BYD-Schweiz-Chef: «Wir wollen auch hier in die Top drei»
BYD erobert den Schweizer Markt im Sturm: Bis Ende August verzeichnete das Unternehmen knapp 4'000 Neuzulassungen. Die Büros am Hauptsitz von BYD Schweiz in Zug sind grosszügig bemessen und auf weiteres Wachstum kalibriert. Im Erdgeschoss entsteht derzeit ein neuer Showroom.
Ferdinando D'Apice empfängt finews zu seinem ersten Interview, seit er Ende August die Leitung der Schweizer Ländergesellschaft übernommen hat, wenige Wochen nach dem Schweizer Marktstart der Premiummarke Denza im Zürcher «Dolder Grand» (finews berichtete).
Herr D'Apice, Sie sind seit rund einem Monat Country Manager von BYD Schweiz, zum Unternehmen gestossen sind Sie erst vor einem Jahr. Wie kam es zu diesem schnellen Karriereschritt?
Ich würde sagen, das ist kohärent mit der Geschwindigkeit der Firma. Als ich im September vor einem Jahr zu BYD kam, waren wir zu siebt in einem temporären Büro in der Zürcher City. Wir hatten vier Händler und weniger als 100 Fahrzeuge. Nach nicht einmal einem Jahr sind wir eine Marke in der Schweiz: Per 18. September liegen wir im Ranking auf Position sieben, mit 4,2 Prozent. Das ist nicht normal für ein Automobilunternehmen, das erst vor einem Jahr das Geschäft in der Schweiz ernsthaft angefangen hat.
Angefangen hatten Sie als Head Marketing.
Ja, aber ich habe auch Analysen zu Sales, zur Marke Denza, zum Flottengeschäft gemacht. Der Plan war schon, dass ich mehr Verantwortung bekomme – aber nicht so schnell. Ich fühle mich bereit, und ich spüre das Vertrauen der Firma.
Wie lautet Ihr Auftrag? Von 4,2 auf 8,4 Prozent Marktanteil?
Wir setzen uns keine Zahlen als Ziel. Aber klar ist: Wir wollen in jedem Markt in die Top drei. Das ist ein Statement, denn Top drei heisst in der Schweiz VW, Mercedes, BMW. In dieser Region wollen wir landen. Die Priorität ist aber, ein nachhaltiges Geschäft zu entwickeln. Wir wollen das Geschäft sauber halten, auch für unsere Händler. Wir wollen nicht 10 Prozent und dann null, sondern Schritt für Schritt organisch wachsen. Im Moment haben wir ein Pull-Business: Wir bekommen mehr Bestellungen, als wir liefern können.
«Top drei heisst in der Schweiz VW, Mercedes, BMW. In dieser Region wollen wir landen.»
Wo stehen Sie beim Aufbau des Händlernetzes?
Im ersten Jahr haben wir priorisiert, so schnell wie möglich Standorte zu eröffnen, um die Schweiz abzudecken. In der zweiten Phase entwickeln wir die 31 Händler weiter, die wir ausgewählt haben, und parallel bauen wir noch 15 bis 20 dazu. Ziel ist, so schnell wie möglich 55 zu erreichen.
Setzen Sie auf Mehrmarkenhändler oder auf exklusive Partner?
Wir suchen nicht die Händler. Es ist umgekehrt. Das war von Anfang an so, und darauf sind wir sehr stolz. Ausser Harmony, der nur BYD und Denza führt, sind die meisten Mehrmarkenhändler. Sie tauschen eine Marke gegen BYD aus oder ergänzen ihr Angebot. Es sind Premiummarken, die BYD anfragen, oder Mainstream-Marken, die noch eine Marke dazu anbieten wollen.

«Bis heute hat niemand etwas Ähnliches»: Flash Charging mit 1'500 Kilowatt. (Bild: BYD)
Was macht BYD für die Händler so attraktiv?
Wir kommen mit einer sehr grossen Firma im Rücken. Wir sind kein normaler Hersteller, sondern ein Batteriehersteller, der in die Automobilbranche eingestiegen ist. Wir haben in China eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit 120'000 Ingenieuren, die nur an BYD-Produkten arbeiten. Wir reichen 52 Patente pro Tag ein. Wir kommen mit einer breiten Modellpalette, mit Elektro- und Hybridfahrzeugen. Und wir kommen mit einer Margenstruktur, die für die Händler sehr attraktiv ist.
«Wir suchen nicht die Händler. Es ist umgekehrt.»
Stichwort Flash Charging: Wie wollen Sie es hier ausrollen?
Im Moment warten wir auf die Zertifizierung. Letztes Jahr hatten wir an der Auto Zürich schon Demos mit der alten Version. Damals waren wir bei 1'000 Kilowatt, jetzt sind wir bei 1'500 – mit zwei parallelen Ladepunkten. Wir haben eine Person angestellt, die nur für das Deployment in der Schweiz zuständig ist. Die ersten 20 Stationen bekommen wir bis Ende Jahr, nächstes Jahr ist das Ziel, 100 Ladestationen in der Schweiz zu installieren. Zuerst bei unseren Partnern, damit sie den Kunden direkt zeigen können, was diese Station kann. Dann wollen wir mit Ladestationsbetreibern zusammenarbeiten. Und am Ende wollen wir BYD-Flash-Charging-Stationen auf der grünen Wiese platzieren.
Funktioniert das auch im Winter?
Gerade im Winter werden die Leute positiv schockiert sein. Wir haben bei minus 30 Grad getestet: Um 97 Prozent zu erreichen, braucht es bei 20 Grad neun Minuten, bei minus 30 Grad zwölf Minuten. Nur drei Minuten mehr. Technologisch ist das eine Revolution. Niemand sonst ist dort.
«Gerade im Winter werden die Leute positiv schockiert sein.»
Auch bei BYD ist die Schweizer Nachfrage derzeit noch etwas hybridlastig. Wird das so bleiben?
Im Moment sind wir bei ungefähr 40 Prozent Elektro und 60 Prozent Hybrid, und ich denke, so wird es bleiben. Unsere Philosophie ist, den Kunden entscheiden zu lassen. Beides sind gute Lösungen.
Wie sieht die Strategie für die Premiummarke Denza aus?
Schon viele haben in diesem Segment versucht, die deutschen Hersteller anzugreifen. Für Denza gilt dasselbe wie für BYD: Wir kommen, um zu bleiben. Wir starten mit vier Modellen, nächstes Jahr kommen drei zusätzliche dazu. Und wir bringen die beste Technologie: Der Z9GT beschleunigt in 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und hat dank Vierradlenkung bei 5,2 Metern Länge einen Wenderadius von 5,2 Metern – wie ein Panda.

Luxuriöser Auftritt: Denza Z9GT und Premium Van Denza D9. (Bild: zVg)
Welche Verkaufszahlen halten Sie für Denza im nächsten Jahr für realistisch? 1'000 Fahrzeuge? 600?
Das kann ich im Moment nicht sagen. Wichtig ist, Denza in den Warenkorb der Premiumkunden zu bringen. Wenn ich ein Premiumauto kaufen will, muss ich auch Denza in meine Überlegungen einbeziehen. Das wäre schon ein Erfolg für uns. Wir haben einen guten Preis für ein super Produkt.
Die Mercedes S-Klasse ist in der Schweiz die dominante Chauffeur-Limousine, bis hin zu den AMG-Motorisierungen. Wie greift man dieses Monument an?
Unsere Hybride heissen DMP, Dual Mode Performance. Der Z9GT DMP hat mehr als 800 PS und beschleunigt in 3,6 Sekunden von 0 auf 100. Wir haben echte Performance, wir haben die Qualität und den Limousinen-Komfort. Ich lade die Kunden ein, zu uns zu kommen, ins Auto zu sitzen und zu geniessen. Man kann natürlich sagen: «Ich will diese Heritage-Marke, weil ich immer das gekauft habe.» Dann bezahlt man das 2,5-Fache eines Denza – für weniger Qualität, Performance und Technologie.
«Dann bezahlt man das 2,5-Fache eines Denza – für weniger Qualität, Performance und Technologie.»
Spielt der Preis in diesem Käufersegment wirklich eine Rolle?
Die Schweizer sind smart. Wenn ich die beste Technologie, die beste Performance und die beste Qualität für weniger Geld haben kann, ist das ein Thema. Aber ich bin bei Ihnen: Über 100'000 Franken ist der Preis nicht mehr so entscheidend. Und ich will auch nicht, dass er zum Hauptpunkt von Denza wird. Ich bin sicher, in zwei, drei Jahren werden wir eine andere Diskussion haben.
Treten Denza und BYD im Markt getrennt auf?
BYD ist Upper Mainstream, Denza ist Premium – zwei verschiedene Kundenziele, zwei verschiedene Segmente. Die ersten sechs Denza-Händler sind BYD-Händler, aber sie werden einen separaten Showroom für Denza haben.
Was planen Sie im Flottengeschäft?
Ehrlich gesagt sind wir da etwas verspätet. Hier haben wir viel Spielraum, es nächstes Jahr besser zu machen. Beim Direct Fleet arbeiten wir viel mit dem Europa-Headquarter über zentrale Verträge. Aber wir müssen lokal noch mehr arbeiten, und wir sind dran. Das wird einer der Hauptpunkte unserer Strategie für nächstes Jahr.

Der BYD Seal U, meistverkauftes Modell in der Schweiz. (Bild: BYD)
Und das Leasing?
Im Moment haben wir einen nicht exklusiven Vertrag mit einer Bank. Wir haben ein White-Labelling-Produkt, BYD All-Inclusive, das gut funktioniert. Für Denza wird dieses All-inclusive-Paket ein wichtiges Thema, denn auf diesem Premium-Niveau will man in der Schweiz das Auto pro Monat bezahlen und alles drin haben.
Der Schweizer Automarkt ist schwierig geworden. Viele Kunden fahren ihr altes Auto lieber weiter. Wohin entwickelt sich die Nachfrage – und wie kann BYD da erfolgreich bleiben?
Als ich in der Schweiz angefangen habe, wurden fast 300'000 Autos pro Jahr verkauft. Seit Covid sind wir auf einem Niveau von 230'000, 240'000 geblieben. BYD bringt Produkte, die dem Kunden eine Wahl lassen. Wer eher Petrolhead oder skeptisch gegenüber Elektrofahrzeugen ist, kann von unseren DM-Modellen profitieren. Wer Elektrofan ist, kann auch bei uns ein Auto kaufen. Wir wollen niemanden pushen. Wie es weitergeht, hängt von den Spielregeln ab: Wohin gehen Europa und die Schweiz mit Net Zero, mit dem Green Deal? Wie viel Spielraum werden die Autohersteller haben? Das wissen wir noch nicht.
Machen Ihnen die anderen chinesischen Marken Sorgen, die ihren Markteintritt in der Schweiz vorbereiten?
Wir haben als BYD in der Schweiz eine gute Basis aufgebaut, und jetzt haben wir auch das Word of Mouth. Das funktioniert in der Schweiz sehr gut, vielleicht mehr als in anderen Märkten. Andere Marken werden sicherlich kommen, und damit werden sie einen Teil des Schweizer Marktes erobern. Das ist nicht unser Feld. Wir fokussieren auf unsere Produkte. Unsere Strategie ist: als Technologieunternehmen in den Mindset der Schweizer kommen.
Sie sehen BYD in erster Linie als Technologieunternehmen?
Absolut. BYD baut 80 Prozent aller iPads. Jedes dritte Handy hat BYD-Technologie oder wird in unseren Fabriken gebaut. Wir machen Automotive, Electronics, Rail, auch Renewables. Niemand spricht darüber, aber unsere Blade-Batterie kann nicht brennen. Wir haben Durchstosstests gemacht: Es passiert einfach nichts. Und das Flash Charging ist für mich wirklich ein Statement, weil bis heute niemand etwas Ähnliches hat.
«Niemand spricht darüber, aber unsere Blade-Batterie kann nicht brennen.»
Welches Auto fahren Sie?
Einen Seal U DM-i. Perfekt für jeden Tag, gross genug für die Familie mit den Kindern. Zu Hause lade ich einmal pro Woche auf und fülle höchstens alle zwei Wochen den Tank.
Ferdinando D'Apice ist seit August 2026 Country Manager von BYD Schweiz. Zum Konzern stiess er im Herbst 2025 als Head of Marketing. Zuvor war der Automobilingenieur unter anderem für die frühere Fiat-Chrysler-Gruppe und für Pirelli tätig. Er hat am Politecnico di Torino abgeschlossen.















