«Der Verlust schockiert uns nicht»

Erstmals in ihrer Geschichte muss die Rothschild Bank Zürich einen Verlust ausweisen. CEO Veit de Maddalena erklärt, wie es so weit kommen konnte.

Die Rothschild Bank Zürich befindet sich auf Grund der Veränderungen in der Schweizer Bankbranche in einem Transformationsprozess, den sie vor rund fünf Jahren an die Hand genommen hat. Zuvor galt das Institut als klassische Offshore-Bank mit Kunden, die ihren Wohnsitz ausserhalb der Schweiz haben. 

In der Folge begann die Bank, ihre Kundendepots zu durchforsten und, wo nötig, die Klientel zur Regularisierung zu bewegen. Dies war allerdings auch mit einem Abfluss von Kundengeldern verbunden, wie die Geschäftsergebnisse der vergangenen paar Jahre zeigen.

Nun auch der Schweizer Markt auf dem Radar

Inzwischen verstärkt das Institut seine Onshore-Präsenz in verschiedenen Märkten, namentlich in Grossbritannien und Deutschland sowie kürzlich mit der Eröffnung eines Standbeins in Mailand, wie finews.ch berichtete. Aber auch die Schweiz gilt für Rothschild inzwischen als Onshore-Markt, den die Bank nunmehr aktiv bearbeitet.

Auf Grund des Steuerstreits zwischen der Schweiz und den USA musste die Bank, die im entsprechenden Programm der Amerikaner in der Kategorie 2 figuriert, ebenfalls hohe Rückstellungen vornehmen und gestiegene Kosten ausweisen. Das führte nun im Geschäftsjahr vom 1. April 2013 bis 31. März 2014 erstmals in der 1968 in der Schweiz gegründeten Bank zu einem tiefroten Ergebnis. 

Herr de Maddalena, erstmals in ihrer Geschichte muss die Rothschild Bank einen Verlust ausweisen. Wie gross ist der Schock?

Es gibt keinen Schock. Wir wissen genau, weshalb es zu einem Verlust gekommen ist.

Nämlich?

Das Schweizer Private Banking befindet sich in einem Paradigmenwechsel und zahlreiche einmalige Sonderfaktoren rund um die regulatorischen Veränderungen belasten auch unser Ergebnis.


«Wir sind finanziell äusserst gesund»


Gleichzeitig haben wir in dieser Phase viel in unser Kerngeschäft investiert, um die eingeschlagene Wachstumsstrategie erfolgreich umzusetzen.

Ist es das erste Mal, dass die Rothschild Bank (Schweiz) auf eine Dividende verzichtet?

Nein, das letzte Mal war dies allerdings in den Gründungsjahren der Bank der Fall. Aber auch der Entscheid, auf eine Dividende zu verzichten, ist vor dem Hintergrund der ausserordentlichen regulatorischen Situation und wichtigen Investitionen unsererseits zu sehen. Zudem ist unsere Bank mit einer Tier-1-Ratio von 37 Prozent finanziell äusserst gesund.

Mit welcher Bussenhöhe rechnen Sie im US-Steuerstreit?

Dazu können wir uns zurzeit nicht äussern, da das Programm noch nicht abgeschlossen ist. Wir gehen aber davon aus, dass unsere Rückstellungen alle damit verbundenen Kosten decken.

Aber selbst ungeachtet der Rückstellungen für den US-Steuerstreit stagnierte das Geschäft. Woran lag das?

Diese Aussage gilt vor allem für das traditionelle Geschäft der Schweizer Bank. Dort kam es auf Grund von Regularisierungen und Repatriierungen von Vermögenswerten zu Abflüssen.


«Das Neugeld hat die Quellensteuer abgefedert»


So hat zum Beispiel die von der Schweiz mit Grossbritannien ausgehandelte Quellensteuer eine wichtige Rolle gespielt. Dank vielem Neugeld konnte dieser Effekt aber abgefedert werden.

Insgesamt haben die Kundenvermögen von Rothschild Wealth Management & Trust um fast 10 Prozent auf gut 22 Milliarden Franken zugelegt. Die in der Schweiz gebuchten Kundengelder stagnierten allerdings bei 14 Milliarden Franken. Gibt es hierzulande keine Wachstumsperspektiven mehr?

Wenn Sie die Entwicklung unserer Kundengelder seit 2007 anschauen, konnten wir diese deutlich steigern. Das gesamte internationale Private-Banking-Geschäft in der Schweiz befindet sich allerdings derzeit in einem Strukturwandel. Dies wird sich aber wieder normalisieren.


«Manche Kunden wollen sich nicht regularisieren»


Nachdem die Rothschild Bank (Schweiz) bereits im Vorjahr einen Abfluss von 258 Millionen Franken an Kundenvermögen verschmerzen musste, sind es heuer gar 274 Millionen Franken, die abgeflossen sind. Was sind das für Gelder, und wohin sind sie abgeflossen?

Ein Grossteil dieser Abflüsse ist im Zusammenhang mit Regularisierungen und Repatriierungen von Vermögenswerten zu sehen. Neben der mit Grossbritannien ausgehandelten Quellensteuer haben Kunden einen Teil des Vermögens eingesetzt, um Steuerforderungen zu begleichen. Schliesslich gab es auch Kunden, die ihre Situation nicht regularisieren wollten. Diese haben ihre Gelder abgezogen.

Warum wächst das Geschäft in den Deutschland und in Grossbritannien so viel stärker als in der Schweiz?

Keiner dieser Märkte hat einen derart tiefgreifenden Strukturwandel zu bewältigen wie die Schweiz. Wir haben in den vergangenen Jahren selber viel in den Aus- und Aufbau dieser zwei Onshore-Märkte investiert. Das Wachstum dort zeigt, dass wir das richtig gemacht haben.


«Wir suchen in allen Märkten Kundenberater»


Zumindest im Personalbereich ist die Rothschild Bank (Schweiz) im abgelaufenen Geschäftsjahr gewachsen. Netto arbeiten 16 Leute mehr als vor zwölf Monaten. Wo haben Sie aufgestockt, und suchen Sie noch weiteres Personal?

Wir haben die Kundenbetreuungskapazitäten an allen unserer Standorten sowie im internationalen Vermögensstrukturierungsgeschäft ausgebaut. Zurzeit suchen wir in allen Märkten gezielt weitere Kundenberater.

Was sind Ihre nächsten Wachstumsmassnahmen?

Wir investieren weiterhin vor allem in unsere Onshore-Märkte und in die internationalen Vermögensstrukturierungskapazitäten. Bei den Onshore-Märkten sind dies neben Deutschland und Grossbritannien auch die Schweiz und Italien.

 

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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