So grauenvoll ist der Arbeitstag eines Investmentbankers

Arbeitstag eines Investmentbankers

Investmentbanken sind dafür berüchtigt, ihren Mitarbeitern viel abzuverlangen. Besonders wenn sie jung und am unteren Ende der Hackordnung stehen. Jetzt stellte ein Analyst die erschreckende Chronik seines 24-Stunden-Tages ins Internet.

Erschöpfung©Shutterstock

Sie nennen sich die «All-Nighter»: Jene Banker, die sich die Nächte im Büro um die Ohren schlagen, 24 Stunden erreichbar sind, um auf blossen Zuruf ihrer Vorgesetzten hin den nächsten Papierberg zu erklimmen. Und dann den nächsten.

Während All-Nighter auf ihr Durchhaltevermögen meist stolzer nicht sein könnten und sich damit für höhere Aufgaben zu empfehlen suchen, sind die Schattenseiten der 24-Stunden-Härtetests längst bekannt. Die Risikofreude klettert wie bei Betrunkenen, die «innere Uhr» wird nachhaltig gestört. Und irgendwann folgt der Zusammenbruch. Oder Schlimmeres: Anfang 2014 etwa rückte eine Selbstmordwelle den unmenschlichen Arbeitsdruck in den Investmentbanken ins Rampenlicht.

Am Alltag von Brian deChesare, als Investmentbank-Analyst ganz unten in der Hackordnung seines Unternehmens, änderte das allerdings nicht viel. 24-Stunden-Tage gehören für ihn offensichtlich zur Routine: Im Blog «Mergers & Inquisitions» protokolliert er minutiös den Ablauf eines solchen «Bad Trip», wie er es nennt.

7.30 Uhr: Ein Associate (ein Rang über dem Analysten) reisst mich mit einem Anruf aus dem Schlaf. Gestern hatte er mir aufgetragen, ich solle um 8 Uhr im Büro sein und für ihn einen Bericht abschicken. Jetzt ist es 7.30 Uhr und er verliert die Nerven. Ich dusche eine Minute und mache mich auf den Weg in die Bank.

8 bis 9 Uhr: Der Associate übergibt mir die korrigierte Version des fraglichen Berichts – er hat meist nur Kommas ergänzt und Schriftgrössen verändert. Immerhin erreicht das Dokument den Rest des Teams noch vor dem Call mit dem Kunden um 9 Uhr.

9 bis 10 Uhr: Unser M&A-Team informiert den Kunden über mögliche Käufer für seine Firma – ich arbeite gleichzeitig an einem Pitch für einen Börsengang (IPO).

12.30 Uhr: Der IPO-Pitch wird an unseren Managing Director versandt. Es ist die «abschliessende» Version. Das bedeutet wohl, dass sie in den nächsten 24 Stunden komplett neu geschrieben wird.

12.45 Uhr: Einer der Managing Director – gerade im Flugzeug unterwegs – fordert unverzüglich ein Handbuch über einen Firmenkunden, von dem er selber keine Ahnung hat. Express-Post ist nicht drin – das Dokument muss eingelesen und im PDF-Format verschickt werden.

13 Uhr: Der Associate kommt mit Korrekturen einer Präsentation an, die er unbedingt angebracht haben will. Ich teile ihm mit, dass ich wegen des IPO-Pitch keine Zeit habe. Er ordnet an, dass die Korrekturen bis 17 Uhr gemacht sein müssen, damit er die Präsentation abends nochmals überarbeiten kann. Ich müsse dann die neuerlichen Anpassungen bis nächsten Vormittag anbringen.

Jetzt ist klar: Es wird ein All-Nighter.

13.30 Uhr: Der reisende Managing Director ruft an und regt sich auf, dass wir ihm ein Handbuch mit 100 Seiten schickten – das Ausdrucken kostete ihn eine halbe Stunde.

15 Uhr: Gang zur Starbucks-Filiale, dem Lebensspender jedes Investmentbank-Analysten.

15.30 Uhr: Ein weiterer Managing Director meldet sich und ordnet an, dass wir den IPO-Pitch überarbeiten – und dabei auf ganz neue Kennzahlen fokussieren. Das bedeutet, dass ich von vorn anfangen kann.

17 Uhr: Ich schicke wie angeordnet die korrigerte Version der Präsentation an den Associate. Danach überarbeite ich den IPO-Pitch.

19.30 Uhr: Desktop-Dinner. Ein Kollege aus der für Börsengänge zuständigen Abteilung meldet sich bei mir. Ich könne sämtliche vom Managing Director verlangten Überarbeitungen in den Kübel werfen.

22 Uhr: Meine Team-Kollegen senden mir ihre letzten Änderungen zum IPO-Pitch zu. Die sind schnell angebracht – aber die Produktion kann die Dokumente erst um Mitternacht drucken. Also komme ich nicht vor 1 Uhr nach Hause.

22.15 Uhr: Der Associate legt mir die neuerlichen Änderungen der korrigierten Präsentation von 17 Uhr auf den Tisch. Bis morgen früh soll das Dokument überarbeitet sein.

0.30 Uhr: Der IPO-Pitch geht in den Druck. Ein weiterer Associate überwacht das alles.

1 Uhr: Ich erkenne einen Fehler auf der ersten Seite des Dokuments – die Aktienpreise wurden nicht angepasst. Alles muss nochmals überprüft werden.

2 Uhr: Wir haben jede einzelne Seite geprüft. Jetzt wird nochmals gedruckt.

2.15 Uhr: Papierstau! Und auch der Toner ist alle. Das Produktions-Team ist derweil längst nach Hause gegangen.

2.15 bis 3.30 Uhr: Ich trommle die restlichen anwesenden Analysten zusammen, um mir mit dem Druck zu helfen.

4 Uhr: Ich gehe heim, schlafen. Um 6 Uhr muss ich wegen der Präsentation spätestens zurück in der Bank sein.

6 Uhr: Ich habe verschlafen. Der Associate ist indes schon wach und hat mir wegen der Präsentation drei wütende Voicemail geschickt. Ich erkläre ihm, dass die Präsentation bis 9 Uhr bei ihm eintreffen werde.

6.15 bis 6.30 Uhr: Auf dem Weg zur Bank erreichen mich weitere wütende SMS betreffend der Präsentation. Der Associate verlangt, dass ich der ganzen Abteilung mitteile, dass sich das Dokument verspätet.

8 Uhr: Bin gerade daran, die Präsentation zu verschicken. Der Associate taucht im Büro auf und verlangt, dass ich zuerst alle benachrichtige, dass das Dokument in zwei Minuten eintreffe. Und dann erst die Präsentation verschicke.

Ich ignoriere ihn und verschicke nur die Präsentation.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • 1MDB-Skandal: Nach DiCaprio auch Robert de Niro im Visier
  • Wird die Webseite Ihrer Firma gerade gehackt?
  • Von der Edelboutique zur Schnäppchenbude
  • So will George Soros die Flüchtlingskrise bekämpfen
  • Der naive Rettungsplan der «Euro-Freunde»
  • Deutsche Bank steckt in der Falle
  • Starökonom fordert noch schärfere Negativzinsen
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Selection

Warum Warren Buffett Gold hasst

Der Ausnahme-Investor liest den Goldanlegern die Leviten.

Selection

Selection

Banken: Diese Jobs bringen richtig viel Geld

In welchen Abteilungen am meisten kassiert wird.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

Fondsmarkt

Die Schweizer Fondbranche kratzt an der Billionen-Grenze. Wie der Branchendienst Swiss Fund Data vermeldete, erreichte das Vermögen der in der Schweiz gehandelten Anlagefonds letzten August rund 914 Milliarden Franken.

EIB

Die Europäische Investitionsbank finanziert die Forschung am Genfer CERN. Dies, indem sie dem Teilchenbeschleuniger eine Kreditfazilität von 250 Millionen Franken leistet. Das Geld wird zum Bau des nächsten CERN-Grossprojekts benötigt, dem High Luminosity Large Hadron Collider.

Finma

Die Eidgenössische Finanzmarkt-Aufsicht Finma nimmt ihre digitale Zustellplattform in Betrieb. Diese ermöglicht es den Beaufsichtigten und Prüfgesellschaften, Jahresberichte und weitere Dokumente elektronisch einzureichen. Mit SuisseID lassen sich die Dokumente zudem elektronisch signieren.

UBS

Mit einer Performance von durchschnittlich 0,5 Prozent schnitten die Pensionskassen im August leicht besser ab als im Monats-Durchschnitt seit Jahresbeginn. Das stellte der «Pensionskassen-Barometer» der Grossbank fest.

weitere News