Carsten K. Rath: «Dieses Hotel macht Baden-Baden jung»
Baden-Baden war schon vor 2000 Jahren ein Ort der Entspannung: Bereits die Römer nutzten die heissen Quellen der Stadt am Rande des Schwarzwaldes. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zum Treffpunkt des europäischen Adels und Grossbürgertums. Aber Baden-Baden ist alles andere als ein verstaubtes Freilichtmuseum: Die Stadt ist voller Leben und Überraschungen. Und eine der grössten ist für mich das Fünf-Sterne-Hotel «Roomers». Es liegt nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt; das weltberühmte Casino, das Festspielhaus, der Kurpark und mehrere Museen sind zu Fuss erreichbar.
Hier ist alles etwas anders
Als das Haus 2016 eröffnete, wirkte es eher wie ein Fremdkörper. Und auch ich merke sofort: Hier ist alles etwas anders. Auf den ersten Blick scheint das Hotel eher nach Berlin oder Frankfurt zu passen, wo «Roomers» auch tatsächlich vertreten ist. Die Fassade mit ihren grossflächigen Glasfronten wirkt auf mich wie ein bewusster Bruch mit der klassizistischen Architektur der Kurstadt: cool, modern und fast schon provokant selbstbewusst inmitten der historischen Nachbarschaft. Die Begrüssung an der Rezeption ist dann aber wieder klassische Schwarzwälder Herzlichkeit, wie ich sie liebe.

In der Lobby begrüssen mich Superman und Superwoman – und elektronische Hintergrundmusik. (© 2026 Noshe / Gekko Group)
Ein Hotel wie ein Museum moderner Kunst
Das Innere gestaltete der weltberühmte italienische Designers Piero Lissoni. Als ich auf mein Zimmer geführt werde, muss ich mehrere Pausen einlegen, um all die kleinen und grossen Kunstwerke auf mich wirken zu lassen. In der Lobby hängen unzählige Kuckucksuhren, in den Regalen stehen ausgewählte Bücher über den Schwarzwald, an den Wänden hängen neben Portraits auch grosse, moderne, teils sehr gewagte Installationen.
Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber ich bin begeistert. Im «Roomers» gibt es Galerien mit wechselnden Ausstellungen, dazu läuft elektronische Hintergrundmusik – ja, so jung und modern kann ein alter Kurort wie Baden-Baden sein. Auch der Gang, selbst in den besten Hotels ein oft vernachlässigtes Niemandsland, folgt hier einem stimmigen Gesamtkonzept: hohe Decken, natürliche Erdfarben, indirektes Licht – im «Roomers» ist alles durchdacht.
Schwarzwälder Kuckucksuhren und moderne Kunstinstallationen: Das «Roomers» spielt mit dem Gegensatz zwischen Tradition und Innovation. (© 2026 Noshe / Gekko Group)
Eines der «101 besten Hotels»
Das Hotel wird von der «Gekko Group» mit Sitz in Frankfurt betrieben und gehört zur «Marriott Autograph Collection», die Hotels mit einem ganz eigenen Charakter wertschätzt – und den hat das «Roomers». Auch im Ranking der «101 besten Hotels Deutschlands» ist es zurecht vertreten.
Mein grosses Lob gilt dem Hoteldirektor Dieter Ulbricht, den ich auf einen Drink in der Rooftop Bar treffe. Während wir plaudern, schweift mein Blick immer wieder zum Schwarzwald, den ich so sehr liebe. In einem Schwarzwälder Familienhotel habe ich einst meine Ausbildung zum Hotelfachmann absolviert. Mit einem Cocktail in der Hand lasse ich den grandiosen Blick auf mich wirken und schwelge in Erinnerungen, während im Pool einige Gäste noch eine späte Erfrischung suchen – er ist bis ein Uhr nachts geöffnet. Die Dachterrasse des «Roomers» ist für mich eine der besten und gemütlichsten ganz Deutschlands – zusammen mit der des «Louis Hotels» in München.

Die Rooftop-Bar des «Roomers»: viele gemütliche Sitzmöglichkeiten und ein grandioser Ausblick auf die umliegenden Hügel. (© 2026 Noshe / Gekko Group)
Baden-Baden ist weltbekannt für sein Casino aus der Belle Époque, in dem schon Dostojewski, seine Rubel verzockte. Und natürlich für seine Thermalquellen, denen eine heilsame Wirkung nachgesagt wird – vielleicht ein nötiger Ausgleich zum Nervenkitzel des Glücksspiels. Auch im Hotel selbst gibt es die Möglichkeit, zur Ruhe zu finden. Auf 500 Quadratmetern befinden sich fünf Behandlungsräume sowie ein Dampfbad, ein türkisches Hammam und eine Sauna mit Bergblick. Das Fitnessstudio ist gut ausgestattet, und zwar ausschliesslich mit den hochwertigen Geräten von «Technogym», die für mich die besten sind, die es gibt. Mehr Qualität ist in einem Stadthotel-Gym kaum möglich.

Sauna mit Ausblick: Das «Roomers» macht seiner Kurstadt-Location alle Ehre. (© 2026 Noshe / Gekko Group)
Asiatische Spitzenküche im Schwarzwald
Als ich abends im Hotel essen möchte, erwartet mich eine kleine Überraschung: Es gibt nur ein Restaurant – die Rooftop Bar mit ihren wenigen internationalen Klassikern mal ausgenommen. Das ist für ein Fünf-Sterne-Hotel erstaunlich. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass es auf asiatische Küche setzt.
Das Konzept des «Moriki» stammt vom bekannten deutschen Koch The Duc Ngo, der in Vietnam geboren wurde und in Berlin aufgewachsen ist. Die asiatische Küche, die ich hier vorfinde, gehört für mich zur besten westlich von Bangkok. Der Fokus liegt auf japanischem Sushi und Sashimi, aber auch vietnamesische und chinesische Akzente finden sich auf der Karte. Sogar den einen oder anderen Einfluss aus dem nahegelegenen Schwarzwald entdecke ich, zum Beispiel in der Schokotorte zum Nachtisch. Ich hätte kaum vermutet, im traditionsreichen Baden-Baden auf eine solch grandiose asiatische Küche zu stossen.

Kunst an den Wänden und Kochkunst in den Tellern: das Hotelrestaurant «Moriki». (© 2026 Noshe / Gekko Group)
Die besondere Qualität
Asiatische Küche, moderne Kunst, urbane Ästhetik: Das Hotel hat Baden-Baden jünger gemacht, ohne dabei die Identität der Stadt zu verleugnen. Der Kontrast funktioniert: Das «Roomers» zeigt mit seinem gewagten Konzept, wie eine traditionsreiche Kurstadt wie Baden-Baden den Schritt von der Vergangenheit Richtung Zukunft schafft.
Baden-Baden hat für mich ohnehin eine besondere Qualität: Man kann morgens durch die Lichtentaler Allee spazieren, mittags grosse Kunst sehen und abends zwischen Sushi und Casino wählen. Diese Mischung finde ich einmalig – kaum eine deutsche Stadt verbindet Grandezza und Gegenwart so selbstverständlich. Vielleicht komme ich auch deshalb immer wieder gerne zurück.
Als früherer Grandhotelier und Betreiber des Rankings «Die 101 besten Hotels» ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.












