9 Szenarien: So geht es weiter mit der Wirtschaft

Beflügeln die Schwellenländer die Weltwirtschaft? Oder kommt jetzt die Inflationsspirale? Gar der perfekte Sturm? Hier kriegen Sie den Überblick.


Symbol_trendsStändig hören wir Prognosen: Es geht aufwärts, es geht abwärts. Sie sind meist im Alltag verhaftet und eher kurzfristig orientiert. Um wieder einmal Ordnung zu schaffen, schildern wir hier die fundiertesten Makro-Szenarien für die mittel- und längerfristige Entwicklung der Weltwirtschaft.

Im Wissen natürlich, dass die Übergänge fliessen und die theoretische Struktur etwas wild ist.

 

1. Rettung durch die Schwellenländer

Basisszenario: Die Weltwirtschaft kehrt auf einen stabilen Wachstumspfad zurück. Dies dank den BRIC-Staaten und den anderen aufstrebenden Schwellenländern. Mit ihrer schieren Bevölkerungszahl und ihrem wachsenden Gewicht können sie stetig mehr dazu beitragen, die globale Wirtschaft nach vorne zu ziehen – sogar Europa.

Phänomene wie Subprime-, Finanz- und Euro-Krise bringen dabei nur die Verlagerung von den alten zu den neuen Wirtschaftsmächten zum Ausdruck.

Bekannte Vertreter: Jim O'Neill, Mark Mobius 

 

2. Die amerikanische Lokomotive

Basisszenario: Die kapitalistische Maschine Amerikas hat schon manch eine Krise überlebt. Sie ist im Kern dynamisch, kann sich immer wieder erneuern, und die grösste Volkswirtschaft der Welt hat auch nach der Finanzkrise 2008 gezeigt, dass sie zur Stärke zurückfindet.

Krisen sind nur Schlaglöcher auf dem Highway zu noch mehr Wohlstand.

Bekannte Vertreter: Warren Buffett, Laurence D. Fink, John Paulson

Verwandt mit: «Rettung durch die Schwellenländer»

 

3. Fortschritt durch Technik (oder: Die nächste lange Welle)

Basisszenario: Wir schaffen wieder technologische Sprünge, die eine neue anhaltende Wachstumsphase einleiten.

Diese These bildet bekanntlich eine Grundlage der berühmten Kondratjeff-Erklärung, wonach die Wirtschaft auch lange Wellen durchläuft. Nach den früheren Wachstumsphasen (angefeuert zum Beispiel durch Brennstoffmotor und Elektrizität vor 1914, durch Automobil und Flugzeug vor 1970, durch IT vor 2000) könnte in absehbarer Zeit wieder ein Technologiesprung einsetzen.

Grössere Wachstums- und eigentliche Boomphasen wären die Folge.

Wichtig ist allerdings die Frage, wann hier die Trendwende einsetzt. Betrachtet man die früheren Zeitabläufe der Kondratjeff-Zyklen streng, so könnte die jetzige Niedergangsphase noch bis in die 2020er-Jahre hinein andauern.

Bekannte Vertreter: Paul Krugman, Walter Wittmann

Verwandt mit: «Die amerikanische Lokomotive».

 


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4. Die Inflationsspirale

Basisszenario: Wir befinden uns im Zeitalter der «Ponzi-Finanzierung». Weil viele wichtige Staaten bereits Kredite aufnehmen müssen, nur um Zinsen zu bedienen, rollt der Schneeball immer schneller. Das nötige «De-Leveraging» muss unweigerlich in eine Inflationsspirale führen. Aktuell ergänzt wird diese Deutung (im Gefolge des 1996 verstorbenen Hyman Minksy) durch die Annahme, dass die offenen Geldschleusen der Notenbanken ohnehin auch zu inflationären Tendenzen führen werden.

Die Folge: Ein solides Wirtschaftswachstum wird zusehends erschwert.

Bekannter Vertreter: Bill Gross

 

5. Der Alters-Verfall

Basisszenario: Wir treten in eine lange Flaute-Phase ein, die Zeiten eines Wachstums wie im 20. Jahrhundert sind unwiederbringlich vorbei. Denn die Überalterung der westlichen Gesellschaften, Japans und in absehbarer Zeit auch Chinas führt zu tieferen Zuwachsraten, zu sinkenden Immobilienpreisen und auch zu einer noch stärkeren Überschuldung der Staaten.

Regelmässige Krisenereignisse und nachhaltige Deflationsphasen können die Folge sein.

Bekannte Vertreter: Stan Druckenmiller, Jeremy Grantham, Laurence Fink

 

6. Gratwanderung mit Absturzgefahr

Basisszenario: Auch nach diesem Szenario sind die Zeiten des stetigen wirtschaftlichen Wachstums vorbei. Die Produktivität kann noch begrenzt verbessert werden, bei den Rohstoffen drohen Engpässe, die Umwelt verlangt Einschränkungen und die Staaten sind nachhaltig verschuldet. In dieser Situation wirken die alten geld- und fiskalpolitischen Rezepte nicht mehr.

Und so besteht das Risiko schwerer politischer Fehler sowie ungesteuerter Panik- und Abwärtsspiralen.

Bekannte Vertreter: Ray Dalio, Bill Gross, Jeremy Grantham

Verwandt mit: «Der Alters-Verfall», Steigerung: «Der perfekte Sturm»

 

7. Der perfekte Sturm

Basisszenario: Die Gratwanderung endet in einem Absturz, weil mehrere Krisenereignisse zeitlich zusammentreffen. Zum Beispiel: Verschärfung der Schulden- und Sozialkrise in Europa (insbesondere wegen Frankreich) plus ein Hard Landing in China plus eine Abschwächung der Konjunktur in den USA plus politische Unsicherheiten (Iran, Nahost, Nordkorea).

Bekannter Vertreter: Nouriel Roubini

 

8. Die Mutter aller Blasen

Basisszenario: Konjunkturell könnte die Erholung bald wieder abkühlen – in Europa ist das sowieso der Fall, aber auch in den USA, Japan oder China. Dann platzen die verschiedenen Asset-Blasen, die sich im Gefolge der lockeren Geldpolitik gebildet haben. Ob bei Aktien, beim Gold, bei gewissen Immobilien – gerade wegen den offenen Schleusen der Notenbanken hat sich ein weiteres Blasen-Universum gebildet: «The mother of all bubbles», wie Nouriel Roubini das jüngst formuliert hat.

Eine ganze Reihe von Crashs und Einbrüchen droht.

Bekannte Vertreter: Felix Zulauf, Marc Faber

Verwandt mit: «Gratwanderung» und «Der perfekte Sturm» – die Blasenbetrachtung ist quasi eine finanzmarkt-fokussierte Sichtweise

 

9. Die Deflationsspirale

Basisszenario: Wenn die Blasen an den Finanz- und Immobilienmärkten platzen, führt dies zu einer eigentlichen Deflations-Spirale. Auch die Preise anderer Güter werden in den Abwärtsstrudel gezogen, womit die Wirtschaft vielerorts zum Erliegen kommt. Dass die Notenbanken derzeit massiv Geld drucken, führt eben nicht zu Inflation – sondern es verhindert bloss, dass wir in die Deflationsspirale rutschen. Sobald die Zentralbanken die Zügel anziehen, ist es soweit.

Bekannte Vertreter: Jeff Gundlach, Fredmund Malik

Verwandt mit: «Die Mutter aller Blasen»

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