Cyber-Attacken: Banken blicken in den Lauf des Revolvers

Der Finanzsektor ist mehr als jede andere Branche von Hacker-Angriffen betroffen. Und die Viren werden immer bösartiger. Umso dringender ist die Suche nach einem Ausweg.

Revolver©Shutterstock

Kaum hatte sich der Staub aus der massiven Cyberattacke vom letzten Dezember gelegt, erhielt Sony unerwarteten Besuch. IT-Spezialisten grosser Finanzdienstleister klopften beim japanischen Technologie-Riesen an. Gerne wollten sie herausfinden, wie es Hacker geschafft hatten, an hochvertrauliche Daten in den Systemen von Sony heranzukommen. Noch mehr: Sie fragten höflich, ob sie den Virus mitnehmen dürften, um ihn im Labor zu testen.

Was die IT-Spezialisten dann herausfanden, jagte ihnen einen kalten Schauer über den Rücken. Das Sony-Virus, erklärte einer der betiligten Experten gegenüber der britischen Zeitung «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig), habe wie ein Revolver funktioniert. So habe es einen Code Richtung Ziel gefeuert, der selbstständig nach Schwachstellen suchte. Wurde das Leck von den Spezialisten gestopft, folgte bereits der nächste Code. Bis zu achtmal hintereinander.

Für die Banken-IT-Spezialisten war damit klar: 95 Prozent Sicherheit reichten nicht mehr aus. Jetzt musste der Schutzwall absolut dicht sein. Und sie konnten darauf vertrauen, dass sie damit – trotz der hohen Kosten – bei ihren Chefs auf offene Ohren stossen würden.

300 Prozent mehr Angriffe als anderswo

Denn der Finanzsektor ist mehr als jede andere Branche Zielscheibe von Hackern. Wie die britische Zeitung berichtet, ist dort die Anzahl der Cyberattacken um 300 Prozent höher als in jedem anderen Wirtschaftszweig. Tendenz steigend.

Derweil explodieren die Schadenssummen nach erfolgreichen Angriffen. Laut dem Beratungsunternehmen PWC hat sich in den USA die Anzahl Finanzfirmen, die Verluste zwischen 10 bis 20 Millionen Dollar zu beklagen hatten, allein im Jahr 2014 mehr als verdoppelt. Und weil der Banksektor die Sicherheit der Kundendaten vielerorts von Gesetzeswegen zu gewährleisten hat, können die Folgekosten etwa durch Klagen exorbitant hoch ausfallen.

Auch in der Schweiz werden Hacker-Angriffe für die Banken zu einem immer grösseren Problem, wie finews.ch wiederholt berichtete (etwa hier und hier).

1000 Spezialisten sind nicht genug

Selbst gewaltige Abwehr-Dispositive bieten dabei keine umfassende Sicherheit. So gelangten Hacker letztes Jahr an Tausende Kundendaten der amerikanischen Grossbank J.P. Morgan – obwohl das Institut 1000 Mitarbeiter und einen Etat von 250 Millionen Dollar für die Cybersecurity abgestellt hatte.

Doch laut «Financial Times» können nur noch aufwändigere Sicherheitsvorkehrungen die Hacker abschrecken. Die Banken müssten dazu ihre in die Jahre gekommen Kernsysteme erneuern und die neue IT-Infrastruktur von Anfang zur Abwehr gegen Cyberattacken aufsetzen, raten Experten. Das könne etwa dadurch geschehen, dass ein Grossteil des Datenverkehrs – etwa die besonders gefährdeten E-Mails – in eine «Cloud» verlagert wird.

In den USA haben Banken zudem eine gemeinsame Software namens Soltra Edge entwickelt, die als Frühwarnsystem vor Cyberattacken funktioniert.

Trader schalten Viren-Schild ab

Die hohen Kosten und komplexen Abwehrmassnahmen sind gleichzeitig ein Problem in sich. Kleinere Player haben nicht die dafür notwendigen Budgets und zu viele Sicherheitsvorkehrungen verlangsamen die Prozesse im Tagesgeschäft – so dass etwa Trader mutwillig auf Schutzschirme verzichten, wie IT-Experten klagen.

Und dennoch glauben die Experten, nur mit einem Sicherheits-Overkill die Hacker aus dem Rennen zu werfen: «Wenn eine Attacke plötzlich 50'000 statt nur 1'000 Dollar kostet, werden es sich die Angreifer vielleicht zweimal überlegen», so ihre Hoffnung.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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