Brexit-Abstimmung: Die lange Nacht der Währungen

Canary Wharf, London

In der «City» von London bereiten sich die Grossbanken auf das Ereignis vor, welches die Märkte am kommenden 23. Juni während 24 Stunden in Atem halten wird.

Die Referendumsabstimmung über eine Austritt Grossbritanniens aus der EU sehen Händler und Bankmanager als eines der grössten Risikoereignisse der letzten 25 Jahren an – ähnlich wie der Lehman-Kollaps oder auch die Aufhebung der Euro-Untergrenze durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015.

Alles einsetzen, um Folgen aufzufangen

Der grosse Unterschied: Auf den möglichen Brexit können sich Banken und Händler vorbereiten. Jamie Dimon, Chef der US-Grossbank J.P Morgan war diesen Juni in London und sagte gemäss der Nachrichtenagentur «Reuters», sollte es zum Brexit kommen, werde die Bank Spezialteams einsetzen, um die Folgen aufzufangen.

Ein City-Banker sagte: «Alle Händler werden Nachtschicht arbeiten. Sollte es wirklich das Grossereignis werden, wollen alle an ihren Desks sitzen.»

UBS und CS: Sitzen auf Nadeln

Die gegenwärtige Nervosität an den Finanzmärkten ist bloss ein Vorgeschmack auf den Sturm, der bei einer Annahme des Referendums losbrechen würde: Vor allem im Devisenhandel, aber auch im Aktien- und Anleihenhandel müssten Strategien und Positionen raschest möglich angepasst werden.

Auch UBS und Credit Suisse (CS) sitzen in London auf Nadeln. Auf Anfrage von finews.ch antwortete eine Sprecherin der CS äusserst schmallippig: «Wir sind vorbereitet.» Die UBS wollte offiziell gar nichts sagen. Wie ein Händler aber gegenüber finews.ch sagte, wird die Bank den Devisenhandel in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni nicht wie üblich nach Asien übergeben, sondern in London offen halten.

Das Pfund – viertwichtigste Währung

Die effektiven Auswirkungen eines Brexits für die Finanzmärkte sind nur schwer abzuschätzen. Knapp gesagt, stimmen die Briten darüber ab, ob eine Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandprodukt von 2,7 Billionen Franken den seit dem Zweiten Weltkrieg vorangetriebenen Integrationskurs in Europa durch ihren Austritt stoppt und ihre eigene Zukunft in Frage stellt.

Das britische Pfund ist die am viertmeisten gehandelte Währung mit einem täglichen Anteil von rund 12 Prozent am täglichen Gesamthandelsvolumen von rund 5,3 Billionen Dollar.

Emporschiessen der Handelsvolumen

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni auf Teufel komm raus gehandelt werden muss. Zur Veranschaulichung: An der Schweizer Börse SIX beläuft sich das durchschnittliche Handelsvolumen pro Tag auf rund 9,1 Milliarden Franken. Am 15. Januar 2015 schoss es auf 27,7 Milliarden Franken.

Für die Banker und Computersysteme wie auch für Kunden ein besonderer Stresstest. Für die Banken selber ist die Brexit-Abstimmung hingegen auch ein Ereignis, das gute Geschäfte verspricht.

Kommissionen werden anfallen

Im allgemeinen sind es insbesondere die Handelsabteilungen der Finanzinstitute, welche Marktschwankungen mögen. Je mehr gehandelt wird, desto mehr Kommissionen werden generiert.

Grosse Währungsverschiebungen bedingen vielfach Anpassungen von Handelspositionen und Neujustierungen von Kundenportfolios. Auch dies fördert Einnahmen.

Positiv fürs Halbjahresergebnis

Das Finanzgrossereignis des Jahres 2015, die Loslösung des Frankenkurses vom Euro, war für Schweizer Banken insofern ein Segen gewesen. Die Kundenaktivitäten nahmen sprunghaft zu, was den Rest eines an sich schlechten ersten Geschäftshalbjahres 2015 rettete.

Das Brexit-Referendum könnte durchaus einen ähnlichen Effekt haben. Das erste Halbjahr 2016 war bislang für Banken ohne Lichtblicke gewesen. Die Nacht der Währungen kann zum erhofften Lichtblick werden und dem Semester einen versöhnlichen Abschluss bescheren.

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