Vontobel vor Grossübernahme

Vontobel-Chef Zeno Staub macht sein Versprechen wahr und will einen Asset Manager übernehmen, wie Recherchen von finews.ch ergaben. Dies allerdings zur Unfreude der Private Banker im Hause.

Schon seit einigen Jahren stellt die Bank Vontobel eine Übernahme in der Finanzbranche in Aussicht (vgl. Grafik). Dies ist nun der Fall, allerdings nicht, wie in der Branche erwartet, im Private Banking, sondern im Asset Management.

Grafik Vontobel 500

Wie Recherchen von finews.ch in Deutschland ergaben, steht Vontobel unmittelbar vor der Übernahme eines Asset Managers. Dabei handelt es sich, unter dem Projektnamen «Songbird», um eine Firma mit rund 25 Milliarden Euro an Kundengeldern, ungefähr 180 Mitarbeitern und mit Sitz in Düsseldorf.

Auch in London auf Tuchfühlung

In Düsseldorf treffen diese Eckdaten auf ein Unternehmen zu. Es heisst Meriten Investment Management, ist spezialisiert auf Fixed Income und gehört seit Oktober 2012 vollumfänglich dem US-Finanzinstitut BNY Mellon, das seinen Tochterfirmen eine vergleichsweise grosse Unabhängigkeit gewährt. Die Bank Vontobel erklärte auf Anfrage von finews.ch, man nehme zu Gerüchten keine Stellung. Von BNY Mellon war vorläufig keine Stellungnahme vorhanden.

Wie weitere Recherchen ergaben, ist Vontobel aber auch in Grossbritannien auf Übernahmekurs. Dort steht ein Unternehmen auf dem Radar, das mit ungefähr zehn Mitarbeitern rund 5 Milliarden Franken an Kundengeldern verwaltet. Ob nun der Deal in Deutschland oder in Grossbritannien zuerst angekündigt wird, ist unklar.

(Am Mittwochmorgen hat Vontobel die Übernahme der britischen Firma TwentyFour Asset Management sowie Übernahmegespräche mit Meriten Investment Management kommuniziert.)

Überraschung und Frust

Fest steht, dass die Expansion im Asset Management insofern überrascht, als dass man eigentlich davon ausging, dass die Bank Vontobel im Private Banking, also in der Vermögensverwaltung für Privatkunden, expandieren würde. In dem Bereich hat Georg Schubiger über die letzten zwei Jahre sozusagen «aufgeräumt» und möchte nun das erforderliche Wachstum hinkriegen.

Umso mehr muss es ihn nun frustrieren, dass die jüngsten Expansionsbestrebungen in Richtung Asset Management gehen. Doch Vontobel hat in Asset Management ein nicht zu unterschätzendes Klumpenrisiko. Denn der mit Abstand grösste Ertragsgenerator ist der in New York tätige Rajiv Jain, der mit seinen Emerging-Markets-Fonds bislang massgeblich zum Erfolg der gesamten Vontobel-Gruppe beitrug. Das ist ein offenes Geheimnis, doch offenbar hat sich das in der jüngsten Vergangenheit noch akzentuiert, zumal Jain auch noch mit einem äussert grosszügigen «Lohnpaket» ausgestattet ist.

Fehlende Mittel?

Vor diesem Hintergrund setzt Vontobel im Asset Management unter der Leitung von Axel Schwarzer alles daran, die Erträge in seiner Division möglichst zu diversifizieren, was wiederum mit den eingangs erwähnten Übernahmen geschehen soll.

Allerdings dürfte dieser Vorstoss (im Asset Management) nicht nur für Freude sorgen. Insbesondere in der (privaten) Vermögensverwaltung (Private Banking) von Vontobel fehlen nun die Mittel, um einen Quantensprung zu vollziehen.

Private Banking wird ausgebremst

Dies zum Ärger von Georg Schubiger, dem Leiter dieser Abteilung, der nun im Zuge der anhaltenden Konsolidierung sozusagen ausgebremst wird. Vor diesem Hintergrund darf man sich durchaus fragen, ob er nicht bald schon die Konsequenzen zieht, nachdem er doch mit grossen Erwartungen oder auch Versprechen zu Vontobel geholt worden war.

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Gottex

Der Hedgefondsanbieter Gottex hat die Publikation seiner Halbjahreszahlen verschoben. Das Unternehmen begründet die Verschiebung mit einem Verzug in den Verhandlungen um eine zweite Finanzierungstranche nach den Rekapitalisierungs-Massnahmen vom Sommer.

UBS

Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt. Die Zahlung erfolgte, weil die UBS ihre Broker nicht standesgemäss ausgebildet habe.

Avaloq

Der Bankensoftwareentwickler Avaloq und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) haben einen Vertrag zur Evaluierung einer zukünftigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 soll analysiert und erarbeitet werden, inwiefern die Umsetzung der Apobank-IT-Strategie mit der Avaloq Banking Suite möglich ist.

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

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Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

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Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

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Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

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