Jim Rogers: Starinvestor ohne Selbstvertrauen

Jim Rogers

Jim Rogers

Der Mann hat eine Nase für lukrative Investments. Rohstoffe, Gold und abgelegene Märkte empfahl Jim Rogers früher mit Überzeugung und Begeisterung. Doch der Anlageguru ist kleinlaut geworden. Er hat das Vertrauen in sich verloren.

Von diesem Interview hat sich das renommierte Anlegermagazin «Barrons» bestimmt mehr erhofft. Es fragte die Investorenlegende Jim Rogers zu seinen Prognosen an den Finanz- und Rohstoffmärkten.

Ein Mann, der früher einmal mit seinem Motorrad um die Welt gefahren ist, um nach Investmentchancen zu suchen, müsste doch ein paar Tipps auf Lager haben.

Nach der zweiten Frage vorbei

Fehlanzeige. Rogers antwortet ausweichend, benützt Wendungen wie «wahrscheinlich», «würde», und «kommt drauf an». Eigentlich ist das Interview nach der zweiten Frage vorbei.

Wo ein Anleger, der sich auch in den Schwellen- und Rohstoffmärkten gut auskenne, 50 Millionen Dollar jetzt investieren solle, will der Interviewer wissen. Rogers sagt bloss: «Wie ich die Welt jetzt betrachte, bin ich nicht besonders optimistisch». Er suche derzeit nicht intensiv nach Investmentmöglichkeiten.

Rogers hatte immer einen Trumpf

Was ist mit dem Mann mit der Fliege los? In all den Jahren zuvor war er nie um eine Antwort verlegen gewesen. Gold, Russland, Agrarmärkte, Zucker, Kupfer – einen Trumpf zog der mittlerweile 73-Jährige immer aus dem Ärmel.

Jetzt sagt er zu den völlig überverkauften Rohstoff- und Ölmärkten: «Ich würde wahrscheinlich mit kleinen Schritten beginnen, Öl zu kaufen. Ich glaube, es hat das Tief erreicht. Aber ich habe zurzeit kein Vertrauen in meine Überzeugungen. Ich warte ab.»

Bloss kein Gold kaufen

Zum Gold, das nach wie vor auf Tiefkursen herumkrebst, sagt der einstige Verfechter von grossen Goldpositionen: «Ich halte Gold, aber ich würde es jetzt nicht kaufen.»

Sieht er nach dem Crash in den chinesischen Aktien eine Chance? «Ich habe im Juli etwas gekauft, war seither aber nicht mehr aktiv.»

Etwas Leidenschaft für Agrarmärkte

Rogers scheint vom Pessimismus überkommen zu sein. Anleihenmärkte findet er unattraktiv, US-Bonds hat er leer verkauft. Ein paar russische Anleihen halte er, sagte Rogers, aber diese würden 2018 verfallen. «Das ist kurzfristig, also kein richtiges Bondinvestment.»

Etwas erwärmen kann er sich bei seinem Lieblingsthema Agrarmärkte. Es sei unheimlich, wie tief einige der Agrarpreise gefallen seien. «Die Industrie war über lange Zeit hinweg ein Alptraum. Das muss sich irgendwann ändern.» Rogers sagt aber nicht, dass er nun Agrarrohstoffe kauft.

Er sagt, er «würde» sie kaufen, wenn er der Anleger sei, nach dem der Interviewer gefragt hat.

Kasachstan: Ein bisschen interessant

Das letzte Schwellenland, welche Rogers besuchte, war Kasachstan. Er zeigt sich im Interview sehr angetan von den Veränderungen, welche das Land derzeit durchlaufe. Dies sei insbesondere im Hinblick auf seinen Rohstoff- und Ölreichtum und die derzeitigen Preisniveaus interessant.

«Aber ich habe nichts gekauft», dämpft Rogers sogleich wieder ab. Er suche sich zwar einen Broker, was aber nicht bedeute, dass er aktiv werden wolle. «Aber wenigstens bin ich etwas interessiert.»

Dollar – der sichere Hafen

Das einzige Investment, das Rogers uneingeschränkt empfehlen kann, ist eines der langweiligsten überhaupt: Der Dollar. Diese Anlage spiegelt seine gesamte Haltung wieder: Pessimismus.

Denn Rogers erwartet grosse Marktturbulenzen, einen Bärenmarkt, der auf Grund des sehr hohen Schuldenniveaus der Staaten schlimmer sein werde als die bisherigen. Der Dollar werde dann zum sicheren Hafen.

Der letzte Anstieg

Was passieren wird? «Die Aktienmärkte werden nochmals zulegen, weil die Zentralbanken weiterhin im Panikmodus sind. Ich habe den Verdacht, es wird der letzte Anstieg sein», so die Prognose des Investmentgurus, der zum Crash-Propheten ohne Überzeugung geworden ist.

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