Darum geht es den Auslandsbanken ans Eingemachte

Der Rücktritt von Marion Pester als Chefin der DZ Privatbank (Schweiz) kam zwar aus heiterem Himmel. Doch der abrupte Abgang der erfahrenen Bankerin ist symptomatisch für die verfahrene Situation, in der manche Auslandsbanken in der Schweiz stecken.

Am vergangenen Mittwoch gab die DZ Privatbank (Schweiz) bekannt, Marion Pester (Bild unten) habe sich entschieden, das Unternehmen bereits per Ende dieses Monats zu verlassen, wie auch finews.ch berichtete.

Der Rücktritt erfolge «im Rahmen der konzerninternen strategischen Neuausrichtung der DZ Privatbank (Schweiz)», hiess es zudem. Weitere Präzisierungen lieferte das Communiqué nicht.

Keine Freude an den Luxemburger Plänen

Die Pressesprecherin der DZ Privatbank am Hauptsitz in Luxemburg (Bild oben) erläuterte auf Anfrage von finews.ch, dass es an den verschiedenen Standorten der DZ Privatbank in Luxemburg, Deutschland, Singapur und in Zürich im Rahmen der Optimierung der Konzernsteuerung zu gewissen Verschiebungen von Services komme. Und aus dem Umfeld Pesters hiess es, sie habe sich nicht mit diesen Plänen der Bank anfreunden können – sprich das orchestrierte Restrukturierungsprogramm nicht weiter mittragen wollen.

Marion Pester 160 kopieIn der Branche gibt der plötzliche Rücktritt von Marion Pester als Chefin der DZ Privatbank (Schweiz) allerhand zu reden. Denn die Bankerin genoss auf dem Zürcher Finanzplatz einen sehr guten Ruf, wo sie für die genossenschaftlich organisierte deutsche DZ Bank seit 2006 tätig war, ab 2011 als Chefin für das von der Schweiz aus betriebene Private Banking der DZ-Gruppe.

Dunkle Wolken

Pesters Rücktritt lässt sich durchaus in einem grösseren Zusammenhang betrachten und ist symptomatisch für die jüngste Entwicklung, die manche Auslandsbanken hierzulande durchmachen. Jahre- um nicht zu sagen jahrzehntelang galten die Schweizer Niederlassungen grosser ausländischer Finanzkonzerne als tragende Säulen im Geschäft mit der begüterten Klientel. Das war selbst dann noch der Fall, als sich der Himmel am Schweizer Branchenhimmel zusehends verdunkelte.

Viele Auslandsbanken wollten selbst dann nicht realisieren, wie mehr oder weniger auswegslos die Situation geworden war. Auch Marion Pester rollte in mehreren Gesprächen mit finews.ch eine angepasste Strategie aus. So sollte die DZ Bank (Schweiz) zu einem eigentlichen Kompetenzzentrum für die private Vermögensverwaltung und für das Asset Management für die gesamte Gruppe werden. Weitere hoffte man, externen Vermögensverwaltern als Depotbank dienen zu können. Im Rahmen dieser Absichten war die Bank auch bereit, unversteuerte Gelder anzunehmen, die sie dann regularisieren würde, wie es in den Gesprächen ebenfalls hiess.

Rahmenbedingungen drastisch verändert

Dieser Plan liess sich ganz offensichtlich nicht bewerkstelligen, wie sich nun zeigt, da die Bank ganze Bereiche nach Luxemburg verlagert und sich die langjährige Chefin zurückzieht.

Beides zeigt deutlich: Kurzfristige Strategiewechsel sind nicht so leicht zu bewerkstelligen. Besonders nicht, wenn sich gleichzeitig die Rahmenbedingungen so drastisch verändern, wie das in den vergangenen Jahren der Fall war: Die Kosten stiegen, während die Margen in einem anhaltenden Nullzinsumfeld immer enger wurden, und dazu noch verschärfte Gesetze und Bestimmungen den Aktionsradius der einzelnen Bankleute immer mehr eingrenzen.

Keine Neuerfindung

Kein Wunder, dass so die Renditen wegbrachen, und in den Konzernzentralen im Ausland das grosse Rechnen begann. Doch weil sich (Auslands-)Banken in der Schweiz ganz offensichtlich nicht so einfach neu erfinden lassen, war in vielen Fällen der Rückzug bald einmal programmiert oder eben die «strategische Repositionierung», wie es in den Ankündigungen der einzelnen Institute jeweils beschönigend heisst.

Beispiele gibt es mittlerweile genug: Der US-Konzern Morgan Stanley schloss im vergangenen Jahr seine Privatbank in der Schweiz, die britische Standard Chartered kam 2014 zum selben Entschluss, die Royal Bank of Canada blies zum Rückzug und die israelische Bank Leumi verkaufte ihre Kundengelder an Julius Bär und schloss ebenfalls ihre Niederlassungen in der Schweiz.

Die «bessere Schweiz» gewinnt

Im Zusammenhang mit der DZ Privatbank (Schweiz) werden die einzelnen Geschäftsbereich so positioniert, dass Synergien entstehen. Und hat offenbar die Schweiz etwas das Nachsehen. Denn die DZ-Gruppe ist ausser in Deutschland und Luxemburg auch in Singapur präsent. Mit anderen Worten: Einmal mehr zeigt, sich dass die Schweiz in Sachen Standortattraktivität für das Banking von morgen den Kürzeren zieht. Denn offenbar sollen wichtige Bereiche entweder ins Grossfürstentum Luxemburg oder in die «bessere Schweiz» in Südostasien verlagert werden.

Fragen von finews.ch nach einem dem angeblichen Abbau von den rund 200 Stellen in der Schweiz sind bisher gezielt umschifft worden. Wo Services abgezogen würden, könne sich das auch auf den Personalbestand auswirken, heisst es von offizieller Seite bei der DZ-Gruppe, und möglicherweise würden auch Dienstleistungen nach Zürich transferiert. Welche das sein könnten, bleibt allerdings offen. Immerhin heisst es: Die DZ Privatbank bekenne sich zu ihrem Standort in Zürich – was immer das heissen mag.

Auf Käufersuche gewesen

Von Unternehmensberatern auf dem Zürcher Finanzplatz ist indessen zu hören, dass die DZ Privatbank (Schweiz) in den vergangenen Jahren als Kaufobjekt auf dem Markt gewesen sei. Sie habe gleichzeitig auch noch nach Partnern gesucht, was man in Luxemburg am Konzernsitz jedoch nicht bestätigen will.

Dem weiteren Vernehmen nach sei aber ab 2012 der Ergebnisbeitrag aus der Schweiz an die DZ-Gruppe immer geringer geworden. Die von Marion Pester exerzierte «Weissgeld-Strategie» verbunden mit den Selbstanzeigen der Kunden habe unter dem Strich die Kundenbasis nicht gestärkt, sondern vor allem zu Kapitalabflüssen geführt. Neue Ertragsquellen liessen sich in dem angespannten Umfeld leider nicht realisieren. Und da sich die Aussichten für die Branche nicht unbedingt aufhellen, sehen sich viele ausländische Banken gezwungen, recht unsentimental mit ihren Schweizer Ablegern zu verfahren.

Frau mit Führungserfahrung

Marion Pester war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Es würde indessen nicht erstaunen, wenn die Bankfachfrau in diesem Jahr an neuer Stelle im Schweizer Bankwesen wieder auftaucht. In den vielen Jahren ihrer Tätigkeit hierzulande hat sie nämlich ein gutes Gespür für dieses Geschäft entwickelt, und sie zählt zu den wenigen Frauen, die bereits eine Bank geführt haben. Das ist sehr viel wert.

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