Robert J. Shiller: Von Zuversicht kann man nichts kaufen

Frage: Was ist in der Wirtschaft derzeit das unausgesprochene Hauptthema? 

Unsere Antwort: Der Tanz zwischen Optimismus und fatalem Überschwang.

Die internationalen Börsen, die amerikanischen Wirtschaftsdaten, die Wachstumszahlen der Schwellenländer und die Zinsspreads in Europa: Sie alle suggerieren, dass ein neuer Frühling bevorsteht. Doch auf der anderen Seite traut man der Sache nicht so recht – kein Wunder nach den Erfahrungen der letzten sechs Jahre.

Bill Gross thematisiert diese Unsicherheit zum Beispiel in seinem neuen «Outlook»: Der Co-Chef von Pimco fordert dazu auf, sich bewusst zu werden, dass wir (und die gesamte Wirtschaft) rasch wieder die Grenze zum irrationalen Überschwang überschreiten können. Optimismus ja, so sein Rat, aber mit Vernunft.

Robert-J-ShillerEine glasklare Diskussion liefert nun Robert. J. Shiller. Der Yale-Professor, bekannt geworden durch seine Voraussagen des Subprime-Einbruchs, stellt in einem neuen Aufsatz die aktuelle Zuversicht ganz grundsätzlich in Frage – ja, er bezweifelt sogar, dass der Optimismus überhaupt ein wichtiger Faktor ist für die weitere Entwicklung.

Es sei zwar tatsächlich so, dass derzeit mehrere Indikatoren eine gute Stimmung andeuten: Börsen, Häusermarkt, Konsumenten-Indizes. Doch Shiller ist nicht bereit, daraus einfach ein Gesamtbild zu malen – denn Parallelität bedeutet noch lange nicht Zusammenhang.

Oder mit des Professors eigenen Worten: «Über die Jahre und Jahrzehnte haben die Veränderungen an den Börsen, im Liegenschaftenmarkt und in der Gesamtwirtschaft relativ wenig miteinander zu tun. (Wir Ökonomen würden sagen: Sie korrelieren nur wenig.) Obendrein sind alle drei scharfen Wendungen unterworfen.»

Deshalb wiederum seien neue Allzeit-Hochs an den Börsen an sich überhaupt kein Anlass zu Optimismus. Und dies nicht nur, weil die Aktienkurse nur bedingt als Signal tauchen; und nicht allein, weil die Sache rasch wieder kippen kann. Sondern auch, weil ein Börsenrekord gar nichts Besonderes ist.

Der S&P-Index, stellt Robert Shiller fest, schaffte seit seiner Gründung im Jahr 1928 genau 1'007 mal einen neuen Rekord – also im Durchschnitt alle 23 Handelstage. «Neue Rekorde kommen haufenweise», so Shiller.

Natürlich macht der Ökonom auch seine Reverenz vor der Tatsache, dass wir jetzt eine Weile – sprich: sechs Jahre – auf einen neuen Rekord warten mussten (und inflationsbereinigt sogar 13 Jahre). Aber was bedeutet das? Etwa, dass demnächst weitere Börsen- und Wirtschafts-Raketen zünden werden?

Keineswegs. «Dass der Index einen neuen Rekord schafft, heisst lediglich, dass wir an den Börsen in den letzten 13 Jahren nicht wirklich Geld verdient haben. Das scheint mir kaum ein Grund zur Zuversicht.»

• Robert J. Shiller: «Yes, We're Confident. But Who Knows Why», in: «The New York Times» bzw. «Yale Insights»

 

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