Christina Böck: «Befindet sich die Schweiz am Scheideweg?»

Christina Böck

Christina Böck, Axa Investment Managers

Die Schweizer Volkswirtschaft gilt seit Jahrzenten als äusserst stabil und ist durch diese Konstanz eine rechte Exotin. Doch wird ihr nun genau diese Stabilität zum Verhängnis? Überlegungen von Christina Böck, Anlagestrategin bei Axa IM.

Christina Böck ist ‹CIO Switzerland & Head Solution Strategists Central Europe› bei Axa Investment Managers. Ihre Kolumne für finews.ch erscheint monatlich.

Das Prädikat «safe haven» tönt zwar positiv, ist – mit der damit verbundenen Aufwertung des Franken und der Einführung von Negativzinsen – für einen Grossteil der Volkswirtschaft aber kritisch geworden. Mit einem neuerlich schwachen Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent im abgelaufenen Jahr, ist dieser Wert der tiefste seit 2009.

Hinzu kommen Entwicklungen, die die hiesige Wettbewerbsfähigkeit herausfordern oder künftig herausfordern dürften: Dazu gehören etwa die Unternehmenssteuer-Reform, die niedrige Inflation (-0,9 Prozent im April 2016), die Immigration, Überalterung sowie die strukturellen Veränderungen in der Bankenwelt.

Steht die Schweiz also vor einer massgeblichen Verdüsterung des wirtschaftlichen Umfelds?

Lichtblicke am Horizont

Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist die Situation nicht so schlimm, wie man dies auf den ersten Blick annehmen könnte. Denn es gibt jetzt schon Lichtblicke am Horizont. So stieg der Einkaufsmanagerindex (PMI), ein Frühindikator zur wirtschaftlichen Aktivität von Produktionsunternehmen, im April um 1,5 auf 54,7 Punkte, was den höchsten Stand seit zwei Jahren darstellt. Hierbei bedeuten Werte über 50 Punkte, dass man von einer Zunahme der Aktivität ausgehen kann.

Die Produktion eröhte sich im April bereits im siebten Monat in Folge. Die zunehmenden Auftragsbestände deuten darauf hin, dass dieser Trend auch in den kommenden Monaten anhalten dürfte.

Tiefe Elastizität

Eine besondere Stärke der Schweiz ist ausserdem die tiefe Elastizität hochwertiger Exportprodukte, die sich positiv auf die Handelsbilanz auswirkt (+1,7 Prozent im Jahresvergleich). Die Industrie dürfte sich also allmählich auf einen Euro-/Franken-Kurs von 1.10 eingestellt haben.

Ähnlich entwickeln sich die Zahlen für Dienstleistungs- und Handelsunternehmen, wo der Index im Vergleich zum Vormonat zwar etwas Raum einbüsste, aber mit 53,8 Zählern weiterhin über 50 liegt. Analog zur Industrie nahmen der Auftragsbestand und die Geschäftstätigkeit weiter zu.

Kongruent zum PMI, zeigen sich auch die Investitionszahlen robust. Dies deuten unter anderem einen Anstieg der Möbel- und Maschinenimporte um 2,6 Prozent respektive 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an.

Auch einige Risiken

Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich allmählich verbessern: Die Arbeitslosigkeit ist, auf Grund des geringen Wachstums und der kleineren Margen, zwar leicht gestiegen. Durch das 2016 zu erwartende Wachstum des Bruttoinlandprodukts sollte sie sich unterhalb früherer Werte stabilisieren und schon im Laufe von 2017 wieder sinken. Allerdings ist mit Verschiebungen zwischen den Branchen zu rechnen, da die Finanzbranche weiter von strukturellen Umbrüchen betroffen ist.

Nichtsdestotrotz bringt das aktuelle Umfeld auch einige Risiken mit sich: Hervorzuheben sind insbesondere die deflationären Tendenzen, die sich in nächster Zeit fester zu installieren drohen. Gleichzeitig steigen die Immobilienpreise und die Verschuldung pro Haushalt (mehr als 120 Prozent des BIP).

Typische Probleme in Europa

Auch von den weiteren, für europäische Volkswirtschaften typischen Problemen – Überalterung, Umweltfragen, Immigration und Integration – bleibt die Schweiz nicht verschont.

Insgesamt darf man das wirtschaftliche Umfeld aber nicht zu düster sehen. Denn die Schweiz zeigt doch einige gute Ansätze. Insbesondere kann auch von einer Vertrauenskrise nicht die Rede sein, denn dafür sind einige wichtige Faktoren nicht gegeben.


Christina Bock 180Christina Böck studierte an der Wilhelms-Universität in Münster, bevor sie einen Master in Management an der H.E.C. in Paris erlangte. Ab 1994 war sie bei der Dresdner RCM Gestion tätig. Später wechselte sie zur Allianz-Pimco-Gruppe. Zu Axa Investment Managers stiess sie 2001 und arbeitet seit 2007 in Zürich als ‹CIO Switzerland & Head Solution Strategists Central Europe›.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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