Fall ASE: Wusste man in Basel deutlich mehr?

Der frühere Zürich-Chef der Basler Kantonalbank zieht den heutigen CEO Guy Lachappelle stärker in den ASE-Skandal hinein. Die BKB widerspricht dezidiert.

Die Finanzmarktaufsicht Finma eröffnete im Fall der Fricktaler Firma ASE auch ein Verfahren gegen Hans Ringger. Dieser war 2012 von der Basler Kantonalbank pensioniert worden, nachdem er zuvor die Zürcher Private-Banking-Niederlassung geleitet hatte, welche wiederum den Vermögensverwalter ASE betreute. 

Die Finma befragte den ehemaligen Spitzenbanker im Frühsommer 2013 ausgiebig zum Anlageskandal. Der Basler «TagesWoche» liegt nun das Einvernahmeprotokoll vom 11. Juni 2013 vor. 

Jährliche Meetings mit allen Chefs

Bei der Anlagefirma ASE verloren bekanntlich über 500 Personen ihr Geld, die Schadenssumme dürfte einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen, und der Chef von ASE Investment wurde wegen mutmasslichen Anlagebetrugs verhaftet. Die Basler Kantonalbank diente als Depotbank, wobei sie – wie die Finma im Mai 2013 rügte – ihre Kontrollpflichten verletzte. 

In der Einvernahme belastet Ringger nun auch den heutigen BKB-Chef Guy Lachappelle sowie Urs Genhart, den einstigen Leiter Firmenkunden: «Herr Genhart und Herr Lachappelle waren ja immer involviert in die ganze Sache», zitiert die «TagesWoche» aus dem Protokoll

Er, so Ringger, habe seit 2006 mindestens einmal jährlich ein Meeting arrangiert mit dem ASE-Geschäftsführer. Mit dabei seien die damaligen Direktionsmitglieder Hans Rudolf Matter, Urs Genhart oder später Guy Lachappelle gewesen.

«Die BKB hat Zürich ausgenutzt»

Auch als Lachappelle für die ASE zuständig wurde, habe sich der Umgang mit dem aargauischen Vermögensverwalter in der BKB-Aussenstelle Zürich nicht geändert, wie aus dem Protokoll weiter hervorgeht.

Und selbst nachdem der «K-Tipp» über Ungereimtheiten bei ASE berichtet hatte, habe die Konzernleitung in Basel vom Zürcher Team gefordert, diesen Kunden nicht zu verlieren.

Die Basler Kantonalbank widerspricht dieser Darstellung entschieden. Bei den Aussagen handle es sich um die persönliche Meinung eines früheren Kadermitarbeiters, «die in keiner Weise der Haltung der Bank entspricht.» In einem Statement verweist die Bank darauf, dass Guy Lachappelle «sich nachweislich und mit Nachdruck für eine rasche Abklärung der damals bekannten Fragen rund um die ASE engagiert hat. Es ist nicht zuletzt dieser klaren Haltung von Guy Lachappelle zu verdanken, dass das gesamte Ausmass des mutmasslich betrügerischen Verhaltens der ASE bekannt wurde, was schliesslich in die Strafanzeige und die Anzeige der BKB bei der Finma mündete.»

Kernfrage: Wie eigenmächtig waren die Zürcher?

Ringger fühlt sich heute als Bauernopfer. Er habe nur die Anweisungen aus Basel eingehalten. Und er habe die hohen Zielvorgaben umsetzen müssen. «Die BKB hat mich und Zürich ausgenutzt. Weil Zürich einfach Zürich ist und nicht Basel», zitiert ihn die «TagesWoche» weiter.

Hans Rudolf Matter, damals CEO der BKB, musste im Herbst 2012 wegen der Affäre den Hut nehmen, er wurde ersetzt durch Guy Lachappelle; dieser hatte zuvor den Bereich Firmenkunden und Institutionelle geleitet, welchen er wiederum 2010 vom erkrankten Urs Genhart übernommen hatte.

«Ich muss Matter ein bisschen in Schutz nehmen», kommentierte Hans Ringger nun gegenüber den Finma-Ermittlern: «Es kam nie von Matter, es kam eher von Genhart. Genhart wollte diesen Kunden behalten und ist immer darauf eingegangen. Herr Lachappelle übrigens nachher auch.»

Im Kern steht wohl, dass Ringger einem Eindruck in der Öffentlichkeit entgegenwirken will – dem Eindruck nämlich, dass das Team in Zürich recht eigenmächtig (oder vielleicht auch geldgierig) im heiklen ASE-Dossier die Augen geschlossen hielt.

Erst im März 2012 Kenntnis

Und so kontert nun wiederum, nach der Veröffentlichung in der «Tageswoche», ein Sprecher der Basler Kantonalbank: Entschieden weise man die Darstellung zurück, wonach die Bank an der Verschleierung von Konteninformationen durch die ASE mitgewirkt habe. «Die Bank hat im März 2012 erstmals von einem möglicherweise kriminellen Handeln der ASE-Verantwortlichen Kenntnis erhalten und danach umgehend gehandelt. Am 28. März 2012 erstattete sie entsprechend Strafanzeige und informierte die Finma über die jüngsten Erkenntnisse.»

Es treffe aber zu und sei im Schlussbericht von Bär & Karrer detailliert beschrieben worden, dass die BKB schon längere Zeit in intensivem Kontakt mit den Verantwortlichen der ASE gestanden hatte. Denn sie hatte ein substanzielles Kreditausfallrisiko erkannt und wollte dieses beheben. «Kriminelle Absichten blieben der Bank aber bis zum März 2012 verborgen.»

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