Reto Jauch: «Diese Bankstellen kommen nicht mehr zurück»

Es vergeht derzeit kaum ein Monat, ohne dass eine Bank einen Stellenabbau ankündigt, Restrukturierungen bekannt werden oder entsprechende Pläne durchsickern. Doch wie ernst ist die Lage tatsächlich?

Für Reto Jauch ist klar: Was sich derzeit auf dem Schweizer Banken-Arbeitsmarkt abspielt, ist mehr als eine konjunkturelle Delle. «Das ist schon nicht nur ein kleines Rauschen», sagt der Headhunter im Gespräch mit finews. Die Abnahme der Stellen sei Ausdruck eines Strukturwandels. 

 

Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Integration der Credit Suisse in die UBS. Der grösste Teil der weggefallenen Stellen sei darauf zurückzuführen, sagt Jauch. Und er macht eine Aussage, die für viele Betroffene wenig Hoffnung auf eine schnelle Gegenbewegung lässt: «Diese Stellen kommen nicht mehr wieder.»

KI ist (noch) nicht der Hauptgrund

Gleichzeitig warnt Jauch davor, den gegenwärtigen Stellenabbau vorschnell der künstlichen Intelligenz zuzuschreiben.

Die wesentlichen Treiber des Kostendrucks seien derzeit Margenerosion, regulatorische Kosten und der strukturelle Wandel. KI ermögliche zwar eine stärkere Automatisierung, sei momentan aber «nicht der eigentliche Treiber von Arbeitsplatzverlust».

Noch deutlicher wird Jauch bei der Frage, ob KI mitunter als Begründung für ohnehin geplante Sparmassnahmen dient.

«Ich glaube, dass das KI-Argument in Teilen benutzt wird, Abbauzahlen zu kommunizieren.»

Kurzfristig lasse sich das, was derzeit passiere, noch nicht mit KI erklären. Jauch hält es deshalb auch aus Sicht der Verwaltungsräte für problematisch, unterschiedliche Ursachen von Kostensenkungsprogrammen miteinander zu vermischen. 

Die eigentliche KI-bedingte Veränderung des Arbeitsmarktes steht laut Jauch erst noch bevor.

Zwei Arbeitsmärkte entstehen

Schon heute beobachtet Jauch eine bemerkenswerte Spaltung.

«Wir haben fast quasi zwei Arbeitsmärkte», sagt er. Auf der einen Seite stehen Mitarbeitende, die Schwierigkeiten haben, eine neue Position zu finden. Besonders betroffen sind standardisierte Tätigkeiten, die sich zunehmend automatisieren lassen.

Auf der anderen Seite suchen Banken weiterhin intensiv nach Spezialisten. Besonders gefragt seien Kompetenzen in Risk, Compliance und KI. «Diese Profile werden gesucht», sagt Jauch. 

Damit entsteht auf dem Finanzplatz eine paradoxe Situation: Banken bauen Personal ab und haben gleichzeitig Mühe, bestimmte Fachkräfte zu finden.

KI-Kompetenz wird zur Voraussetzung

Für Banker ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Sie müssen ihre Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickeln.

Das gilt insbesondere für künstliche Intelligenz. «Man muss sich mit KI auseinandersetzen», sagt Jauch. Entscheidend sei, KI nicht nur spielerisch auszuprobieren, sondern zu verstehen, wie sich damit konkrete Effizienzgewinne erzielen lassen. Das werde zu einer «klaren Voraussetzung nach vorne». 

Jauch zieht dabei einen bemerkenswerten Vergleich mit einem früheren Technologiesprung im Büroalltag: Auch der E-Mail habe sich letztlich niemand verweigern können. 

«Workforce Planning ist ein VR-Thema»

Jauch nimmt allerdings nicht nur die Mitarbeiter in die Pflicht. Auch Banken und ihre Verwaltungsräte müssten wesentlich vorausschauender handeln.

Insbesondere Workforce Planning müsse stärker zur strategischen Aufgabe werden. Banken müssten frühzeitig erkennen, welche Kompetenzen sie in einigen Jahren benötigen, und ihre bestehenden Mitarbeiter entsprechend entwickeln.

Arbeitnehmer verlieren Verhandlungsmacht

Der Strukturwandel verändert noch etwas: das Kräfteverhältnis zwischen Banken und ihren Mitarbeitern.

Nach Jahren, in denen begehrte Banker und Spezialisten bei Stellenwechseln teilweise hohe Forderungen stellen konnten, sieht Jauch eine Verschiebung zugunsten der Arbeitgeber.

«Wir sind in einem Nachfragemarkt», sagt er. Unternehmen könnten heute einfacher auswählen und verfügten damit über mehr Verhandlungsmacht. Gerade im Bankensektor sei es bereits einige Jahre her, seit eine solche Situation zuletzt bestanden habe. 

Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Vergütung.

Jauch beobachtet einen Druck auf die Löhne.

Im neuen finews-Podcast spricht Reto Jauch darüber, welche Bankjobs verschwinden, weshalb KI beim aktuellen Stellenabbau noch nicht der entscheidende Faktor ist, welche Profile Banken händeringend suchen und was Führungskräfte jetzt tun müssen, um auf dem Arbeitsmarkt gefragt zu bleiben.

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