Alex Friedman: «Wir müssen in der Lohnpolitik eine Balance halten»

Alex Friedman hat in seinem ersten Jahr als CEO von GAM einige Projekte angeschoben – nicht nur angenehme. Gegenüber finews.ch spricht er über den Stellenabbau, weitere Akquisitionen und Rückstellungen für Boni.

Herr Friedman, mit der Auslagerung der rückwärtigen Dienste streicht GAM insgesamt 15 Prozent der Stellen. Was sind die Auswirkungen am Hauptsitz in Zürich?

In Zürich ist der Personalabbau geringer als an anderen Standorten, etwa in Dublin. Hier werden weniger als zehn Prozent der Stellen abgebaut. Die Änderungen zielen aber nicht auf bestimmte Standorte ab. Die Entscheidung, gewisse Aktivitäten an State Street auszulagern, wurde aus strategischen und operativen Gründen getroffen. Wir müssen unser Geschäftsmodell an die Marktgegebenheiten und die grösseren Trends in der Branche anpassen. Die Frankenaufwertung war nicht der Treiber dieses Entscheids – es ist ein Schritt, den viele unserer Wettbewerber bereits vollzogen haben.

«Vielleicht hätten die entsprechenden Funktionen bereits früher ausgelagert werden können»

Schauen Sie unsere Cost-Income-Ratio an: Sie ist mit zurzeit 66,6 Prozent noch immer höher als der Durchschnitt unserer Konkurrenten. Dass GAM bislang Funktionen wie die Fondsbuchhaltung noch selber führte, ist ein Grund für die vergleichsweise höhere Kostenbasis. Da wir in der Schweiz die entsprechenden Bereiche bereits 2013 ausgelagert haben, ist Zürich vom Stellenabbau nicht so stark betroffen.

Sie haben für die Migration der IT an State Street 18 Monate veranschlagt, es handelt sich also um ein ziemlich komplexes Projekt...

...das ist es. Aber es ist ein realistischer Plan.

In der IT bauen Sie personalmässig am stärksten ab. Wie halten Sie die Schlüsselpersonen bei der Stange?

Wir haben einen detaillierten Übergangsplan, um das sicherzustellen. Wir würden dieses Projekt nicht in Angriff nehmen, wenn wir grosse Störungen im Betrieb befürchten müssten. Wir arbeiten bereits seit 2013 mit State Street zusammen, wir haben also Erfahrung.

Kosteneinsparungen sind ein wichtiger Teil ihrer Strategie. Sind damit weitere Stellen in Gefahr?

Nein, wir planen keine weiteren Restrukturierung dieser Grössenordnung. Die Strategie besteht ja nicht darin, Personalkosten zu senken und zu schrumpfen, sondern darin, das richtige Geschäftsmodell zu etablieren. Vielleicht hätten die entsprechenden Funktionen bereits früher ausgelagert werden können. Wir haben uns entschieden, es jetzt zu tun.

Im ersten Halbjahr wurden zwölf Fonds entweder geschlossen oder mit anderen zusammengeführt. Wie viele werden Sie noch schliessen, und was geschieht mit den entsprechenden Teams?

Wir prüfen noch, welche Fonds zusammengelegt werden könnten. Die Teams sind bislang in den allermeisten Fällen bei GAM geblieben. Nur in einem Fall hat der Fondsmanager das Unternehmen verlassen.

Ein Teil der laufenden Kostenreduktionen wurde durch Bonus-Reduktionen erreicht. Ist auch dies ein laufender Prozess?

Schauen Sie, wir müssen in unserer Lohnpolitik eine Balance halten, denn wir wollen gute Leistungen adäquat belohnen. Wir haben nun zwar weniger Rückstellungen für Boni getätigt, aber das Jahr 2015 ist ja noch nicht zu Ende.

«Wir haben etwas im Auge – im Kredit-Bereich»

Ausserdem ist ein grosser Teil der variablen Personalkosten nicht diskretionär, sondern direkt von der Anlageperformance und der Entwicklung der verwalteten Vermögen abhängig.

Ein anderer Pfeiler ihrer Strategie sind Akquisitionen. Sie haben gerade die Immobilienfinanzierungs-Sparte von Renshaw Bay in London übernommen. Damit können Sie eine Lücke in Ihrem Investmentportfolio schliessen. Was kommt als nächstes?

Unser Fokus liegt nun auf dem Bereich Credit – also auf Kreditanleihen und Distressed Assets sowie globale Aktienstrategien.

Dann schliessen Sie bald die nächste Akquisition ab?

Wir haben tatsächlich etwas im Auge, aber ich kann hier noch nichts ankündigen.

Von welcher Grösse reden wir denn?

Ich habe im Frühjahr gesagt, dass wir Zukäufe von verwalteten Vermögen zwischen 5 und 15 Milliarden Dollar anstreben...

... von Renshaw kommen jetzt 1,2 Milliarden Dollar...

... richtig. Diese Kaufgelegenheit ergab sich, weil einer der Gründer, Bill Winters, nun Chef von Standard Chartered geworden ist.

Wie viel Cash steht Ihnen für Akquisitionen zur Verfügung?

Das lässt sich nicht einfach beantworten: Wir haben Kapital, überschüssiges Kapital, und wir können Geld aufnehmen. Klar ist aber: Keine Akquisition wird unsere Möglichkeiten einschränken, unseren Aktionären eine Dividende zu zahlen oder das laufende Aktienrückkaufprogramm zu stoppen.

Würden Sie eine Kapitalerhöhung durchführen?

Solche Pläne haben wir nicht.

Werden Ihre Akquisitionspläne durch Ihr Outsourcing-Vorhaben nicht erschwert, da ein potenzieller Übernahmekandidat in etwa dieselbe Struktur wie GAM haben sollte?

Das ist eine gute Frage — es kann sein, dass wir Firmen erwerben, die anders aufgestellt sind.

«Den Namen GAM ändern wir nicht»

Grundsätzlich ist es aber ein Vorteil, mit einem spezialisierten Anbieter zusammenzuarbeiten: Wenn wir neue Anlageklassen akquirieren, die wir noch nicht abdecken, müssen wir heute die Back- und Middle-Office-Prozesse von Grund auf erstellen. Bei unserem Outsourcing-Partner können wir davon ausgehen, dass er diese bereits abdeckt.

Sie haben im letzten Jahr viel in Bewegung gesetzt – unter anderem ein Rebranding von GAM. Wie weit ist dies fortgeschritten?

Wir werden den neuen Auftritt voraussichtlich in diesem Herbst präsentieren. Ich kann keine Details verraten, aber insgesamt wird GAM als Marke modernisiert und viel frischer daher kommen.

Bleibt der Name GAM? Als Abkürzung von Global Asset Management hebt er sich nicht sonderlich ab.

Den Namen GAM ändern wir ganz bestimmt nicht. Nicht die Bedeutung eines Markennamens an sich ist wichtig, sondern was mit der Marke verbunden ist. GAM ist als qualitativ hochstehender Investmentmanager bekannt. Daran wollen wir nichts ändern.

Aber wir werden direkter und offener. Vor allem wollen wir, dass GAM nicht nur für unsere Wurzeln als Hedgefonds-Boutique steht, sondern dass sich alle unsere Geschäftsfelder dadurch repräsentiert fühlen, weltweit.

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