Beschleuniger und Bremser im Hypo-Markt

Überhitzungserscheinungen, Warnungen, höhere Kapitalpuffer: Aber das Hypothekengeschäft bleibt der Wachstumstreiber im regionalen Bankengeschäft. Welche Institute am kräftigsten aufs Gas drücken und welche auf die Bremse treten, lesen Sie hier.

Der Hypothekarmarkt ist im vergangenen Jahr mit 4,3 Prozent zwar langsamer gewachsen als 2012, als er noch 5,4 Prozent zulegte. Dennoch haben Nationalbank und Bundesrat den Banken höhere Eigenmittel aufgezwungen.

Wie eine Auswertung von finews.ch zeigt, hindern weder Mahnungen noch Massnahmen der Nationalbank die meisten kantonalen Institute wie auch die Raiffeisen-Gruppe daran, im Hypothekargeschäft nach wie vor aufs Gas zu drücken. 18 von 22 Kantonalbanken, die bislang ihre Ergebnisse veröffentlicht haben, wachsen im Hypothekar-Geschäft schneller als der Markt. Zwei Kantonalbanken schafften sogar zweistellige Zuwachsraten. Marktleader Raiffeisen befindet sich mit einem Plus von 5,7 Prozent im Mittelfeld. Die Clientis-Gruppe ist zurückhaltender.

Das Ranking der Wachstumsbolzer (in Prozent):

  1. Glarner KB: 13
  2. Fribourger KB: 10
  3. Zuger KB: 7
  4. Neuenburger KB: 6,9
  5. Jurassische KB: 6,1
  6. Appenzeller KB: 6
  7. Obwaldner KB: 5,7
  8. Raiffeisen: 5,7
  9. Nidwaldner KB: 5,6
  10. Aargauische KB: 5,4
  11. Thurgauer KB: 5,4

Das Ranking der Bremser (in Prozent):

  1. Banque Cantonale Vaudoise: 2
  2. Basler KB: 2,2
  3. Zürcher KB: 2,4
  4. Genfer KB: 2,7
  5. Urner KB: 3,4
  6. Berner KB: 3,6

Auf Niveau des Marktes wuchsen (in Prozent):

Schwyzer KB (4,4), Graubündner KB (4,4), Clientis (4,4), St. Galler KB (4,5), Luzerner KB (4,6), Walliser KB (4,7)

Sieben Folgerungen:

  • 1. Wie aus der Grafik zum Marktwachstum nach Bankengruppen hervorgeht, sind die Grossbanken Credit Suisse und UBS bei der Hypothekenvergabe 2013 am stärksten auf die Bremse gestanden.

Hypo Markt 500

Allein dadurch hat sich der Rückgang beim Gesamtwachstum ergeben. Denn die Kantonalbanken sowie Raiffeisen wachsen noch immer über dem Markt. Ob die Zurückhaltung der Grossbanken auf ein besseres Risikomanagement und Marktmonitoring zurückzuführen ist, sei dahin gestellt.

  • 2. Wie der Vergleich mit der zweiten Grafik zur Zinsentwicklung seit 2003 zeigt, bleibt das tiefe Zinsniveau einer der Hauptgründe für das nach wie vor hohe Marktwachstum.

Zinsentwicklung CH

Der Zinsabfall im Jahr 2008 war die Initialzündung für den Hypotheken- und Bauboom. Die tiefen Zinsmargen verleiten die Banken zu einer Ausweitung ihres Geschäftsvolumens. Erst bei einem Zinsanstieg wird sichtbar, ob die Qualität der Kredite beim Wachstum Schritt gehalten hat.

  • 3. Die Glarner Kantonalbank ist der Spitzenreiter, was das Volumenwachstum betrifft. Ein Grund dafür ist auch die Lancierung ihres Onlineportals Hypomat, über welches Hypotheken abgeschlossen werden können; «schnell und einfach», wie es heisst. Dennoch betont die Glarner KB, das Wachstum von 13 Prozent sei risikoarm.
  • 4. Anhand der weiteren Spitzenreiter Fribourger, Jurassische, Basellandschaftliche, Appenzeller sowie Ob- und Nidwaldner Kantonalbanken lässt sich ein Trend erkennen: Ländliche Banken mit schmaleren Bilanzen treiben das Geschäft nun am stärksten voran. Die Nachfrage und der Bauboom in ländlichen Regionen sind Treiber: Die neuen Immobilien-Hotspots sind Freiburg, Bulle und auch Gebiete im Aargau. Die March, das Säuliamt und auch Zug bleiben ebenfalls begehrt.
  • 5. Die Kantonalbanken mit grossen Bilanzen und städtischen Einzugsgebieten, wo der Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren besonders heiss lief, sind deutlich zurückhaltender geworden. Allen voran die Waadtländer, die Genfer sowie die Basler und die Zürcher Kantonalbank. Ausnahmen sind die Zuger sowie die Neuenburger Kantonalbank, die 2013 einige Grossprojekte finanziert hat. St. Galler und Luzerner Kantonalbank liegen in etwa auf Niveau des Marktwachstums.
  • 6. Marktleader Raiffeisen wächst mit 5,7 Prozent weiterhin deutlich über dem Marktwachstum, hat sich aber im Vergleich zum Vorjahr gemässigt. Die Clientis-Banken begnügten sich mit 4,4 Prozent Wachstum.
  • 7. Obwohl aufgrund der Daten offensichtlich ist, dass die einzelnen Banken unterschiedliche Risikoabwägungen treffen, sind sie sich in der Wortwahl alle erstaunlich ähnlich. Die Glarner Kantonalbank beispielsweise erreichte ihren 13-Prozent-Zuwachs durch «risikoarme» Kredite. Die Basler Kantonalbank bremste auf 2,2 Prozent Wachstum ab, indem sie «konservativ» und «vorsichtig» war.

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Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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