Vergeblich gesucht: Ein CEO für eine erfolgreiche Bank

Die Aargauische Kantonalbank findet keinen neuen Chef. Schuld daran ist der Lohndeckel, der per Gesetz festgeschrieben werden soll. Die Situation illustriert gut, wie politische Entscheide die Wettbewerbsfähigkeit einer Bank beschneiden.

Über der Aargauischen Kantonalbank (AKB) hängt seit bald vier Jahren ein Damoklesschwert – was ihr zunehmend zusetzt. Denn die Situation ist verantwortlich dafür, dass das Finanzinstitut keinen Chef findet.

Das Damoklesschwert: Eine Lohnbeschränkung für Topkader bei 600'000 Franken, was bei der AKB ganz konkret den Chef betreffen würde.

600'000 sind offenbar nicht genug

Doch für dieses Gehalt will offenbar niemand diese Stelle übernehmen. Sie ist im Prinzip vakant, denn Direktionspräsident Rudolf Dellenbach (Bild) hat aus reinem Goodwill noch ein Jahr drangehängt.

Dellenbach 500

Der von der bürgerlichen SVP dominierte Grosse Rat im Kanton Aargau hatte 2012 eine Motion angenommen, die im Grundsatz zur Folge hat, dass in einem Staatsinstitut niemand mehr als doppelt soviel verdienen darf wie ein Regierungsrat.

Schon damals war indessen absehbar, dass Dellenbach ab 2015 aus Altersgründen das Ruder an einen Nachfolger übergeben würde. Dellenbach verdiente zuletzt rund 950'000 Franken. Mit anderen Worten: Der nächste Chef würde einen massiven Einschnitt akzeptieren müssen.

Einer hätte den Job gemacht

Bereit dazu wäre allein Andreas Waespi (Bild unten) gewesen. Er hätte den Chefposten für 690'000 Franken im Jahr übernommen. Das Angebot der AKB war bereits in diesem Fall ein Zugeständnis an den Grossen Rat gewesen.

Andreas Waespi 500

Doch Waespi trat seinen Job gar nicht erst an. Denn im vergangenen Oktober verhing die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht ein Berufsverbot gegen ihn, weil er als Chef der Bank Coop offenbar Kursmanipulationen vollzogen hatte.

Als Folge davon stand einzig wieder Dellenbach der Bank als Chef zur Verfügung. Denn offenbar fehlte an anderen Kandidaten, intern wie extern. Seitdem ist bei der AKB nicht mehr viel passiert.

Bewerbungen valabler Kandidaten: Fehlanzeige. Die mit der Chefsuche beauftragte Findungskommission der AKB hat ihre Arbeit niedergelegt, solange der politische bedingte Schwebezustand der AKB anhält. Die Bank wollte sich gegenüber finews.ch zu ihrer zunehmend unmöglichen Situation nicht äussern. Man will nicht noch Öl ins Feuer giessen.

Aufgeheizte Stimmung

Am (heutigen) Donnerstag wird die «Lex AKB» in der Kommission für Volkswirtschaft und Abgaben des Kantons diskutiert. Der Regierungsrat hatte im Mai einen Kompromiss vorgeschlagen, der den «Cap» auf rund 700'000 Franken anheben würde. Doch Fraktionen wie die SVP haben dem Vorschlag bereits eine Absage erteilt.

Der Grosse Rat wird am 23. Juni die zweite Lesung des Gesetzesvorschlag vornehmen. Ein endgültiger Entscheid ist darum frühestens im Herbst zu erwarten.

Die Vorsicht der Bank in ihren Äusserungen zu dem Gesetzesvorschlag ist verständlich. Verständnislosigkeit gegenüber dem Willen der Mehrheit der Kantonsparlamentarier ist allerdings noch das schwächste Wort, das die Stimmung im Hause beschreibt.

Eine lukrative Staatsbeteiligung

Die AKB hat ein starkes Selbstbewusstein, das einerseits auf ihrer dominanten Position in der Region baut und andererseits auf ihrem erfolgreichen Geschäftsgang. Sie gehört zu den profitabelsten Staatsinstituten und hat 2014 das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. Knapp 80 Millionen Franken lieferte die AKB von ihrem Rekordgewinn an den Kanton ab. In den vergangenen zehn Jahren waren es insgesamt rund 690 Millionen Franken gewesen.

Das Institut ist zudem die mit Abstand lukrativste Beteiligung des Kantons. Diese Erfolge gehen auf ein Management und eine Belegschaft zurück, die im Schweizer Vergleich konkurrenzfähige Löhne verdienen.

Weitreichende Konsequenzen

Doch ausgerechnet das Kantonsparlament wolle nun mit einem Lohndeckel den ganzen Erfolg in Frage stellen, sagen AKB-Vertreter. Eine «Lex AKB» hätte auch Folgen im mittleren Management. Die Bank müsste mehr als 70 Änderungskündigungen vornehmen. Denn die betroffenen Kader hätten keine Möglichkeit mehr, sich lohnmässig zu verbessern.

Zum Vergleich: Beim Lokalkonkurrenten NAB verdient Chef Peter Bühlmann mehr als eine Million Franken.

Grosse Nachteile befürchtet

Es ist klar, dass die AKB enorme Wettbewerbsnachteile fürchtet, wenn im Aargau selber sowie in den nahen Finanzzentren Zürich und Basel bessere Verdienstmöglichkeiten locken, wie auch in der grossen Mehrzahl der anderen 23 Kantonalbanken.

Das Thema um Bankenlöhne und -boni ist nicht nur im Aargau und in der Schweiz aus hinlänglich bekannten und teilweise auch berechtigten Gründen gesellschaftlich aufgeladen. Auch ist es legitim, eine Diskussion über die in der Bankenbranche insgesamt hohen Löhne zu führen.

Ein Schaden für alle

Es ist darum naheliegend, dass Politiker die Stimmung nutzen werden, um mit weiteren Vorstössen ihre Popularität bei den Wählern zu steigern. Die fatalen Folgen einer «Lex AKB» scheinen allerdings viele dieser Protagonisten zu ignorieren.

Das CEO-Problem bei der AKB ist ein klares Zeichen dafür, dass ein Lohndeckel die Wettbewerbsfähigkeit eines Finanzinstituts beschneidet. Im vorliegenden Fall schadet dies nicht nur dem Unternehmen, sondern dem ganzen Kanton und damit auch der Bevölkerung.

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