Finanzforschung taugt nichts

Akademische Finanzforschung sei mehr Glück als Wissenschaft. Das sagt ausgerechnet ein amerikanischer Finanzprofessor.

Campbell Harvey (Bild) ist Finanzprofessor an der amerikanischen Duke University in Durham, im Bundesstaat North Carolina. Der Statistiker ist Spezialist für Portfolio- und Risikomanagement. Er ist aber nicht nur Professor, sondern auch Investmentberater der britischen Man Group.

Die akademische Finanzforschung beurteilt Harvey kritisch: «Meiner Meinung nach sind mehr als die Hälfte aller Forschungsartikel zu Finanzmarktfragen fehlerhaft», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Das bedeutet aus seiner Sicht: Mehr als die Hälfte der Finanzprodukte, die auf Basis solcher Studien einen positiven Ertrag bringen sollten, beruhten auf falschen Voraussetzungen.

Was Harvey fordert

«Ganz grundsätzlich gilt: Wenn man viel versucht, klappt irgendetwas rein zufällig. Damit ein Ergebnis signifikant ist, sollten ausreichend hohe Hürden aufgebaut werden», so der Professor weiter. Das aber sei in der Finanzforschung eher weniger oft der Fall.

Das Problem ist gemäss Harvey nicht auf die Finanzforschung beschränkt. «Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass es einen Unterschied zwischen der natur- und der finanzwissenschaftlichen Forschung gibt», so der Amerikaner. Seiner Ansicht nach sollte die Art und Weise verändert werden, in der Forschung betrieben wird.»

Glück statt Forschung?

Was heisst das für Anleger? Harvey hat zwei Tipps parat. Erstens: Profi-Investoren sollten in Qualität investieren und Portfoliomanager wählen, die grössere Hürden bei der Auswahl ihrer Investmentstrategie anlegen.

Zweitens: Privatanleger sollten sich ein diversifiziertes, global aufgestelltes Depot zulegen und damit zufrieden sein, was der Markt hergibt.

«Die Forschung zu Investmentfonds in Amerika hat bisher noch keinen Beweis erbringen können, dass es möglich ist, systematisch besser abzuschneiden als der Markt. Wenn das gelungen ist, war es meiner Forschung nach in der Regel nur Glück», so Harveys interessante Schlussfolgerung.

 

 

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