Die wichtigste Rendite hier am Paradeplatz ist ein Lächeln
Manchmal braucht ein Hotel Jahrzehnte, um sich einen Platz an der Spitze eines Marktes zu erarbeiten. Und manchmal landet eines wie ein UFO mitten in der Stadt und verändert innerhalb kürzester Zeit die Hierarchie.
Genau das ist mit dem Mandarin Oriental Savoy Zurich passiert.

Eine Institution am Paradeplatz: Das traditionsreiche Savoy wurde 1838 eröffnet und Ende 2023 als Mandarin Oriental neu positioniert. (Bild: zVg)
Tradition ist kein Ruhekissen
Wobei UFO historisch natürlich hinkt. Das Savoy wurde 1838 als erstes Grandhotel Zürichs eröffnet. Mandarin Oriental hat sich also keinen beliebigen Neubau ausgesucht, sondern die Institution am Paradeplatz. Nach dem Umbau eröffnete das Haus Ende 2023 neu.
Ich war kurz danach erstmals hier. Heute, gut zwei Jahre später, interessiert mich vor allem: Hat das Versprechen gehalten?
Meine Antwort fällt eindeutig aus. Das Mandarin Oriental ist heute die absolute Spitze der Zürcher Innenstadthotellerie. Bei den «101 Besten Hotels Schweiz» wurde es 2026 zum «Luxury City Palais of the Year» gekürt.

Ulmenparkett, warme Grüntöne und ausgesuchte Kunst: Tristan Auers Interieur gibt der Paradeplatz Suite eine wohnliche Eleganz. (Bild: zVg)
Luxus beginnt vor der Lobby
Wie schafft ein Hotel das so schnell? Meine Antwort beginnt mit General Manager Dominik G. Reiner – und einer scheinbaren Kleinigkeit.
Ich fahre mit dem Auto vor. In anderen Grandhotels der Innenstadt folgt jetzt zuerst die Kontrollfrage: Haben Sie reserviert? Sind Sie Hotelgast?
Hier passiert das Gegenteil. Der Doorman ist sofort da, lächelt und heißt mich willkommen. Zuerst bin ich Gast. Danach wird geklärt, wohin ich möchte.
Das klingt banal. Ist es aber nicht. Luxus beginnt für mich mit der Haltung.
Im Haus setzt sich das fort. Am Eingang wartet bereits eine Mitarbeiterin. Sie zeigt nicht einfach in Richtung Lift. Sie begleitet mich. Der Concierge ist präsent. Niemand vermittelt mir auch nur eine Sekunde lang das Gefühl, Arbeit zu verursachen. An solchen Details entscheidet sich Spitzenhotellerie.

Viel Raum für höchste Ansprüche: Die Presidential Suite interpretiert klassische Grandhotel-Eleganz ausgesprochen zeitgemäss. (Bild: zVg)

Ein Logenplatz über Zürich: Von der Rooftop-Bar 1838 reicht der Blick über die Altstadt bis zu den umliegenden Höhen. (Bild: zVg)
Ein Logenplatz über dem Paradeplatz
Es geht hinauf in die Rooftop-Bar 1838. Bei Sushi und Sashimi genieße ich perfekt temperierten Champagner und den Blick über Zürich bis zu den Bergen. Der Name der Bar erinnert an das Gründungsjahr des Hotels; schon der historische Vorgänger besaß übrigens eine Dachterrasse.
Hier trifft Hotelwelt auf Finanzwelt. Direkt unter mir liegt der Paradeplatz, seit Generationen Machtzentrum des Schweizer Bankings. Dass UBS-CEO Sergio Ermotti bei der Eröffnung das Band durchschnitt, passt ins Bild. Inzwischen ist er sicher Stammgast des Hauses. Die Stammgäste lieben besonders das italienische Restaurant Orsini.
Überhaupt scheint die Grenze zwischen Hotel und Finanzplatz hier zu verschwimmen. Beim Lunch in der Savoy Brasserie sitzen Banker und Geschäftsleute an den Tischen, Gespräche werden weitergeführt, Kontakte gepflegt. Für mich ist das fast so etwas wie das Wohnzimmer des Paradeplatzes –mit herausragendem Service.

Die Savoy Brasserie gehört seit jeher zu den Treffpunkten am Paradeplatz – heute in elegantem, modernisiertem Ambiente. (Bild: zVg)
Viel Geld – richtig eingesetzt
Die UBS ist heute Eigentümerin der Immobilie, Mandarin Oriental betreibt das Hotel. In die Neupositionierung floss ein hoher zweistelliger Millionenbetrag. Das Ergebnis ist bemerkenswert konzentriert: nur 44 Zimmer und 36 Suiten, gestaltet vom Pariser Innenarchitekten Tristan Auer.
Die Oberhand behielt das Schweizer Architekturbüro Monoplan – Benchmarkführer in Sachen Architektur in der Grand Hotellerie. Hohe Preise stören mich grundsätzlich nicht. Problematisch werden Hotels erst dann, wenn sie teuer sind und gleichzeitig erklären müssen, weshalb.
Das Mandarin Oriental muss nichts erklären. Es liefert.

Marmor, klare Linien und viel Licht: Auch das grosszügige Bad der Presidential Suite folgt dem zurückhaltenden Luxus des Hauses. (Bild: zVg)
Geschichte verpflichtet
Vielleicht ist genau das Reiners größte Leistung: Sein Team behandelt die Geschichte dieses Hauses nicht wie ein Museumsstück. Tradition ist hier Verpflichtung, kein Ruhekissen.
Das Mandarin Oriental Savoy spielt für mich inzwischen in einer Liga mit herausragenden Schweizer Hotels wie dem Dolder Grand in Zürich, dem Beau-Rivage Palace in Lausanne oder dem Grand Hotel Les Trois Rois in Basel.
Dass ein Grandhotel von 1838 dort ankommt, überrascht mich nicht. Wie schnell es das geschafft hat, schon.

Mitten in der Stadt und trotzdem mit privatem Rückzugsort: Zum Deluxe Terrace Room gehört eine eigene Terrasse über Zürich. (Bild: zVg)
Als früherer Grandhotelier und Gründer des relevantesten Hotelrankings im deutschsprachigen Raum sowie dem ersten Hotelgütesiegel Fine Hotels ntv ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.











