Wenn der Robo-Advisor auch «Schwiizerdütsch» versteht

Alexey Popov, Executive Chairman Spitch

Spracherkennung im Banking gilt bereits als die nächste Revolution im digitalen Banking. Allerdings haben die Schweizer Banken ein Handicap: Schweizerdeutsch versteht kein Computer. Das vom Russen Alexey Popov gegründete Unternehmen Spitch ändert dies.

Die britischen Banken waren die ersten: Barclays und HSBC setzen Software zur Stimmerkennung ein. So können sie ihre Kunden am Telefon viel einfacher identifizieren. Die Sprache eines Menschen ist wie sein Fingerabdruck – biometrisch – und darum als Identifikationsmittel absolut sicher.

Inzwischen prüfen auch kleinere britische Banken die Technologie – auf Wunsch ihrer Kunden. Die Nachfrage von Kundenseite ist immer das beste Zeichen, dass eine Dienstleistung und Technologie tatsächlich einen Mehrwert bringt.

Schweizerdeutsch: Für den Computer ein Problem

Auch in der Schweiz ist in den Banken das Thema Spracherkennung auf dem Tisch. Allein: Die Schweiz mit ihren vier Landessprachen und zahlreichen Mundartdialekten ist für einen Computer, der Zusammenhänge der gesprochenen Sprache erkennen muss oder diese beispielsweise in Text umwandeln soll, ein echtes Problem.

Eine Lösung dafür hat Spitch, ein junges Schweizer Unternehmen, welches vom Russen Alexey Popov gegründet worden ist. Die Software von Spitch versteht Schweizerdeutsch. Bereits vergangenen November ging Spitch mit ihrer Lösung an die Öffentlichkeit und führte live Tests vor. Nun soll der Sprachcomputer auch im Markt zum Einsatz kommen.

Funktioniert einwandfrei

«Wir haben mit verschiedenen Banken in der Schweiz, aber auch diversen Kunden aus anderen Branchen, Projekte gestartet, welche zeigen sollen, dass die Technologie wirklich einwandfrei funktioniert», sagt Spitch-Gründer Popov im Gespräch mit finews.ch. «Das Kundeninteresse ist spürbar vorhanden», so der Russe, der bereits auf eine illustre Karriere zurückblickt.

So hat er ein Unternehmen für mobile Banksoftware aufgebaut, er war Anlagechef des russischen Schatzamtes, IT-Chef der russischen Regierung und zuletzt Vice President bei der Sberbank.

Riesiges Einsatzgebiet

Das Einsatzgebiet von Spracherkennungstechnologien ist riesig. Am naheliegendsten sind die Call Center. Kundenidentifikation ist nur der Anfang, denn mittels der Software können auch Kundenanfragen und -wünsche direkt schriftlich verarbeitet werden. Zudem kann die Software auch Gespräche analysieren und strukturieren.

Und hier sitzen die Banken auf einem riesigen Schatz: Die aufgezeichneten Kundengespräche sind «Big Data« im wahrsten Sinne des Wortes. Nur können die Banken damit nichts anfangen.

Computer hört den Kundenwunsch

Mit der entsprechenden Software lassen sich aber Kundenbedürfnisse filtern und erkennen. So soll es beispielsweise ähnlich wie aus der Datenanalyse im Mobile Banking möglich werden, dass während eines Kundengesprächs der Computer individuell abgestimmte Angebote hervorzaubert.

«Im Banking geht die Anwendung über jene in den Kunden-Call-Centern hinaus», so Popov. «Im Private Banking bringt Sprachanalyse und -verifizierung erhebliche Vorteile und Erleichterungen für den Kundenberater, beispielsweise in der administrativen Erfassung von Informationen und Aufträgen.»

Banking – nur mit der Stimme

Im Mobile Banking macht der Begriff «managed by voice» die Runde. Theoretisch ist es bereits möglich, dass Bankkunden während der Autofahrt mündlich über eine installierte App mit ihrer Bank Kontakt aufnehmen, um Transaktionen zu tätigen.

Über die möglichen Folgen des Einsatzes von Spracherkennungs-Computern im Banking wird spekuliert, dass das herkömmliche Online-Banking aussterben wird, wie auch finews.ch bereits geschrieben hat.

Der wichtigste Kommunikationskanal

«Ich würde nicht behaupten wollen, dass unsere Software ein Todesstoss für das Online-Banking ist», wiegelt Popov ab. «Vielmehr soll unsere Software die Möglichkeiten erweitern. Ich glaube an das Multi-Channel-Banking. Und die Stimmerkennung hat meiner Meinung nach das Potenzial, der wichtigste Kommunikationskanal zwischen Bank und Kunde zu werden.»

Popov und sein rund 40-köpfiges Team stehen noch ganz am Anfang der Stimmrevolution. Aber Spitch hat sich die Zusammenarbeit mit der Universität und der ETH Zürich wie auch der Swisscom gesichert, auch um an mehr Datensätze heranzukommen, die für die Verfeinerung des Sprachcomputers wichtig sind.

Kommenden Dienstag werden die Schweizer Banken in einem Webseminar, welches Spitch zusammen mit der British Banking Association durchführt, in die Welt der Sprach-Analyse und Kundenerfahrung eingeführt. Im kommenden September lädt Popov dann Banken und Versicherungen persönlich im Zürcher Nobelhotel Dolder zu einem Anlass über Sprachtechnologien ein.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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