Martin Gubler: «Wir haben selber 150 Millionen Franken investiert»

Pensionskassen suchen Anlagen, die möglichst zinssensitiv sind, Schutz bei Inflation bieten und zuverlässige Renditen abwerfen. Gibt es das noch? Ein Interview mit Martin Gubler, Leiter der Zurich Invest.   

Herr Gubler, volatile Börsen, noch tiefe Zinsen und ein starker staatlicher Einfluss dominieren heute die Finanzmärkte. Welche Anlagebedürfnisse haben institutionelle Investoren vor diesem Hintergrund?

Sie sagen es: Die Zinsen sind noch tief. Jahrelang konnte man dank steigender Obligationenkurse schöne Renditen einfahren. Das ist vorbei. Speziell Pensionskassen suchen daher einen Ersatz für Obligationen. Ideal sind Anlagen, die möglichst wenig zinssensitiv sind, Schutz bei Inflation bieten und zuverlässige Renditen liefern.

Was hat Zurich Invest in dieser Hinsicht im Köcher?

Zwei neue Anlageprodukte für Pensionskassen: Senior Secured Loans sowie Infrastruktur-Anlagen als Anlagegruppen der Zürich Anlagestiftung.

Was spricht für diese beiden Investment-Klassen?

Sie bieten attraktive Realrenditen und eignen sich daher als teilweisen Ersatz für Obligationen. Senior Secured Loans (SSL) sind vorrangig besicherte Unternehmensdarlehen von Schuldnern ohne Investmentgrade-Rating.


«Sie locken mit regelmässigen Cashflows»


Die Rendite ist attraktiv – rund 5 Prozent in den letzten 20 Jahren. Und da die Verzinsung an einen Referenzzinssatz gekoppelt ist und bei steigenden Zinsen mitwächst, sind SSL im aktuellen Niedrigzins-Uumfeld attraktiver als High Yield Bonds und daher eine Überlegung wert.

Infrastruktur-Anlagen korrelieren ebenfalls wenig mit Obligationen und bieten einen gewissen Schutz bei steigenden Zinsen, da die Verträge von Infrastrukturprojekten in der Regel an die Teuerung gekoppelt sind. Zudem locken sie mit regelmässigen Cashflows.

Die Investments dafür erfolgen durch unabhängige Vermögensverwalter. Wie läuft der Auswahlprozess ab, und was gab den Ausschlag für die nun mandatierten Asset Manager?

Um Interessenkonflikte zu vermeiden, setzen wir konsequent auf externe Manager. Um den Besten zu finden, schreiben wir die Anlageklasse global aus und wenden unser bewährtes strukturiertes Auswahlverfahren an, bis am Ende einer übrig bleibt. Dem schauen wir anschliessend genau auf die Finger.


«Wir sind Treuhänder unserer Kunden»


Beispiel Senior Loans: Den Ausschlag gab hier, dass der Verwalter inhouse ein Kredit-Research und Fachjuristen für Kreditausfälle hat und gross genug ist, um bei den Konditionen der Darlehen mitreden zu können. Langjährige Expertise und überzeugender Leistungsausweis verstehen sich von selbst, um in die engere Wahl zu kommen.

Was, wenn die Performance einer Anlageklasse zu wünschen übrig lässt?

Wenn uns die Performance oder das Risikomanagement eines Verwalters nicht mehr vollständig überzeugen, setzen wir den Manager auf eine Watchlist. Das hilft oft, aber nicht immer. In diesem Jahr mussten wir die Anlageklassen Wandelanleihen und Aktien Europa neu vergeben. Das sind wir als Treuhänder unseren Kunden schuldig.


«Sie werden als erste Gläubiger bedient»


Seit Monaten erwarten viele Anleger steigende Zinsen. Was hätte eine solche Entwicklung für einen Einfluss auf diese Anlageprodukte?

Wegen der Zins- respektive Inflationsanbindung bleibt die Realrendite der beiden Anlageklassen weitgehend erhalten. Das macht sie für Pensionskassen so interessant.

Senior Secured Loans und Infrastrukturanlagen, ­ was sind die grössten Risiken in den beiden Bereichen?

Grundsätzlich sind es für beide die eher niedrige Liquidität und die Fremdwährungsrisiken. Bei Senior Secured Loans kommt das Kreditausfallrisiko hinzu. Es lag in den letzten 10 Jahren bei rund 2,5 Prozent. Bei einem Zahlungsausfall sind Anleger in SSL aber gut geschützt, da sie als erste Gläubiger bedient werden. Die Rückgewinnungsquote bei Ausfällen lag in den letzten Jahren bei mehr als 70 Prozent. Bei Infrastruktur-Investments erachten wir regulatorische und politische Risiken als die grössten Risiken.


«Die Mindestverzinsung sicherstellen»


Warum sollten die institutionellen Anleger bereit sein, in diese Anlageprodukte zu investieren?

Zentral für den Anlageerfolg ist eine langfristige und breit diversifizierte Anlagestrategie. Beide Anlageklassen leisten dazu einen wertvollen Beitrag.

Welche Ziele haben Sie sich mit diesen beiden neuen Produkten gesetzt?

Pensionskassen müssen bei vertretbarem Risiko die benötigte Mindestverzinsung sicherstellen. Hier wollen wir überzeugende Lösungen bereit stellen. Damit liegen wir offenbar richtig: Bei Infrastruktur haben wir bereits feste Zusagen von 280 Millionen Franken. Das ist ein vielversprechender Start. Und die Pensionskasse von Zurich wird selber 150 Millionen Franken in unsere Senior-Secured-Loans-Anlagegruppe investieren.


«Das senkt die Kosten»


Existieren Konkurrenzprodukte?

Wir sind bisher die einzigen, die in diesen Anlageklassen massgeschneiderte Lösungen für Schweizer Pensionskassen anbieten. Unsere Anlagestiftungen sind steuerlich optimiert, in der Schweiz domiziliert und haben den expliziten Segen der Oberaufsichtskommission der Beruflichen Vorsorge.

Auch inhaltlich gibt es Unterschiede: Bei Senior Secured Loans berücksichtigen wir stärker europäische Darlehen. Bei Infrastruktur setzen wir auf Co-Investitionen. Das senkt die Kosten und garantiert die volle Kontrolle auf die einzelnen Investments.


Martin Gubler ist Leiter der Zurich Invest AG (ZIAG). Die ZIAG, Anlagetochter von Zurich Schweiz, bietet Anlagelösungen für private und institutionelle Investoren und verwaltet Kundengelder von mehr als 14 Milliarden Franken.

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Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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