Was machen die Clariden-Leu-Chefs heute?

Die Bank Clariden Leu ist definitiv in die Credit Suisse integriert. Doch was machen all die einstigen Führungsleute dieser Institution heute?

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Die Nachricht ging letzte Woche in der Flut an Meldungen aus der Bankbranche regelrecht unter. Doch weniger interessant ist sie deswegen nicht – vor allem für manche Berufstätige in der hiesigen Finanzszene. Es geht um folgendes:

Vergangene Woche wurde mit dem Eurekahedge ILS Advisers Index eine neue und offenbar erstmalige Benchmark für Insurance Linked Securities (ILS) präsentiert. Zu dieser in letzter Zeit rasch wachsenden Anlageklasse gehören Katastrophenanleihen (Cat Bonds) sowie private Rückversicherungstransaktionen.

Nach Hongkong ausgewandert

Soweit so gut. Erwähnenswert an dieser Sache ist aber, dass der Index von Stefan K. Kräuchi zusammen mit der Firma Eurekahedge in Singapur entwickelt wurde. Genau, wir erinnern uns: Kräuchi war vor einigen Jahren noch Mitglied der Geschäftsleitung bei Clariden Leu (Bild oben: ehemaliger Geschäftssitz in Zürich) und zuständig für die Division «Products & Services».

Im Zuge der letzten Personalrochaden unter Olivier Jaquet mutierte er zum Senior Berater – der Rest ist Geschichte, und Clariden Leu wurde im letzten Jahr in die Credit Suisse integriert.

Seither ist es interessant, zu beobachten, was aus den früheren Chefs geworden ist. Kräuchi hat es nach Hongkong verschlagen, wo er heute Partner von ILS Advisers ist. Dabei handelt es sich um ein Beratungsunternehmen für ILS-Anlagen.

Wie ist es den andern ergangen?

ILS Advisers ist eine Tochterfirma der HSZ Group, einem Vermögensverwalter in Asien, der wiederum vom Schweizer Hansrudolf Schmid gegründet wurde. Schmid ist in der hiesigen Branche auf Grund seiner langen Tätigkeit für die HSBC Guyerzeller und vorher für Martin Ebners BZ Bank bekannt.

Er hat massgeblich dazu beigetragen, dass Kräuchi sich in Hongkong erfolgreich etablieren und nun den ILS-Index lancieren konnte.

Doch wie ist es anderen Ex-Clariden-Leu-Chefs in der Zwischenzeit ergangen?

Der eingangs erwähnte Olivier Jaquet, der als letzter CEO der Bank inthronisiert wurde, arbeitet heute als externer Berater für die Julius-Bär-Gruppe, wo er die Strategie und die Organisationsstrukturen im Geschäft mit unabhängigen Vermögensverwaltern (External Asset Managers, EAMs) evaluiert.

Sein wichtigster Ansprechspartner ist dabei der Schweiz-CEO bei Julius Bär, Yves Robert-Charrue. Jaquet bleibt mit diesem Job am Puls der tief greifenden Umwälzungen in der hiesigen Finanzbranche; gut möglich, dass er dereinst in einer neuen, verantwortungsvollen Festanstellung wieder auftaucht.

Bis Ende 2012 im Stöckli

Das lässt sich über den Vorgänger Jaquets nicht sagen. Vollblutbanker Hans Nützi, der Ende 2007 die Leitung der Bank nach dem überraschenden Abgang von F. Bernard Stalder übernahm und bis im Frühjahr 2011 in dieser Funktion arbeitete, erhielt in der Folge noch ein Plätzchen sozusagen am Schärmen, und zwar als Senior Advisor der Credit Suisse (CS) mit Büro am Werdmühleplatz (im «Stöckli» der CS-Veteranen) in Zürich.

Doch schon in dieser Zeit war er häufiger auf dem Golfplatz als am Schreibtisch anzutreffen. Wie Nützi im kleinen Kreis auch verschiedentlich erklärte, gehört das Private Banking für ihn der Vergangenheit an. Falls er etwas Neues anfangen würde, wäre es ausserhalb der angestammten Pfade.

Wichtige Funktionen

Manchen leitenden Clariden-Leu-Managern gelang der Wechsel in neue Gefilde durchaus. Der frühere Stabschef (Chief Operating Officer, COO) von Clariden Leu, Roland Herrmann, ist heute als Finanzchef bei der Neuen Aargauer Bank (NAB) tätig und sitzt bei der CS-Tochter auch in der Geschäftsleitung.

Wie er unlängst an einer grossen Banken-Konferenz in Zürich-Opfikon, wo er als Referent auftrat, zum Ausdruck brachte, scheint ihm diese neue Rolle sehr zu behagen.

Vielversprechend dürfte auch der künftige Job von Roman Kurmann sein, der bei Clariden Leu als Finanzchef amtete und im Laufe des 1. Quartals 2013 diese Funktion bei der im Herbst 2012 an der Schweizer Börse kotierten EFG Financial Products übernimmt, wie auch finews.ch berichtete.

Junge vermögende Klientel

Bei einem aufstrebenden Finanzunternehmen ist auch Mike Baur gelandet, der zwischen März und August 2011 Mitglied der Geschäftsleitung von Clariden Leu war und das Schweizer Private Banking verantwortete.

Seit Oktober 2012 leitet er das Private Banking bei der in Zürich und Basel vertretenen Sallfort Privatbank, die sich mit dem Fokus auf eine junge, vermögende Klientel profilieren will und neben Baur zu diesem Zweck auch den illustren Jung-Unternehmer und Investor Patrick Liotard-Vogt in den Verwaltungsrat geholt hat, wie auch finews.ch berichtete.

Zurück zum Mutterhaus

Den Schritt zurück zum Mutterhaus Credit Suisse machten ebenfalls einige frühere Clariden-Leu-Chefs: Asien-Chef Erich Pfister leitet heute das so genannte UK- und International-Geschäft (nordische Länder, Holland) in London, das sowohl On- als auch Offshore-Kunden umfasst. Marcel Schmocker, zuletzt Legal und Compliance-Chef bei Clariden Leu, ist heute Head Advisory & Control Group Private Banking Switzerland. Er rapportiert dabei an Ursula Lang.

Zur CS wechselte auch Daniela Lohner, die spät zur Clariden Leu kam und dort die Leitung der Division «Market & Wealth Management» übernahm. Diese Sparte hätte die Scharnier- und Steuerungsstelle zwischen Markt und Investmentprodukten bedeutet. Doch daraus wurde nichts.

Heute ist Lohner Leiterin des Client Management im Bereich im Bereich Investment Services & Products (ISP), der gemäss Angaben der Credit Suisse ein Bindeglied ist zwischen Kunden und Private-Banking-Welt. Dabei rapportiert sie an Nicole Pauli.

Ebenfalls zurück bei der CS ist Holger Demuth, einst Chief Risk Officer bei Clariden Leu. Er arbeitet heute im Stab von Paul Arni (zuvor von Rolf Bögli geleitet) und verantwortet dabei einen grösseren Bereich im Private Banking Schweiz.

Weg in die Selbständigkeit

Selbständig machte sich Adrian Nösberger mit der Firma Vertix GmbH, während Adrian Leuenberger bei der Firma CLH Capital Partners Verwaltungsratsmitglied ist. Stephan Peterhans, der eine kurze Zeit Personalchef sowie zuständig für Marketing und Kommunikation war, arbeitet heute als Head Human Resources für die Marktregion Continental Europe & Middle East bei der HSBC Private Bank in der Schweiz.

Der Vorgänger von Peterhans, Jan B. Keller, verantwortet heute die Personalabteilung im Private Banking der Basler Bank Sarasin. Nicht mehr bei der Credit Suisse tätig ist Urs Emmenegger, der relativ spät noch zur Clariden Leu geholt worden war und kurz nur die neue Divison «Switzerland & Europe» geleitet hatte, wie auch finews.ch berichtete.

Auffangbecken Banque Héritage

Wenn man noch weiter zurück geht in der Geschichte von Clariden Leu, stösst man auf Beat Wittmann, der seine eigene Vermögensverwaltungsfirma Dynapartners in Zollikon bei Zürich gründete und diverse ehemalige Clariden-Leu-Leute engagierte.

Oder Asien-Chef Marco Nauli, der zur Genfer Banque Héritage wechselte, genauso wie Roland Knecht, der Mitglied der Geschäftsleitung und Global Head of Private Banking ist sowie das Zürcher Büro des Instituts leitet, und F. Bernard Stalder, der als Verwaltungsratspräsident der Bank amtet. Auch der frühere Risk-Chef bei Clariden Leu, Jean-Pierre Colombara arbeitet heute bei der Banque Héritage.

Last but not least leitet Rémy De Bruyin einen der beiden Frontbereiche im Private Banking der LGT Bank (Schweiz).
 Er stiess bereits in Jahr 2008 zur liechtensteinischen Fürstenbank.


  • An zahllosen Orten tauchen die Ehemaligen der Traditionsbank in neuen Jobs wieder auf. Hier kriegen Sie den Überblick über das Clariden-Leu-Netzwerk: Wer, wo, als was? Lesen Sie dazu auch: «Die starke Ausstrahlung von Clariden Leu»

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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