Einst mächtigste Wall-Street-Bankerin: Selbstmordversuch

Erin Callan

Sie war im Banker-Olymp und fiel ganz tief: Erin Callan, Finanzchefin der kollabierten Investmentbank Lehman Brothers. Nach über sechs Jahren Funkstille hat sie ihre Geschichte veröffentlicht.

Erin Callan galt einst als mächtigste Bankerin an der Wall Street. Aber das war sie nur für eine kurze Zeit. Wenige Monate nach ihrer Ernennung zur Finanzchefin der Investmentbank Lehman Brothers trat sie zurück.

Die Bank hatte im Sommer 2008 Zahlen geliefert, welche die Märkte schockierten. Drei Monate zuvor hatte Callan gegenüber Investoren die Bank noch als kerngesund dargestellt.

Nach der CS abgetaucht

Die damals 41-Jährige nahm im Herbst 2008 nochmals einen Job an der Wall Street an – bei der Credit Suisse. Doch bereits nach fünf Monaten war Schluss. Offiziell hatte es geheissen, das Arbeitsverhältnis mit ihr sei wegen der laufenden Klagen gegen Callan und weitere Lehman-Manager aufgelöst worden. Danach war sie abgetaucht.

Nun hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben und veröffentlicht: «Full Circle» heisst die Autobiografie, in welcher Callan schonungslos und offen über ihren Aufstieg und Fall schreibt. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war sie der Star an der Wall Street: Mit 40 Jahren war sie die erste Frau überhaupt, welche in die Geschäftsleitung der traditionsreichen Lehman Brothers berufen worden war.

Für Gesprächsstoff sorgte aber nicht nur ihre Karriere, sondern immer mehr auch ihr Aussehen und ihr Stil, mit dem sie es gemäss Wall-Street-Autor Andrew Sorkin locker in die TV-Serie «Sex and the City» geschafft hätte.

Als Finanzchefin überfordert

Der Fall war brutal: Callan ist Juristin, keine Buchhalterin. Sie war als Finanzchefin einer Investmentbank mit einer hochkomplexen Bilanz überfordert. Die Präsentation für die Erst-Quartal-Zahlen im Jahr 2008 wie auch die Statements dazu hatte nicht sie geschrieben. Sie wusste nicht, wie es um Lehman Brothers stand. Kurz zuvor war Bear Stearns an J. P. Morgan für 2 Dollar die Aktie verkauft worden.

Im Markt war die Erwartung: Lehman Brothers ist die nächste. Als die Bank ihre Zahlen den Analysten und Investoren präsentieren sollte, schickte CEO Dick Fuld seine Finanzchefin zur Telefon-Konferenz und sagte bloss: «Viel Glück.» Callan erfüllte ihren Auftrag – die Märkte waren fürs Erste beruhigt.

Überdosis Schlafpillen

Keine drei Monate später war Callan weg. Ihre Glaubwürdigkeit war dahin. Sie war plötzlich das böse Gesicht der Finanzkrise.
Sie sei in ein Loch gefallen, schreibt sie in ihrem Buch. Der Tiefpunkt sei erreicht gewesen, als sie mit einer Überdosis Schlafpillen am Weihnachstabend ins Spital eingeliefert werden musste.

Im Buch stellt sie sich aber nicht bloss als Opfer der Umstände dar. Sie gibt unumwunden zu, dass sie kaum eine Ahnung und Übersicht über die Finanzen und Hypothekar-Investments der Bank hatte, als sie CFO geworden war. Als sie den hunderten von Analysten und Investoren die Lage erklären sollte, habe sie kaum gewusst, wovon sie gesprochen habe.

Den inneren Frieden gefunden

Später wurde sie beschuldigt, falsche Statements abgegeben und die Märkte irregeführt zu haben. Bei all den folgenden Untersuchungen und Prozessen habe sie anhören müssen, dass ihr Chef Dick Fuld wie auch COO Joe Gregory sich nicht hätten erinnern können, die Statements zu den Quartalsergebnissen gelesen und an der Telefon-Konferenz teilgenommen zu haben.

Erin Callan 1

Inzwischen lebt Callan auf einer Insel in Florida, ist mit einem Jugendfreund verheiratet und hat mit ihm eine Tochter. Ihren inneren Frieden hat sie wieder gefunden. Ein Telefonanruf trug dazu bei.

An einem Januartag im Jahr 2015 habe ihr Telefon geklingelt und sie habe die Stimme eines Mannes gehört, mit dem sie über sechs Jahre lang nicht gesprochen habe. Es war Dick Fuld, der sich für alles entschuldigt habe.

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Saxo Bank

Antonio Ferrante, der Chef der Saxo Bank Schweiz, ist zurückgetreten. Interimistisch übernimmt Patrick Hunger seinen Posten. Ferrante war nur wenig länger als zwei Jahre Chef des Online-Trading-Hauses. Er kam Anfang 2014 von der Credit Suisse für Søren Mose, der Saxo zusammen mit COO Ian Keates und Finanzchef Martin Beinhoff abrupt verlassen hatte.

Aargauische Kantonalbank

Das Staatsinstitut muss dem Kanton Aargau aus dem Rekordgewinn von 2015 mehr Geld abliefern. In die Staatskasse fliessen gemäss Beschluss des Eigners 91 Millionen Franken. Das sind 16 Millionen Franken mehr, als die Bank vorgeschlagen hat.

Fonds-Daten

Nach zweijähriger Zusammenarbeit haben sich zwei Dutzend Finanzinstitute angeführt von UBS, Credit Suisse und Julius Bär in Kooperation mit der Firma Fundinfo auf die Veröffentlichung des «openfunds-Standards». Die Initiative definiert häufig verwendete Fonds-Datenfelder. Jedes der 200 einzelnen Felder wird für die Datenübertragung spezifiziert und mit einem Identifier versehen.

SIX

Die Netzwerkprobleme der SIX sind nun vollständig behoben. Die Ursachen seien identifiziert. Die Systeme würden seit Mittwoch wieder stabil und ohne weitere Unterbrüche laufen. Die SIX hatte während über zwei Tagen mit grossen Netzwerkstörungen gekämpft, insbesondere der Zahlungsverkehr war betroffen gewesen.

Fondsmarkt

Das Vermögen der in der Statistik von Swiss Fund Data und Morningstar erfassten Anlagefonds erreichte im Mai 2016 rund 894 Milliarden Franken. Dies entspricht im Vergleich zum Vormonat einer Zunahme von knapp 20 Milliarden Franken oder 2,2 Prozent. Die Nettomittel-Zzuflüsse betrugen rund 340 Millionen Franken.

Postfinance

Die Postbank beteiligt sich am Kölner Fintech-Startup Moneymeets. Dieses betreibt eine Online-Plattform in den Bereichen Multibanking, Personal Finance Management und Versicherungen. Angestrebt ist ein Wissenstransfer, der Postfinance den Vorstoss in neue Geschäftsfelder ermöglichen soll.

Credit Suisse

Die Credit Suisse hat zum dritten Mal ihre Studie zum Finanzplatz Schweiz veröffentlich. Darin legt die Bank die Entwicklungen der letzten zwei Jahre dar, vergleicht die Positionierung internationaler Finanzplätze und geht auf Trends ein. Ausserdem sind in der Studie Faktoren für den zukünftigen Erfolg des Finanzplatzes definiert und es werden Handlungsempfehlungen sowohl für Marktteilnehmer als auch für Politik und Regulatoren gegeben.

Thurgauer Kantonalbank

Das Wahlprozedere für den Bankrat der Thurgauer Kantonalbank ist bestätigt worden. Der Thurgauer Grosse Rat hat eine parlamentarische Initiative von drei SVP-Kantonsräten abgelehnt: Darin wurde verlangt, dass künftig das Parlament neue Mitglieder für den Bankrat vorschlagen kann - und nicht mehr die Regierung.

Banken-Rating

Die Ratingagentur Fitch hat das Langfristrating für die UBS auf «A+» von bisher «A» erhöht. Die Erhöhung der Langfristratings für UBS AG und UBS Schweiz reflektiere die Kapitalposition der Gruppe. Die Gruppe sei damit in der Lage, die vorrangigen Verpflichtungen auch im Liquidationsfall zu decken. Das Langfristrating für die Credit Suisse bleibt bei «A».

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