Neue Premiummarke will von Paris aus Europa erobern

Wer dieser Tage durch die Hallen an der Porte de Versailles geht, könnte meinen, er sei in Schanghai gelandet. Am Mondial de l'Auto in Paris belegen BYD und Denza, Li Auto, Geely samt Volvo, Aito, Chery, Leapmotor und Maxus raumgreifende Stände.

Rund 20 chinesische Marken sind vertreten, vor zwei Jahren waren es neun.

Manch ein traditioneller Europäer wirkt dazwischen fast etwas verloren. Der eine oder andere ist gar nicht erst angereist: BMW und Mini zogen ihre Zusage im Sommer zurück, Porsche und Ferrari verzichten auf einen eigenen Stand.

Untermieter bei der Hauptaktionärin

Eine Marke, die in Westeuropa noch nicht verkauft wird, fiel finews besonders auf: Avatr hat sich am Stand ihrer Grossaktionärin Changan eingemietet. Am Vorabend der Messe kündigte Justin Li, Head of Overseas Business bei Avatr Technology, in Paris den Europastart an.

Er erfolgt 2027 zuerst in Norwegen und Spanien. Auch in der Schweiz ist der Start für Frühling 2027 geplant. Eine eigene Website für Interessenten ist bereits aufgeschaltet, ebenso ein dedizierter Instagram-Account. Preise, Importeur und Händlernetz sind noch nicht bekannt.

In den nächsten drei Jahren sollen sechs Modelle nach Europa kommen, möglicherweise auch als Hybrid. 

Drei Väter, ein Staatskonzern

Avatr entstand 2018 als Gemeinschaftsunternehmen der beiden Autohersteller Changan und Nio; Nio stieg später aus. Heute hält Changan, der staatliche Autokonzern aus Chongqing, knapp 41 Prozent, der Batterieriese CATL weitere 9 Prozent.

Huawei ist nicht beteiligt, liefert aber Fahrassistenz und Cockpit-Software. Umgekehrt besitzt Avatr 10 Prozent an Huaweis Autosparte Yinwang.

Fast 1'000 PS

In Europa werden zunächst die Modelle 06T und 07L in batterieelektrischer Ausführung verfügbar sein.

AVATR 07L 2
Cockpit des Avatr 07L. (Bild: Avatr)

Der 06T ist ein Shooting Brake von 4,94 Metern Länge, der 07L ein fünfsitziger SUV von 4,91 Metern. Beide leisten gemäss Datenblatt am Stand maximal 712 kW, rund 970 PS. Die Reichweite wird mit 741 respektive 725 Kilometern angegeben, allerdings nach dem chinesischen CLTC-Zyklus, der grosszügiger rechnet als die europäische WLTP-Norm.

Die Batterien stammen von CATL und sollen 5C-Schnellladung erlauben. Auf den Datenblättern stehen zudem Huaweis Lidar, das Fahrassistenzsystem ADS 5 und das Cockpit-System HarmonySpace 5. 

Zwischen Zeekr und Denza

«Prima vista» hochwertig ist die Verarbeitung. Materialien (fast durchgehend Echtleder im Passagierraum) und Haptik bewegen sich auf einem Niveau zwischen Zeekr, der Premiummarke von Geely, und Denza, dem Luxusableger von BYD.

Denza ist seit Ende August in der Schweiz und verlangt für den Gran Turismo Z9GT mindestens 101'000 Franken (finews berichtete). Der SUV von Zeekr, genannt 7X, ist in der Schweiz ab rund 54'000 Franken erhältlich. Avatr selbst nennt noch keine Schweizer Preise; sie dürften aber irgendwo zwischen Zeekr und Denza angesiedelt sein.

Urban 4 Still
Der Avatr 06T. (Bild: Avatr)

«Von Anfang an global»

An Selbstbewusstsein fehlt es nicht. «Avatr ist von Anfang an eine globale Marke», heisst es in der Mitteilung zum Europastart.

Nach eigenen Angaben ist Avatr in 70 Ländern präsent, bis 2030 sollen es 110 sein. Der Auslandsanteil am Absatz soll dann über 50 Prozent liegen.

Entworfen werden die Autos auch im Designzentrum in München, das Chefdesigner Nader Faghihzadeh verantwortet, der im Jahr 2019 nach 17 Jahren bei BMW zu Avatr wechselte. Ebenfalls in München tätig ist als Senior Manager der frühere Opel-Mann Peter Seitz.