herausgefunden, weshalb es zu diesem abrupten Richtungswechsel kam? Immerhin bestand ein auf Jahrzehnte ausgelegter Vertrag mit Tiffany.

Wir können nur vermuten, aber es grenzt schon an «bad faith», was wir hier erlebt haben. Es geht uns dabei nicht nur ums Geld, sondern auch und vor allem um unsere Reputation. Mehr kann und will ich dazu nicht sagen – wir sehen uns vor Gericht.


«Wir überlegen uns, ob wir im Haupttableau der Schweizer Börse noch vertreten sein wollen»


Ein letztes Thema: Wir hörten von Ihrem Vater und von Ihnen wiederholt, dass Swatch Group sich am liebsten von der Börse verabschieden würde…

…unser Börsenwert ist in eine solche Dimension gewachsen, dass es unmöglich ist, ein «going private» ohne fremdes Geld zu finanzieren. Aber wir überlegen uns, ob wir künftig noch am Haupttableau der Schweizer Börse vertreten sein wollen.

Wo denn sonst? Und was ist der Grund, allenfalls dem SMI den Rücken zu kehren?

Regulierungen… Regulierungen… Regulierungen… aber am falschen Ort, und vor allem kommen sie aus dem angelsächsischen Raum und sind für die Industrie teilweise verheerend. Für das Management der SIX Swiss Exchange scheint dieser immer grössere angelsächsische Touch das Non plus ultra zu sein. Aber zum Glück sind wir auch noch in Bern kotiert.

 

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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