Deutschland: Ein Hochrisiko-Markt für Schweizer Finanzinstitute

Der Fall Hoeness und Vontobel zeigt: Altlasten aus den Zeiten der steueroptimierenden Vermögensverwaltung in Deutschland stellen hohe Risiken dar. Die Gefahr kommt von den eigenen Mitarbeitern.

Die Verurteilung ihres Kunden Uli Hoeness als Steuerhinterzieher hat dem Ruf der Bank Vontobel eindeutig geschadet. Gerade sie, die sich nachhaltigen Geschäftsprinzipien verpflichtet hat, und als eine der ganz wenigen Schweizer Vermögensverwaltungen in den USA mit reiner Weste da steht, ist Dreh- und Angelpunkt des bislang grössten, bekanntgewordenen Falles von Steuerhinterziehung in Deutschland gewesen.

Während der Schweizer Finanzplatz vor der US-Justiz zittert, zeigt der Fall Hoeness deutlich, dass zurzeit die grösseren Risiken für die Banken in ihren Offshore-Geschäften im Nachbarland liegen. Was die Banken wirklich in Unruhe versetzen muss, sind die eigenen Mitarbeiter, die gewillt sind, ihren Arbeitgeber ans Messer zu liefern.

Eigene Banker als Informationsleck

Wenn in Deutschland plötzlich prominente Namen von Steuerhinterziehern samt ihren Bankverbindungen in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein publik werden, wie Klaus Zumwinkel oder zuletzt Alice Schwarzer, sind die Meinungen rasch gemacht. Das Informationsleck wird jeweils bei den deutschen Steuerfahndern oder im Finanzministerium geortet. Es gehöre zu deren Strategie, Informationen gezielt den Medien zuzuspielen, um Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern zu provozieren.

Das Informationsleck liegt aber meist woanders: In den Banken selber. So war es offenbar auch bei der Vontobel ein Schweizer Banker gewesen, der den Stein gegen Hoeness ins Rollen gebracht hatte. Im Jahr 2010 hatte sich ein Whistleblower – mit Schweizer Akzent, wie der «Spiegel» in seiner jüngsten Ausgabe (nicht online verfügbar) berichtet – beim Mainzer Wirtschaftsanwalt Volker Hoffmann gemeldet.

Einer wusste alles

Er wusste über alle Details der Hoeness'schen Steuerhinterziehung Bescheid: Devisentransaktionen, Anzahl und Summen, die Bank Vontobel, den Namen Uli Hoeness und auch die Nummer seines Bankkontos «4028BEA». Dies könnte darauf schliessen lassen, dass der Whistleblower direkt aus der Vontobel kommt.

Die Bank nimmt gegenüber finews.ch dazu wie folgt Stellung: «Es liegen uns keinerlei Anzeichen vor, dass es sich bei dem im ‚Spiegel' erwähnten Informanten um einen Mitarbeiter von Vontobel handeln könnte. Vor diesem Hintergrund sehen wir keine Veranlassung, Strafanzeige gegen Unbekannt einzureichen».

Möglichst unterm Deckel halten

Es scheint darum auch möglich, dass der Whistleblower von einer anderen Schweizer Bank stammt, da die Hoeness-Transaktionen offenbar nicht alle direkt vom Vontobel-Devisenhandel abgewickelt worden waren. 

Es gehört aber zur Taktik der Banken, um Whistleblower in den eigenen Reihen möglichst kein Aufhebens zu machen. Erstens würde dies ihrem Ruf als sicheres und diskretes Institut schaden.

Zweitens könnten durch die Publizität weitere Mitarbeiter anregt werden, Informant oder Datendieb zu werden. Zumal in Deutschland dafür ein wirtschaftlicher Anreiz gesetzt wurde, seit Bundesländer für Steuer-CDs Millionen von Euro bezahlt haben.

Ungünstig für Schweizer Ambitionen

Auch die Credit Suisse und Julius Bär wurden von eigenen Mitarbeitern wegen nicht deklarierter Konten in Deutschland «verraten». Die Folgen sind Razzien und Durchsuchungen in deutschen Filialen, oft begleitet von einem Medientross, der zuvor – diesmal von Behörden – über die bevorstehenden Aktionen informiert worden ist.

Den Ambitionen der Schweizer Privatbanke im ohnehin schwierigen deutschen Onshore-Markt hilft das jeweilige Getöse sicher nicht. Das wahre Risiko liegt aber in ihren vergangenen Offshore-Aktivitäten mit nichtdeklarierten Steuergeldern, deren Aufarbeitung von den Banken selber nicht kontrolliert werden kann, wie das jüngste Beispiel Hoeness zeigt.

Deutschland ist diesbezüglich das viel heissere Pflaster geworden als die USA.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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