Wie reich sind Superreiche wirklich?

Jährlich erwecken Ranglisten über Superreiche grosse Aufmerksamkeit. Doch wer tatsächlich der Reichste unter den Reichen ist, wird dabei gar nicht klar.

Wer besitzt das grösste Vermögen auf der ganzen Welt? Um diese Frage zu beantworten, gibt es zahlreiche Reichen-Listen. Bekannte Rankings sind:

Wenn der interessierte Leser jedoch einen genauen Blick auf diese Listen wirft, werden ihm zwei Dinge ins Auge springen: Erstens sind die jeweiligen Top 10 alles andere als deckungsgleich und zweitens gibt es zum Teil beträchtliche Unterschiede bei den geschätzten Vermögen.

Beispiel Ingvar Kamprad

Nehmen wir Ikea-Möbelhaus-Gründer Ingvar Kamprad. Auf dem «Bloomberg-Index» landete Kamprad auf Platz 5. Er kommt dort auf ein Vermögen von 50 Milliarden Dollar. Die «Bilanz» schätzte das Familienvermögen zwischen 45,5 und 46,5 Milliarden Dollar. Dort führt er seit einigen Jahren stets die Reichenliste an.

Wenn wir aber die «Forbes-Reichenliste» betrachten, dann erscheint der 87-Jährige nicht einmal unter den Top 10. Im Gegenteil: Er ist weit hinten auf Platz 412 anzutreffen. Kamprad hat den Berechnungen von «Forbes» zufolge nur ein Vermögen von 3,3 Milliarden Dollar.

Was könnte der Grund dafür sein? Offenbar rechnen die Experten von «Forbes» in der Berechnung das Geld, das Kamprad vor einem Jahrzehnt in eine liechtensteinische Familienstiftung einzahlte, nicht mit ein, erfährt man aus Kreisen der Schätzmeister.

Komplexe Berechnungsmethoden 

Geht es um die Vermögenszuwächse der Superreichen, dann gibt es auch dort zum Teil erhebliche Differenzen. Klar ist: Sie werden Jahr für Jahr immer reicher. Aber wie viel reicher? So berechnete die «Bilanz» im Jahr 2013 für die gesamte Ikea-Famillie Kamprad 3,3 Milliarden Dollar, und «Bloomberg» kam auf rund 10 Milliarden Dollar mehr. Wer hat jetzt recht?

Eine genaue Bestimmung,  wie dies der Comic-Milliardär Dagobert Duck aus Entenhausen fertig bringt, ist praktisch unmöglich. Es sei keine leichte Aufgabe, schreibt «Forbes» zur Methode. Reporter müssten hartnäckig recherchieren und weit reisen. Die Hauptaufgabe dabei: Alle Vermögenswerte und Schulden, inklusive Immobilien, Yachten, Kunst oder andere Gegenstände, bewerten und addieren.  

Kooperative Maja Oeri und der beleidigte Prinz

Die Berechnung der jeweiligen Vermögenswerte dürfte den Schätzern zufolge aber noch viel mehr abverlangen. Nebst den schwankenden Bewertungen an den Märkten müssten die Autoren auch die Vermögenswerte von Mehr-Generationen-Familien auf Individuen aufteilen. Einerseits geschehe dies mit Hilfe von Experten, andererseits mit Unterstützung der Milliardäre selber.

«Einige kooperieren, andere nicht», erfährt man auf der Website von «Forbes» weiter. Zum Beispiel legt Kunstmäzenin und Roche-Erbin Maja Oeri ihr Vermögen von 1,8 Milliarden Dollar offen. Ihre Verwandten, die offenbar über eine Stiftung rund 16 Milliarden Dollar Vermögen besitzen, gaben hingegen keine genauen Informationen bekannt.

Berücksichtigt man diese Faktoren, dann wird klar, dass intuitiv über den Daumen gepeilt werden muss. Doch aufgepasst: Es kann auch zu skurrilen Situationen kommen. Der saudische Investor al-Walid bin Talal war dieses Jahr besonders pikiert, weil ihn «Forbes» auf der Reichen-Liste mit 20 Milliarden Dollar nur auf Rang 26 gesetzt hatte. (mehr) Der reiche Araber sah sich viel weiter oben und warf den Urhebern der Liste vor, bei der Erstellung «fehlerhafte» Bewertungskriterien für die Beurteilung angesetzt zu haben.

Bill Gates oder Carlos Slim?

Auch innerhalb der reichsten drei Menschen der Welt sind sich «Bloomberg» und «Forbes» uneinig: Im «Bloomberg-Index» ist Bill Gates der reichste Mensch der Welt, gefolgt von Carlos Slim und Amancio Ortega. Bei «Forbes» ist die Reihenfolge in diesem Jahr: Slim, Gates, Ortega.

Die Top Ten bei «Bloomberg» (in Dollar abgerufen am 18.12.2013)

  1. Bill Gates: 76,1 Milliarden  
  2. Carlos Slim: 70,6 Milliarden  
  3. Amancio Ortega: 62,4 Milliarden  
  4. Warren Buffett: 58,2 Milliarden  
  5. Ingvar Kamprad: 50 Milliarden  
  6. Charles Koch: 49,1 Milliarden 
  7. David Koch: 49,1 Milliarden  
  8. Larry Ellison: 38,6 Milliarden 
  9. Christy Walton: 38,3 Milliarden  
  10. Jim Walton: 36,6 Milliarden 

Die Top Ten bei «Forbes» (in Dollar Stand: Ende März 2013) 

  1. Carlos Slim: 73 Milliarden
  2. Bill Gates: 67 Milliarden
  3. Amancio Ortega: 57 Milliarden
  4. Warren Buffet: 53,5 Milliarden
  5. Larry Ellison: 43 Milliarden 
  6. Charles Koch: 34 Milliarden
  7. David Koch: 34 Milliarden
  8. Li Ka-shing: 31 Milliarden 
  9. Liliane Bettencourt & Familie: 30 Milliarden  
  10. Bernard Arnault & Familie: 29 Milliarden  

C&A-Famillie glänzt durch Abwesenheit

Ein ähnliches Bild wie bei Kamprad zeigt sich auch bei Hansjörg Wyss. Gemäss «Bilanz» soll der ehemalige Präsident des Medizinalherstellers Synthes ein Vermögen zwischen 12,3 und 13,5 Milliarden Dollar besitzen. Der geschätzte Betrag bei «Bloomberg»: relativ ähnlich mit 12,8 Milliarden Dollar. «Forbes» schätzte ihn jedoch um fast vier Milliarden ärmer und berechnet sein Vermögen auf 8,7 Milliarden Dollar.

Ebenso geht es Ernesto Bertarelli. «Bilanz»: 12,35 bis 13,5 Milliarden Dollar; «Bloomberg»: 15,3 Milliarden Dollar; «Forbes»: 11 Milliarden Dollar.

Auch sind gewisse Vertreter der Top 10 der «Bilanz-Reichen-Liste» in den Rankings der US-Konkurrenten nicht zu finden – obwohl sie mit ihrem Vermögen durchaus mithalten könnten. So etwa die Familie Brenninkmeijer. Die im Textilhandel tätige Familie kommt laut «Bilanz» auf ein Vermögen zwischen 15,7 und 16,8 Milliarden Dollar. Auf den Listen von «Forbes» und «Bloomberg» sucht man sie vergebens. 

Weitere Abweichungen aus Schweizer Sicht: (in Dollar)

  • Viktor Vekselberg: «Bilanz»: 13,5 – 14,5 Milliarden; «Bloomberg»: 14,6 Milliarden; «Forbes»: 15,1 Milliarden
  • Gennadi Timtschenko (Gennady Timchenko): «Bilanz»: 10 – 11,2 Milliarden; «Bloomberg»: 10,7 Milliarden; «Forbes»: 14,1 Milliarden
  • Klaus-Michael Kühne: «Bilanz»: 7,8 – 8,9 Milliarden; «Bloomberg»: 10,4 Milliarden; «Forbes»: 9 Milliarden
  • Jorge Paulo Lemann: «Bilanz»: 22,4 – 23,5 Milliarden; «Bloomberg»: 21,8 Milliarden; «Forbes»: 17,8 Milliarden

 

 

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