Digitalisierung in der Bankenwelt: Nun greift die UBS das Affluent-Segment an

Das Geschäft mit mittelgrossen Kunden gilt bei Privatbanken als unattraktiv. Nicht so bei der UBS, welche in diesem Segment riesiges Potenzial sieht. Sie setzt dabei voll auf den Digitalisierungstrend. 

Kunden mit Vermögen ab 250'000 bis zu 2 Millionen Franken gibt es zwar en masse, dennoch werden sie von Privatbanken vielfach vernachlässigt oder gleich aussortiert. Der Grund: Die Beratungs- und Administrationskosten für einen Kunden sind gemessen am seinem Anlagevolumen zu hoch. Stattdessen machen die Privatbanken Jagd auf Superreiche. 

Auch die UBS verkörpert das Bild als Wealth Manager für Millionäre und Milliardäre. Dabei machen alleine in Europa die Affluent-Kunden zirka die Hälfte ihrer Privatkundschaft aus. Nun lanciert die UBS eine digitale Dienstleistung, die ihr eine kostengünstigere Betreuung der Affluent-Klientel ermöglicht. Dabei handelt es sich um eine eigentliche Marktoffensive, die Millionen von europäischen Haushalten anvisiert.  

Digitaler Zugang

Die Dienstleistung entspricht dem bestehende Produkt «UBS Advice». «Was wir für sehr Vermögende entwickelt haben, machen wir Affluent-Kunden zugänglich», sagt Ramin Fatemieh (Bild), Leiter des Affluent-Geschäfts der UBS in Europa, im Gespräch mit finews.ch. Konkret bekomme ein Affluent-Kunde Zugang zu allen Investmentideen und –empfehlungen aus dem Chief Investment Office (CIO).

Zusätzlich zu den Vermögensverwaltungsmandaten setzt UBS damit auf einen neuen digitalen Beratungskanal.

«Roboter» scannt Portfolio

Grundlage dafür bildet eine von der UBS neu entwickelte computergesteuerte Plattform. Diese ist in der Lage, jede Nacht digital 650'000 Portfolios zu überprüfen und nach Marktveränderungen Abweichungen von den Anlagezielen zu ermitteln. Die Ergebnisse der Überprüfung sind neu jederzeit in UBS e-banking ersichtlich. Fatemieh bezeichnet dieses System als eine Art «Vorstufe des Robo-Advisor», worüber finews.ch auch schon berichtete.

Wenn also das CIO-Büro beispielsweise eine Verkaufsempfehlung für eine Aktie herausgibt, dann werden alle Kunden, die diese Aktie im Depot haben, vom System automatisch benachrichtigt – via SMS oder e-Mail.

Wie ein Selbstbedienungsladen

«Der Kunden kann dann selber entscheiden, ob er eine Direktanlage halten will oder der Verkaufsempfehlung der UBS folgt», so Fatemieh. Der Kunde muss dann aber von sich aus aktiv werden und die UBS mit der Order beauftragen. Künftig «delegiert» die UBS aber auch dies an den Kunden weiter. «In Zukunft ist angedacht, dass der Kunde die Möglichkeit haben wird, Transaktionen sowie Anlageideen zur Behebung der Portfolioabweichung auch selbst auszuführen», kündigt Fatemieh an.

Die vollautomatisierte Kundenbeziehung im Sinne eines Robo-Advisors ist nicht unbedingt das Fernziel der UBS. Der physische Kundenkontakt für Affluent-Kunden ist jederzeit möglich, versichert Fatemieh. Dies unter anderem deshalb, weil die meisten Kunden in diesem Segment im Schnitt um die 60 und somit weniger technikafin wie jüngere Generationen seien.

Die UBS weitet somit ihre Digitalisierungsstrategie auch auf die mittelgrosse Kundschaft aus. Damit und mit dem Aufbau einer einheitlichen europaweiten Kundenplattform, worüber finews.ch verschiedentlich berichtete, entstehen laut Fatemieh Skaleneffekte. So werde das Massengeschäft mit den Affluent-Kunden attraktiv.

Potenzial ausschöpfen

Noch ist die neue Dienstleistung laut Fatemieh vorerst der Kundschaft mit einer Schweizer Bankbeziehung vorbehalten. Als nächstes ist dann Deutschland an der Reihe und später weitere Standorte wie Grossbritannien, Frankreich oder Italien.

Mit dem neuen Produkt will die UBS das enorme Potenzial des Affluent-Segments ausschöpfen. Fatemieh rechnet vor: In Deutschland gebe es 1,6 Millionen Haushalte, welche die UBS im Visier hat. In Grossbritannien seien es 1,5 und in Italien 1,2 Millionen Haushalte – mache zusammen 3'000 Milliarden Franken an Assets.

«Wer als globaler Vermögensverwalter dieses Potenzial ungenutzt lässt, ist selber schuld. Am Ende werden diejenigen Vermögensverwalter am erfolgreichsten sein, die es dem Kunden so einfach wie möglich machen mit ihnen zu arbeiten - anytime, anywhere », so der UBS-Kadermann, der seit gut eineinhalb Jahren das Affluent-Geschäft in Europa verantwortet.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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