Fall Kerviel: War beim Milliarden-Betrug vielleicht doch alles anders?

Der Trader verspekulierte bei der französischen Bank Société Générale Milliarden – und musste ins Gefängnis. Doch nun erscheint sein Fall in einem ganz neuen Licht.

Vor rund sieben Jahren platzte der bislang grösste Betrugsfall im Handel einer Bank: Der Trader Jérôme Kerviel (Bild) wurde beschuldigt, mit seinen Fehlspekulationen bei der französischen Grossbank Société Générale (SocGen) einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro angerichtet zu haben.

Im Jahr 2010 wurde der «Rogue Trader» wegen Veruntreuung und Betrug zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Pariser Gericht sah es damals als erwiesen an, dass Kerviel auf eigene Faust einen Milliardenschaden angerichtet habe. Seine Arbeitgeberin, die SocGen, wurde lediglich für Sicherheitsmängel gerügt und musste 4 Millionen Euro Busse zahlen. Doch damit könnte sie zu gut weggekommen sein, wie sich nun zeigt.

Denn laut dem französischen Online-Magazin «Mediapart» (Artikel bezahlpflichtig) hat der unabhängige Pariser Richter Roger Le Loire erneut Untersuchungen im Fall aufgenommen – und dazu eine gewisse Nathalie Le Roy befragt. Mit durchschlagendem Ergebnis, wenn dem Bericht des Online-Enthüllungsmagazins zu glauben ist.

Von der Bank benutzt

Le Roy hatte bei der französischen Finanzpolizei nämlich höchstpersönlich die Untersuchungen gegen Kerviel geführt, nachdem die SocGen den Trader angezeigt hatte. 2010 kam die Top-Polizistin zum Schluss, dass der Trader die enormen Verluste der Bank ganz alleine verschuldet hatte.

Als sie sich 2012 erneut mit dem Fall befassen musste, war sie sich offenbar nicht mehr so sicher – und äusserte ihre Zweifel nun erstmals in der Befragung vor dem Richter.

Mittlerweile ist die ehemalige Ermittlerin gar fest überzeugt, dass Kerviels Chefs von dessen Umtrieben im Handelsraum wussten. Mehr noch: «Mediapart» zufolge klagte die Ex-Polizistin, dass sie von der SocGen bei ihren Ermittlungen regelrecht «benutzt» worden sei.

Beweise zurückgehalten

Die Bank habe wichtige Beweisstücke zurückbehalten, die darauf hingedeutet hätten, dass die Bank-Oberen bereits 2007 von Kerviels Spekulationen wussten. Und internen Zeugen habe die Bank einen Maulkorb verpasst.

Schwere Vorwürfe an die Führung des Instituts also, die nun auch Folgen zeitigen könnten. Laut dem Bericht dürften die Aussagen der Ex-Ermittlerin nämlich gewichtig genug sein, um den Fall nochmals aufzurollen. Für die französische Grossbank droht sich damit der PR-Albtraum des Jahres 2008 zu wiederholen.

Der 38-jährige Kerviel ist derweil wieder auf freiem Fuss – allerdings mit elektronischer Fessel.

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