Lohntransparenz: Wer will sie wirklich?

(Bild: Shutterstock)

(Bild: Shutterstock)

Noch mehr als das Bankgeheimnis ist hierzulande das Lohngeheimnis sakrosankt. Dabei böte ein unverstellter Blick in die Lohntüte des Kollegen einige Vorteile. Doch es gibt auch valable Gegenargumente.

Jeder kann heutzutage im Geschäftsbericht nachschauen, was UBS-CEO Sergio Ermotti oder Credit-Suisse-Konzernchef Tidjane Thiam verdienen. Doch bei unteren Chargen herrscht in der Schweiz immer noch Verschwiegenheit.

Zwar klagen viele Arbeitnehmer oft über den eigenen Lohn. Aber dass man die Lohnausweise offenlegt, ist hierzulande immer noch kaum denkbar. Dabei könnte ein offener Umgang mit Gehältern durchaus auch Vorteile mit sich bringen.

Für Lohntransparenz spricht... 

  • «Tieflohn-Bezüger» sehen das Wachstumspotenzial, wenn sie die Karriereleiter emporsteigen würden. Dies wirkt in der Regel motivierend; davon profitiert auch die Firma.
  • Eine US-Studie zeigt: Der Tanz ums Lohntabu hemmt die Produktivität im Unternehmen, weil Menschen dazu tendieren, die Gehälter der anderen zu überschätzen und sich deswegen schlecht zu fühlen.
  • Lohntransparenz kann befreien. Denn Zufriedenheit hängt nicht explizit von der Lohnhöhe ab, aber vom Gefühl der fairen Verteilung. Deshalb ist für die eigene Zufriedenheit vor allem der Vergleich mit Gleichgestellten entscheidend, wie der Forscher David Card von der Universität Berkeley herausgefunden hat.
  • Hinzu kommt: Der Blick in die Lohntüte der anderen macht es Arbeitgebern schwerer, Kollegen bei Lohnverhandlungen zu diskriminieren.

Gegen Lohntransparenz spricht...

  • «Bei optimaler Transparenz ist jeder unzufrieden, weil er die Vorteile der anderen sieht, die ihm verweigert werden. Das ändert sich erst dann wieder, wenn jeder ein Eckzimmer hat, jeder ein bisschen mehr Geld verdient und jeder einmal die Woche zum Sport darf», sagt Christian Scholz, Professor an der Universität des Saarlandes.
  • Gehälter sind nicht eins zu eins miteinander vergleichbar. Was am Ende auf dem Lohnzettel steht, hängt von der Unternehmensgrösse ab, von der Region, in der man arbeitet, und von der Branche beziehungsweise dem Bereich innerhalb einer Firma. Hinzu kommt: Viele Kader erhalten Lohnbestandteile in Form von langfristigen Beteiligungsprogrammen.
  • Gegner fürchten auch Unruhe und Neid unter den Mitarbeitern. Denn es gibt wohl kaum Mitarbeiter, die zugeben, weniger zufrieden als der Arbeitskollege zu sein, weil er schlechtere Arbeit abliefert.

Hierzulande sind kaum Firmen bekannt, welche die Gehälter aller Mitarbeiter offen legen. Zu den wenigen Ausnahmen zählt die in Olten ansässige Alternative Bank Schweiz (ABS). Zur Gewährleistung der Transparenz wird die Lohnliste intern jährlich publiziert.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Wie sich Angstkultur ausbreitet

Mehrere Tausend Stellen im Schweizer Bankgewerbe sollen verschwinden. Besonders betroffen davon ist das mittlere Kader.

Selection

Warum ein CFA mehr bringt als ein MBA

Warum ein CFA mehr bringt als ein MBA

Ehrgeizige Banker haben die Qual der Wahl bei der Weiterbildung.

Selection