Der Doppelreiher spielt wieder Champions League
Der Laden hat noch geöffnet, als im zweiten Stock von PKZ MEN an der Zürcher Löwenstrasse die Styling-Masterclass «New Business Dresscodes» beginnt. Verkäuferinnen und Verkäufer bewegen sich elegant zwischen den Kleiderständern hindurch. Ab und zu erhascht ein Kunde einen neugierigen Blick auf das Geschehen und auf das prominente Gesicht.
Inmitten von Blazern und Anzügen hat PKZ eine Art Kamingespräch eingerichtet. Auf zwei Hochstühlen nehmen der ehemalige Fussballstar Beni Huggel und die PKZ-Fashion-Stylistin Melanie Cantaluppi Platz. Vor ihnen sitzt ausgewählte Kundschaft, im Schnitt gut 35 Jahre alt, etliche aus der Finanzbranche, manche in Damenbegleitung. Im Glas: Weine von Vergani aus der unmittelbaren Nachbarschaft.
«Das bist nicht du»
Filialleiter Sercan Aydogmus gibt bei der Begrüssung den Ton vor: Kleidung soll Individualität zum Ausdruck bringen, auch im Business-Alltag. Cantaluppi will an diesem Abend «alle Teilnehmer zum Strahlen bringen». Es gehe immer darum, die Person zu unterstreichen und ihr Sicherheit zu geben.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt eine Episode vom Fotoshooting mit Huggel am selben Tag. Beim vierten Look fiel das Urteil knapp aus: «Das bist nicht du», musste Cantaluppi einräumen. Der Fauxpas: zu breite Hosenbeine.
Ein anderer Vibe auf dem Golfplatz
Huggel, 41-facher Nationalspieler, war im Sommer als SRF-Experte an der Fussball-WM in Nordamerika, eingekleidet von PKZ. Von San Diego bis Vancouver sei es oft sehr warm gewesen, für viele Schichten blieb kein Raum. Gefragt waren Performance-Shirts gegen das Schwitzen: locker, atmungsaktiv und doch «Semi Business». Sein Lieblingsoutfit: ein fast schwarzer Anzug von Eleventy mit einem weissen, sehr dünnen Shirt, das nicht knittert.
Die schönste Anekdote spielt abseits des Rasens. Wegen der Zeitverschiebung blieben die Nachmittage frei, also ging es mit gemieteten Schlägern auf den Golfplatz. Auf Carts wollten die Schweizer verzichten, doch mit amerikanischem Nachdruck wurden sie vom Gegenteil überzeugt. Nach drei Löchern fuhr eine Frau mit einem Cart voller Musik und Getränken vor. «Ein ganz anderer Vibe als in der Schweiz, das hat mir sehr gefallen.»
Einfacher und schwieriger zugleich
Und die Business-Mode? Die Regeln seien lockerer geworden, sagt Huggel. Der Mann auf der Bank müsse nicht mehr Anzug und Krawatte tragen. Das mache es einfacher, aber gleichzeitig schwieriger. Klar bleibt die Sache beim Black Tie: «Als Mann ist dies ein sehr einfacher Dresscode.»
Seit dem Ende seiner Aktivkarriere befasst sich Huggel hauptberuflich mit dem Übergang von Spitzensportlern in die Geschäftswelt. «Kleidung ist wichtig dabei», sagt er. Er selbst sei in den vergangenen zehn Jahren besser geworden, dank der Zusammenarbeit mit PKZ. Cantaluppi bestätigt: Huggel sei «immer top gekleidet, nämlich von uns».
Happy Wife, Happy Life
Cantaluppi kategorisiert seinen persönlichen Stil als klassisch: bei Beratungen lasse sich oft schon aus dem Gesicht auf den Typus schliessen. Mit einer Ausnahme, ergänzt Huggel: Nach Jahren in engen Fussballschuhen sei er eher der Sneaker-Typ. Businessschuhe versuche er zu vermeiden, auch wenn sie vielleicht angezeigt wären. Ausser seine Frau will es so: «Happy Wife, Happy Life.»
Leicht über Kreuz geraten die beiden bei der Frage des Alters. Huggel findet es «peinlich, wenn man sich kleidermässig jünger machen will, als man ist». Cantaluppi hält dagegen: Man solle an der Zeit dranbleiben, soweit es im Verhältnis zur Person Sinn mache.

Kamingespräch: Beni Hugel und Melanie Cantaluppi. (Bild: PKZ)
Overshirt statt Kittel
Was macht einen guten professionellen Look aus? Für Huggel muss er die Persönlichkeit unterstreichen, und man muss sich darin wohlfühlen. Eine zu kurze Hose oder ein zu langer Ärmel ruinieren das. Sein Gradmesser: Es muss einen stören, wenn das Stück gerade nicht zur Verfügung steht, weil es in der Wäsche ist.
In den Kleiderschrank gehören für ihn Hemden und Vestons. Und das Overshirt, eine Mischung aus Blouson und Hemd, das er cooler findet als den klassischen Kittel.
Braun als Umarmung
Nach dem Gespräch führt Cantaluppi durch die Trends der Saison. Braun war die Farbe des vergangenen Jahres: Das Farbinstitut Pantone hatte für 2025 den Ton «Mocha Mousse» gekürt, nach einem schwierigen Jahr gleichsam eine Umarmung. 2026 gehört dem gebrochenen Weiss «Cloud Dancer», erstmals überhaupt fiel die Wahl auf einen Weisston. Er steht für einen Neuanfang.
Als perfekten Gegenspieler zu Braun und «Greige» empfiehlt Cantaluppi Bordeaux. Grau sei ohnehin die neutralste aller Farben.
Wandel des Vestons
Vestons wirken heute weniger militärisch, an den Schultern sind sie innen kaum noch konstruiert. Die Poschette muss nicht mehr sein, man sei derzeit «sehr clean unterwegs». Je schlichter ein Stück, desto hochwertiger muss es sein. Strick wertet auf, dazu Loafer. Westen sprechen das moderne Business an, auch Business-Jeans lassen sich gut tragen.
Für die Ergänzung sorgt das Haus selbst: Die Eigenmarke Burger liefert hochwertige Basisteile, welche die Designerstücke aus dem übrigen Sortiment komplettieren.
Comeback von Doppelreiher und Krawatte
Die Champions League bleibt der Doppelreiher. Er habe «heute wieder eine hohe Modigkeit», getragen aber clean, ohne Poschettli, gern mit Shirt statt Hemd. Und die Krawatte? «Bei den ganz Jungen kommt sie wieder.»
Zum Ausklang berät Cantaluppi die Gäste einzeln, Huggel steht für Smalltalk bereit, Vergani schenkt nach. Exklusiv für die Gäste bleibt die Filiale länger offen, das Beraterteam ist vor Ort.














