Von diesen Trends profitieren Versicherer

6 Entwicklungen wälzen die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse in den nächsten Jahren um, prophezeit Accenture. Zu den Gewinnern könnten die Versicherer gehören.

Vorbei sind die Zeiten, in denen nur wendige Start-Ups von Innovationen durch Digitalisierung profitieren und bisherige Geschäftsmodelle umwerfen. Im Gegenteil: die grossen Unternehmen sind zurück im Rennen. «Big» ist das nächste «big thing».

So lautet die zentrale Botschaft der Studie «Technology Vision 2014 – from digitally disrupted to digital disrupter», verfasst vom Management Consulting-, Technologie-Services und Outsourcing-Unternehmen Accenture. Die hauseigenen Analysten sehen grosse Unternehmen durch die Digitalisierung als die neuen Gewinner.

Profitieren dürften diese Firmen dabei vor allem auf Grund ihrer Grösse von Skills- und Skaleneffekten. Accenture begründet das im Einzelnen mit sechs Trends, die innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre den grössten Einfluss haben werden:

Trend 1: Die Grenze zwischen digital und physisch verschwimmt. Neue Mobility-Services und Smartphones lassen Maschinen und Sensoren miteinander kommunizieren und verändern so zunehmend die Lebensgewohnheiten und die Arbeitswelt. Jogger überprüfen ihren Trainingserfolg bereits mit Fitness-Monitoren am Arm und bald könnten Ärzte die Google Glass im Krankenhaus einsetzen. Die reale Welt geht online. Den Unternehmen eröffnet diese Entwicklung völlig neue Türen: Sie können Daten real-time nutzen, um schneller auf Marktveränderungen zu reagieren. (mehr)

Trend 2: Kunden sind die neuen Mitarbeiter. Über Netzwerke steuern Konsumenten ihre Ideen bei. Crowdsourcing als neue Form der Mitarbeit löse die Grenzen zwischen Kunden und Mitarbeiter auf, erklärt Accenture im Papier. Die Analysten nennen einen weiteren Vorteil für die Unternehmen und für das Marketing: Firmen erhalten den Input kostenfrei und haben Zugriff auf einen scheinbar endlos grossen Pool an menschlichen Ressourcen. Als Beispiel nennt die Beratungsgesellschaft die Verwendung des amerikanischen Informatiker- und Mathematiker-Netzes Kaggle durch Mastercard oder die Bewertung der Schweizer Migros-Produkte auf Migipedia.ch. (mehr)

Trend 3: «Big Data»: Daten unternehmensweit integrieren. Die Mehrheit der grossen US-Unternehmen sind laut einer Studie bis 2015 nicht in der Lage, ihre Datenmassen zu ihrem eigenen Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Deshalb implementieren immer mehr Unternehmen Tools zur Verarbeitung von Big Data und investieren in neue Analyse-Anwendungen und Data-Service-Plattformen. Um den Wert dieser komplexen Datenlandschaften voll auszuschöpfen, müssten Firmen deshalb anfangen, Daten wie «Produkte» in einer «Wertschöpfungskette» zu behandeln, damit diese durch das komplette Unternehmen fliessen können. (mehr)

Trend 4: Der «Hyperscale-Effekt»: Comeback der Hardware. Die rasante Entwicklung von Software und dem weltweiten Netz zu bewältigen, sei mit der bisher eingesetzten Hardware undenkbar. Der Bedarf an grösseren und schnelleren Rechenzentren steigt. Neue «Hyperscaling­-Ansätze» müssen die bisherigen Beschränkungen überwinden. Dies bedeutet Computing-Aufgaben zu ermöglichen, die eine geringe Rechenleistung benötigen. Wer Energieverbrauch, Prozessoren und die Architektur seiner Infrastruktur intelligent managt, kann Skalen-Effekte nutzen und Kosten senken, wie Accenture schreibt. (mehr)

Trend 5: In Zukunft heisst es: «Dafür gibt es eine App». Studien prophezeien, dass bis 2017 etwa ein Viertel aller Unternehmen einen App-Store zur Verwaltung unternehmenseigener Applikationen für PCs und mobiler Geräte haben wird. Durch App-Stores gerät Software zur Kernkompetenz: Ursprünglich für den privaten Nutzer gedacht, tragen Apps immer mehr zur Agilität eines Unternehmens bei. Aufgabe von IT-Entscheidern ist nun, die Rollen bei der App-Entwicklung beziehungsweise den gesamten Entwicklungsprozess so zu gestalten, dass sie die Ziele der Unternehmen unterstützen. (mehr)

Trend 6: Widerstandsfähige IT-Architektur gefordert. «Always On» wird zum Mantra des Nonstop-Geschäftsbetriebes. Kunden erwarten, dass Systeme rund um die Uhr einsatzbereit sind. Die Systeme müssen zudem darauf ausgelegt sein, Ausfällen standzuhalten. Systemausfälle können enorme ökonomische Risiken mit sich tragen – vor allem für digitale Unternehmen mit internet-basierten Geschäftsmodellen. Studien zufolge kostet eine Minute Datencenter-Stillstand durchschnittlich 7'000 Dollar. Einige IT-Abteilung arbeiten deshalb mit einem automatisierten Testprogramm, das sich ständig selbst angreift und die Angriffe beobachtet und abwehrt. (mehr)

Aktive Mitgestaltung statt bloss zu reagieren

Es sei zu beobachten, wie sich «grosse Unternehmen mit der ganzen Kraft ihrer umfassenden Ressourcen für die digitale Transformation ihres Geschäftsmodelles einsetzen und ihre Marktführerschaft sichern wollen», schreibt Accenture in der Studie weiter.

Diese Unternehmen reagierten nicht mehr nur auf den Technologiewandel, sondern setzten enorme Ressourcen und Kapital ein, um ihn aktiv mitzugestalten. Sie integrieren digitale Technologien in alle Betriebsabläufe und nutzen so den Wandel in der Wirtschaft und innerhalb der Branche zu ihrem Vorteil.

Grosse Versicherer mischen oben mit

Das noch relativ junge digitale Zeitalter bietet vor allem auch für die Versicherungsbranche grosse Wachstumschancen, schreibt Jean-François Gasc auf dem Blog «Accenture Insurance Blog». Gasc ist Managing Director bei Accenture Management Consulting für die Versicherungsbranche Europa und Latein-Amerika.

Versicherer seien von Natur aus grossen Unternehmen mit viel Kapital – etwas, das vor allem für Lebensversicherer gilt. Die Beratungsfirma rechnet damit, dass die Versicherungsgesellschaften in den nächsten Jahren deshalb erheblich in digitale Technologien investieren werden, um sich für die digitale Transformation in den kommenden drei Jahren zu rüsten. Das mache sie zu Vorreitern, glaubt Versicherungs-Spezialist Gasc.

Rennen entscheidet sich bald

Ebenso sind sich die Versicherer laut Gasc überaus bewusst, dass die traditionelle Wertschöpfungskette durch Konkurrenten ausserhalb der Branche mehr und mehr bedroht sei. Konsumenten könnten sich durchaus gut vorstellen, Assekuranz-Dienstleistungen auch bei Nicht-Versicherern wie Google oder Amazon zu beziehen.

Das Rennen um die Digitalisierung der Geschäftswelt wird laut den Accenture-Analysten in den nächsten drei Jahren entschieden. Wer die Initiative übernimmt und sich in seinem Markt an die Spitze des Wandels setze, habe die Chance, echte digitale Leitfigur mit weltweiter Bedeutung zu werden, so das Fazit von Accenture.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
mehr

SELECTION

«Trag nie Hermes-Krawatten. Niemals.»

So umkurvt man Fettnäpfchen

Eine Tipp-Liste für Jungbanker.

Selection

Selection

Denke nach und werde reich

Haben Sie sich auch schon gefragt, welche Eigenschaft alle Millionäre teilen?

Selection

NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

weitere News