Frankreich wird zum Kreditrisiko, der Franken zum Fiebermesser
Fünfjährige Credit Default Swaps (CDS) auf französische Staatsanleihen notierten am Dienstag bei 86,8 Basispunkten. Ende August waren es noch 32,8 Basispunkte, zu Jahresbeginn 29,7. Das zeigen Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg.
Wer sich gegen einen Ausfall des französischen Staates im Umfang von 10 Millionen Dollar absichern will, zahlt damit rund 87'000 Dollar pro Jahr. Im Sommer waren es weniger als 33'000 Dollar.

Fünfjährige Staats-CDS in Basispunkten seit Jahresbeginn 2026 (Grafik: finews; Daten: Bloomberg)
Höher als im Corona-Schock
Das ist mehr als im März 2020, als die Pandemie die Märkte erschütterte. Damals erreichten die französischen CDS in der Spitze 51,3 Basispunkte.
Zu Jahresbeginn lag Frankreich noch gleichauf mit Italien und unter Griechenland. Nun kostet die Absicherung gegen einen Ausfall Frankreichs rund 20 Basispunkte mehr als jene für Italien (66,9) und fast doppelt so viel wie für Griechenland (47,7).
Ansteckung bis nach Berlin
Die Unruhe greift auf andere Euroländer über. Spaniens CDS haben sich seit Ende August auf 31 Basispunkte verdoppelt. Ministerpräsident Pedro Sánchez hat Anfang Oktober Neuwahlen auf den 29. November angesetzt.
Selbst Deutschland bleibt nicht ganz verschont. Die Absicherung des Bundes verteuerte sich von 7 auf 12,1 Basispunkte.

Stand der Staats-CDS am 20. Oktober 2026 und Veränderung seit Ende August (Grafik: finews; Daten: Bloomberg)
Die Schweiz als Ruhepol
Ganz anders die Schweiz: Die Absicherung der Eidgenossenschaft kostet 8,6 Basispunkte und damit weniger als jene Deutschlands. Sie liegt damit etwa auf dem Niveau vom Jahresbeginn.
Allerdings ist der Markt für Schweizer Staats-CDS dünn. Die Kurse sind deshalb eher indikativ zu verstehen.
Der Franken als Fiebermesser
Deutlicher zeigt sich die Schweizer Seite der Krise am Devisenmarkt. Für Karsten Junius, Chefökonom von J. Safra Sarasin, ist der Wechselkurs zwischen Euro und Franken der sauberste Ausdruck des Staatsrisikos im Euroraum. Der Druck auf den Euro dürfte anhalten, bis eine glaubwürdige fiskalische Lösung in Sicht sei.
Die Union Bancaire Privée (UBP) erwartet für Ende Jahr einen Kurs von 0.94 Franken pro Euro und für Mitte 2027 einen von 0,92. Langfristig halten ihre Modelle Niveaus knapp unter 0.90 für möglich. Mit einem Eingreifen der Europäischen Zentralbank rechnet die Genfer Privatbank vorerst nicht. Lombard Odier geht dagegen von einem stabilen Kurs aus.
Haushalt im Leerlauf
Auslöser der Krise ist die französische Haushaltspolitik. Die Minderheitsregierung von Premierminister Sébastien Lecornu will das Defizit 2027 von 5,4 auf 5 Prozent der Wirtschaftsleistung senken. Die Staatsverschuldung liegt bei 119 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Anfang Oktober stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf fast 5 Prozent, den höchsten Stand seit 2002 (finews berichtete).
Nach einer kurzen Beruhigung zogen die CDS diese Woche wieder an. Am Wochenende waren Proteste in mehreren Städten in Krawalle umgeschlagen. In der Nacht auf Dienstag unterbrach die Nationalversammlung die Beratung des Budgets. Laut David Amiel, Minister für die öffentlichen Finanzen, haben die Abgeordneten den Entwurf mit ihren Änderungen um rund 10 Milliarden Euro verschlechtert. Die Debatte soll am 27. Oktober weitergehen.
«Too big to save»
Scharfe Worte findet Mark Dowding, Anleihenchef von RBC BlueBay, der auf die Euroschuldenkrise vor 15 Jahren Bezug nimmt: «Damals haben wir uns Sorgen darüber gemacht, dass manche Peripherieländer des Euroraums ‹too big to fail› seien, heute könnte die Befürchtung aufkommen, dass ein Land wie Frankreich letztlich ‹too big to save› sein könnte.» Hedge Funds bauten ihre Positionen in französischen Anleihen ab.
Andere Häuser sehen die Sache gelassener. «Auch wenn Frankreichs fiskalische Probleme ungelöst bleiben, erwarten wir keine neue Eurokrise», sagt Johannes Müller, Leiter Research der DWS. Auch Lombard Odier sieht keine Voraussetzungen für eine Staatsschuldenkrise. Die Märkte preisten Unsicherheit ein, nicht den Ernstfall.
Tatsächlich liegen die CDS-Kosten noch weit (circa um den Faktor 3) unter den Maxima der Eurokrise.















